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Unterstadt Kulturamt und Quartiermanagement zeigen historische Aufnahmen im Cinema Quadrat

Nostalgische Filme übers Leben im Quadrat

Über die Leinwand flimmerten stumme Schwarzweiß-Aufnahmen mit Menschen, die auf dem Marktplatz vor dem Alten Rathaus umhereilen, damals in den Jahren 1926 und 1927. Manche bewegen sich darin auf Fahrrädern vorwärts, andere sind zu Fuß unterwegs. Dann erfolgte ein harter Schnitt, die Filmaufnahmen wechselten farbig in die Jahre 1969 und 1985 mit Ton und Off-Kommentar.

„Genau betrachtet sind es nicht nur quadratische Rechtecke, man sieht Rhomben und Trapeze. Das Quadrate-System verwundert und verwirrt immer wieder die Besucher, dabei ist es so einfach“, schildert ein unsichtbarer Sprecher bezüglich der städtebaulichen Schachbrett-Aufteilung von Mannheim. An dieser Stelle mussten die Zuschauer im verdunkelten Kinosaal wissend lachen. Im kommunalen Kino Cinema Quadrat, das sich seit November 2019 in neuen Räumlichkeiten im Quadrat K 1,2 befindet, fand die nostalgische Vorführung „Bewegte Vergangenheit der Unterstadt“ statt, mit einer Auswahl an zusammengeschnittenen Filmszenen aus dem Marchivum. Es war eine Veranstaltung des Kulturamts und des Quartiermanagements Unterstadt im Rahmen des Projekts „Urbaner Wandel in der Nachbarschaft von T4/T5“.

Adresssuche ohne Straßennamen

Zur Anmoderation stellte Esther Baumgärtner, die Quartiermanagerin im Viertel Unterstadt, dem Publikum ihr Amt vor. „Es freut mich immer, neue Gesichter kennenzulernen und zu erfahren, was im Quartier passiert. Wer zieht zu, wer zieht weg? Für mich ist das spannend“, erklärte Quartiermanagerin Baumgärtner. Auf der Leinwand schlängelten sich S-Bahnen durch die Häuserschluchten der Mannheimer Innenstadt.

Als der Zusammenschnitt im Jahre 1985 ankam, tauchte ein blonder Jüngling mit Blumenstrauß auf, der ahnungslos nach der Wohnung seiner Freundin sucht, wobei sich der junge Mann bei den Passanten erkundigt, wo das Quadrat G1,12 liegt. Bis ihn jemand darüber aufklärt, dass in Mannheim eine solche Adresse gar nicht existiert.

Die Szenen mit dem verzweifelten Junggesellen stammen aus dem Film „Leben im Quadrat“ des Filmemachers Eberhard Fingado, der von 1927 bis 2006 gelebt hatte. Seine Produktionsfirma Fingado GmbH gibt es heute noch. Außerdem zeigte die Vorführung zusätzlich Aufnahmen über den Spatenstich auf dem ehemaligen Sickinger-Schulgelände T4/T5 aus den Beständen des Rhein-Neckar-Fernsehens sowie einen Interviewausschnitt mit dem Maler Walter Stallwitz von Filmemacher Norbert Kaiser, der im Internet die kulturelle Videoplattform artmetropol.tv betreibt.

Im Vorfeld konnte das Mitarbeiterteam während der Sichtung von gelagertem Filmmaterial im Stadtarchiv „Marchivum“ so manchen Schatz heben. Es sind lichtspieltechnische Fragmente mit optischer Patina aus der Prä-Smartphone-Epoche, als das Drehen von Filmen aufwendig und kostspielig war. In Bezug auf das Filmmaterial staunte ein älterer Besucher in der ersten Reihe darüber, wie gut die Stadt Mannheim bereits 1957 wiederaufgebaut war, zwölf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. „Haben Sie sich selbst entdeckt?“, erkundigte sich Quartiermanagerin Esther Baumgärtner, die mit Kulturamt-Mitarbeiterin Stefanie Rihm und der freien Journalistin Cathérine Gallier das Programm moderierte.

Als Vorführungen mit Nostalgiewert sollen weitere Veranstaltungen folgen. Am Donnerstag, 5. November, wird das Team den Spielfilm „Warum sind sie gegen uns?“, der 1958 in Mannheim gedreht worden war, von Regisseur Bernhard Wicki im Cinema Quadrat präsentieren.

Info: Filmprogramm unter www.cinema-quadrat.de

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