Stadtteile

Neckarstadt Jugendzentrum forum bietet Rundfahrt durchs Viertel

Mit dem Bus Geschichten aus den Stadtteilen erleben

Archivartikel

„Wo ist Heinrich?“ heißt es beim Stop in der Kunststraße, als der Bus mit offenen Dach dort zum Halten kommt. Über einen Lautsprecher erklingt die Geschichte über die täglichen Begegnungen mit dem Obdachlosen mit dem weißen Haar. Die Erzählung, die zum Bahnhof führt, führt gleichsam zurück in die Zeit, als hier Tag für Tag viele Flüchtlinge strandeten. Sie führt aber auch in die Parallelwelt, in der sich die Erzählerin damals fühlte, als sie als ehrenamtliche Helferin mit unsagbar viel Leid, Elend und Verzweiflung konfrontiert wurde, während überall auf den Bahnsteigen normaler Alltag herrschte.

Nach drei Jahren und vielen Kultur-Events an verschiedenen Austragungsorten endet nun das Projekt „Moving Space“ vom Jugendkulturzentrum forum und hat mit „Moving Stories“, einer Stadtrundfahrt im Bus seinen Abschluss gefunden. Stadtteilübergreifend hatten sich die Organisatoren dafür auf die Suche nach ganz persönlichen Geschichten gemacht. Geschichten, die stets von einem Ort und dessen ganz besonderer Verbindung erzählen.

Seit 2016 fördert das Projekt die Begegnungen in und zwischen den Stadtteilen. Das wird dabei vom Programm „Vielfalt gefällt“ der Landesstiftung Baden-Württemberg gefördert, die damit Vorurteilen und Diskriminierungen entgegenwirken will. Alle jene Orte wurden nun zum Etappenziel der Stadtrundfahrt. Es waren sehr bewegende Geschichten über Liebe, Freundschaft, Nächstenliebe und Menschlichkeit. Während die Geschichte über den Lautsprecher des Busses zu hören war, führte ihr Inhalt über den Alten Meßplatz zum Eissportzentrum, über den Neumarkt und die Kurpfalzbrücke zum Lindenhof. Mit dem Ende der jeweiligen Geschichte war gleichzeitig der bedeutsame Ort erreicht und konnte live begutachtet werden.

Besonderes Miteinander

Unter der Regie von Katharina Pfeiffer, Birgit Thomas und Anca Krause wurden in Zusammenarbeit mit den ortsansässigen Vereinen und Institutionen verschiedene Aktionen entwickelt und realisiert, um die für den jeweiligen Stadtteil typischen Kultur- und Freizeitangebote vorzustellen. Auch die Geschichte eine Kurdin aus dem Irak ist Teil der Rundfahrt.

Die Frau schilderte ihren Alltag und den ihrer Familie im Exil in Schweden, und wie sie, im Gegensatz dazu, das Leben in der Neckarstadt-West genießt. „Die Menschen passen hier aufeinander auf“, so beschreibt sie das ganz besondere Miteinander, das sie sehr an ihre eigene Kultur erinnert. Ziel ihrer Geschichte ist der Leseladen. Hier ist sie oft, weil sie so gerne Deutsch lernen möchte.

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