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Neckarau Tag des offenen Denkmals / Mehr als 60 Teilnehmer beim historischen Rundgang des Vereins Geschichte Alt-Neckarau

Orgelvorführung und Turmbesteigung

Auch Neckarau nahm am Tag des offenen Denkmals teil und öffnete seine Kulturdenkmäler. Die Veranstaltung wurde organisiert vom Verein Geschichte Alt Neckarau (VGAN). In der Rathausremise begrüßte Vorsitzender Wolfgang Reinhard rund 60 interessierte Bürger. Neben Führungen durch die Museumsräume im Rathaus stand ein historischer Rundgang auf dem Programm, bei dem die beiden Neckarauer Kirchen in der Rheingoldstraße im Mittelpunkt standen.

"Eine Kirche in Neckarau wurde erstmals im 9. Jahrhundert erwähnt", erklärte Norbert Staab, stellvertretender Vorsitzender des VGAN. Sie wurde aus Bruchsteinen eines römischen Kastells errichtet. Ihr Turm blieb 1000 Jahre erhalten, erst 1891 wurde er abgebrochen. An gleicher Stelle erfolgte nach 1300 der zweite Kirchenbau im gotischen Stil. Nach der Reformation unterlag die Neckarauer Martinskirche wie die gesamte Kurpfalz mehrfachen Religionswechseln, ehe sie 1705 bei der Pfälzischen Kirchenteilung endgültig den Reformierten zugesprochen wurde. 1789 wurde an gleicher Stelle eine spätbarocke reformierte Predigtkirche erbaut. 1891 erfolgte der vierte Kirchenbau im neugotischen Stil. In den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts wird für die Kirche der Name Matthäuskirche gebräuchlich. Die im Ersten Weltkrieg eingeschmolzenen Bronzeglocken wurden 1922 durch ein neues vierstimmiges Geläut aus Gussstahl ersetzt, das die Beschädigung und den Brand nach einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg überstand.

Auf die Turmbesteigung hatte sich die zehnjährige Stephanie am meisten gefreut. Vater Thorsten Wörns hatte als Konfirmand den Turm bestiegen und wollte seiner Tochter dieses Erlebnis ebenfalls ermöglichen. Mit Pfarrer Tobias Hanel ging es die 105 Stufen hinauf. Beim Einstieg in den Raum mit den Gussstahlglocken mussten Stephanie und ihr Vater den Kopf einziehen. Dann standen sie direkt vor dem mächtigen Geläut mit einem Gesamtgewicht von 3945,5 Kilo. "Es war dunkel und eng, es war wie ein Abenteuer", erzählte Stephanie. Einen musikalischen Genuss erlebte die Teilnehmergruppe in der katholischen Kirche St. Jakobus. Der Sakralbau wurde zwischen 1904 und 1907 nach den Plänen von Ludwig Maier errichtet, der Teile der Bausubstanz des Vorgängerbaus von 1760 einbezog. Ihr heutiges Aussehen erhielt die Kirche in den 1950er Jahren, als die Dächer nach dem Zweiten Weltkrieg in vereinfachter Form erneuert wurden.

Erst 24 Jahre alt ist die Orgel. Sie wurde am 7. März 1993 geweiht. Unter der fachkundigen Leitung von Organist Wolfgang Schubardt erhielten die interessierten Besucher Einblick in Aufbau und Funktion sowie weitere spannende Aspekte der kleinen Göckel-Orgel, von deren gewaltigem Klang sich die Teilnehmer begeistern ließen. ost