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Neckarau Neue Einblicke in die Geschichte des Stadtteils beim Museumstag des Heimatvereins

Neckarauer begeben sich auf die Spuren der Römer

Archivartikel

Vom Römercastell bis zur Industrialisierung: Beim traditionellen Museumstag des Vereins Geschichte Alt Neckarau (VGAN) erlebten die zahlreichen Besucher erstmals hautnah die über 1650-jährige Geschichte des Stadtteils. Während der Vorsitzende des Heimatvereins, Wolfgang Reinhard mit der ersten Besuchergruppe zum Rundgang durch die Museumsräume im Rathaus Neckarau und in der angrenzenden Remise startete, folgten mehr als 20 interessierte Bürger dem stellvertretenden Vorsitzenden, Norbert Staab, auf seinem Rundgang zu historischen Stätten im Vorort.

Der begann im neugestalteten Ausstellungsraum im Badehaus. Bisher habe der Verein immer nur die Geschichte der letzten hundert Jahre präsentieren können, so Staab. Durch den neuen Raum im Badehaus könnten sie nun auch die Zeit davor bildlich darstellen. „Neckarau hat römische Wurzeln, ist somit der älteste Stadtteil Mannheims“, erklärte er. Gezeigt wird ein Modell des Römischen Burgus, der stand vor 1650 Jahren im Untergewann Casterfeld, das damals zu Neckarau gehörte. Fünf römische Reliefsteine, deren Repliken Anfang Oktober erstmals der Bevölkerung präsentiert wurden (die Originale befinden sich in den Reiss-Engelhorn-Museen), belegen die Geschichte. Darunter ist auch ein Vierkantstein aus Hermsheim. Das alte Dorf Hermsheim wurde 1250 wegen Hochwasser aufgegeben und die Bürger siedelten sich am Rande von Neckarau an, wo heute die Friedrichstraße ist. Auf der Rheingoldstraße ging einst die Römerstraße lang. „Unter dem Asphalt liegen noch die Reste der Steinstraße, die bis zur Flurbereinigung 1750 von den Neckarauern benutzt wurde“, erzählte Staab. Aus den Steinen des oberirdisch abgetragenen Burgus wurde in alemannischer Zeit die Johanneskirche errichtet.

Blick zurück

Doch weil die Bürger von Neckarau, das damals eine Insel war – umgeben von Neckar- und Rheinarmen, beim Kirchgang immer nasse Füße bekamen, baten sie Ende des 9. Jahrhunderts den fränkischen König, eine Kirche im Kern von Neckarau errichten zu dürfen. Der König überließ ihnen dafür das Gelände seines Königshofs. Auf dem mit 98 Metern über dem Meeresspiegel höchsten Punkt in Neckarau stand fast 1000 Jahre lang die Martinskirche – von 900 bis zum Abriss 1890. Zwischen 1891 und 1893 an gleicher Stelle errichtet wurde die heutige Matthäuskirche, die aber bis 1920 noch Martinskirche hieß. Die wenigen Katholiken in Neckarau feierten ihre Gottesdienste zunächst im alten Rathaus, das vor der Kirche der reformierten Calvinisten stand. 1758 wurde gegenüber vom Rathaus die Kirche St. Jakobus mit einem Turm eingeweiht und 1905 erweitert mit einem zweiten Turm.

„Das einst bäuerlich geprägte Neckarau war eines der reichsten Dörfer in Baden“, erklärte Staab. Weil dazu auch ein repräsentatives Rathaus gehörte, wurde das alte Rathaus abgerissen und 1888 der Grundstein gelegt für ein neues Rathaus, das 1899 eingeweiht wurde. Zehn Jahre später wurde Neckarau eingemeindet und das Rathaus überflüssig. Im Museumscafé ließen die Besucher bei Kaffee, Kuchen und angeregten Gesprächen den erlebnisreichen Tag ausklingen.

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