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Neckarstadt West Künstler wie Sharon Suliman und Neckarganga feiern siebtes Musikwelten-Picknick auf Neumarkt

Regen zwingt zum Abbruch

Archivartikel

Überall auf dem Neumarkt harren Bands und Solisten unter weißen Pavillons aus. Reihum stimmt jede Klangstation ein bis zwei Stücke an, woraufhin diese Lieder nacheinander über die grüne Wiese schallen. „Das ist ein dialogisches Konzertkonzept“, erklärt Mitorganisatorin Ulrike Posch vom veranstaltenden „Community Art Center“.

Zum siebten Mal findet das choreografierte Picknick „Musikwelten“ auf dem Neumarkt in der Neckarstadt-West statt, um zu demonstrieren, wie viele talentierte Musiker in dem multikulturellen Altbauviertel leben. Am Picknick nehmen Künstler wie die Opernsängerin Barbara R. Grabowski, Cellibration, Jamolectric und der gemischte Männerchor 1879 aus Ludwigshafen-Oppau teil. Wegen einsetzenden Starkregens muss die Veranstaltung aber nach einer Stunde abgebrochen werden.

„Im Winter führen wir die Musikwelten in der Diakoniekirche Luther durch und im Sommer auf dem Neumarkt“, sagt Pressesprecherin Ulrike Posch. Mit diesen beiden Veranstaltungen möchte das organisierende „Community Art Center“ die heterogene Musikszene im Viertel sicht- und erlebbar machen. Durch das Programm führt Moderatorin Annette Dorothea Weber. Noch scheint vom klaren Himmel ungetrübter Sonnenschein, als die arabische Combo Neckarganga orientalische Klänge mit Sitar, Saxofon, Kontrabass und fremdländischen Trommeln zu Gehör bringt. Mitten auf der Wiese breitet sich eine lange weiße Decke aus, worauf Besucher rund um silberne Obstschalen mit Pfirsichen, Äpfeln und Kirschen sitzen.

Auch das Markus Vollmer Trio stellt sein Können unter Beweis – und zwar in Form von hart auf E-Gitarren angeschlagenem Blues-Rock. „Ich beschreibe unseren Stil als Singer/Songwriter“, sagt Bandchef Vollmer am Rande der Freiluftveranstaltung. „Seit dieser Woche wohne ich in Weinheim, davor habe ich aber in der Langen Rötterstraße gewohnt“, verrät der 43-Jährige.

In dieser Konstellation scheinen die Musiker miteinander zu kommunizieren, quer über den Neumarkt, ähnlich wie bei einem akustischen Ruf- und Antwortspiel, ohne erhöhende Bühnen. Hinterher erhebt die studierte Opernsängerin Barbara R. Grabowski ihre voluminöse Stimme, unterstützt von Keyboarderin Brigitte Becker, für das klassische Stück „Dolente immagine“. Ist die Gesangskünstlerin mit der grellblonden Kurzhaarfrisur mit der altgedienten Schorle-Rockband Grabowsky aus dem pfälzischen Frankenthal verwandt? „Nein, die schreiben sich ja mit Ypsilon, ich dagegen mit i“, amüsiert sich das Stimmwunder. „Darauf werde ich oft angesprochen. Auch, ob ich mit dem kleinen Maulwurf oder dem ehemaligen Fußballspieler Jürgen Grabowski von Eintracht Frankfurt verwandt bin“, erzählt die 42-Jährige, die in der Zehntstraße wohnt.

Gitarrist und Kulturbeauftragter

Zwischen seinen sechs Saiten stößt Gitarrist Markus Herrmann von der Schüler-Band Jamolectric die Tür zu einem neuen Klangkosmos auf. Saitenhexer Herrmann unterrichtet als Lehrer an der Marie-Curie-Schule und scharrt hoffnungsvolle Jungtalente aus den dortigen siebten Klassen um sich. „Ich bin auch Kulturbeauftragter an der Schule“, erklärt Markus Herrmann.

Zudem spielen auf dem Picknick noch die HipHop-Sängerin Sharon Suliman und das weltmusikalische Duo Tambour von Lauten-Zupfer Hozan Temburwan. hfm