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Feudenheim Neues „Streetworker“-Projekt der Diakonie in Flüchtlingsunterkunft / Bürgertelefon soll Konflikte mit Anwohnern vermeiden helfen

Mobile Sozialarbeiter auf Spinelli

Archivartikel

In der Turnhalle auf Spinelli stehen einige Sportgeräte. Auf die Frage, an welches sie sich für das Foto im „MM“ stellen wollen, müssen Peter Riedel und Frank Lusiak nicht lange überlegen: an den Tischkicker. Sicher nicht, weil die beiden Sozialarbeiter eine ruhige Kugel schieben wollen. Vielmehr zeigen sie hier, was in der Flüchtlingsunterkunft von ihnen gefragt sein dürfte: bei Bedarf kraftvoll zupacken und ansonsten mit Ruhe, Übersicht und Reaktionsschnelligkeit punkten. Und im Team, versteht sich. Ihre Partner, die für dieses neue Projekt verantwortlich sind, kommen vom Diakonischen Werk: Matthias Weber, geschäftsführender Direktor, und Cigdem Erdis, Leiterin der Stabstelle Asyl und Migration.

„Mannheim wird eine hohe Integrationskraft nachgesagt“, lobt Weber. Doch dies sei „keine endlose Ressource“. Bei all dem ehrenamtlichen Engagement, das es im Feudenheimer Flüchtlingsforum auf vorbildliche Weise gebe, sei auch mal professionelle Unterstützung sinnvoll. Das sollten nun Riedel und Lusiak als „mobiles Einsatzkommando“ übernehmen. Es handele sich um das erste „Streetworking“-Projekt in einer Mannheimer Flüchtlingsunterkunft, sagt Weber. In einigen anderen Städten – so in Heidelberg im Patrick Henry Village – gebe es bereits etwas Derartiges.

Nach innen und nach außen

Vorgesehen ist, dass die beiden Sozialarbeiter sowohl nach innen als auch nach außen wirken. In einem Teilbereich der Turnhalle, ihrer „Tea Gallery“, wollen sie Flüchtlingen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Feste Sprechstunde ist Dienstagnachmittag, zum Auftakt locken sie mit Karaoke. Aber auch Bürger können sich bei Problemen direkt an sie wenden. Zudem werden die Beiden laut Projektleiterin Erdis im Stadtteil unterwegs sein und „Orte aufsuchen, wo Geflüchtete und Anwohner aufeinandertreffen“.

Wo genau das in Feudenheim sein soll, können die Verantwortlichen indes noch nicht sagen. „Wir gehen ganz offen an das Projekt ran und schauen, woran Interesse besteht“, betont Riedel. Auch Lusiak will sich erst mal ein Bild machen.

Veronika Wallis-Violet vom Feudenheimer Flüchtlingsforum sieht die erfahrenen Sozialarbeiter jedenfalls als sinnvolle Ergänzung. „Wir waren von Anfang an in das Projekt eingebunden“, erzählt sie später am Telefon, nachdem sie vom Jenga-Spielen mit drei Eritreern nach Hause gekommen ist. Man habe sich mit den „Streetworkern“ auch terminlich abgestimmt. „Die haben den Dienstagnachmittag übernommen, da hatten wir nichts im Angebot.“ Im Vergleich zu den Ehrenamtlichen könnten die beiden resoluten Männer bei Bedarf auch mal entschiedener auftreten.

Dass vielen Flüchtlingen auf Spinelli die Abschiebung droht, erschwert aus Sicht von Wallis-Violet nicht zwangsläufig den Umgang mit ihnen. „Afrikaner sind ja häufig fröhlich, kommunikativ und aufgeschlossen.“ Allerdings machten nächtliche Abschiebeaktionen einigen Bewohnern Angst. „Da haben vielleicht manche anderes im Kopf, als zum Deutschkurs zu geben.“ Unter den Ehrenamtlichen – rund 60 seien es nach wie vor – gebe es unterschiedliche Auffassungen darüber, ob sich die Hilfe ohne Bleibeperspektive noch lohne. Für Wallis-Violet steht das außer Frage: „Ich finde, wenn diese Menschen Deutschland verlassen, sollen sie auch gute Erinnerungen daran mitnehmen. Das gibt ihnen ja vielleicht Kraft.“

Dass die beiden Sozialarbeiter als Vermittler zwischen Flüchtlingen und Feudenheimer Bürgern sehr gefragt sein werden, glaubt Wallis-Violet nicht. Sie wisse von keinerlei konkreten Beschwerden. Nur von unguten Gefühlen, wenn beispielsweise eine Frau abends allein einer Gruppe Afrikaner in der Au begegne. „Objektiv mögen das keine begründeten Ängste sein. Aber vielleicht tut es ja einfach gut, da mit den Streetworkern mal darüber zu sprechen.“