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Neckarau Spanischsprachige Gemeinde feiert exotische Flamenco-Messe in katholischer Jakobuskirche

Rosen für die Tänzerinnen

Mit breiten Fächern wedelten sich die farbenfroh gewandeten Akteurinnen, die wallende Röcke trugen, beim Einmarsch in die katholische Jakobus-Kirche kühlende Luft zu ’ während der Eingangsprozession mit der Heiligen Mutter von El Rocio, eine goldene Symbolfigur, die auf einer Sänfte hereingetragen wurde. „Wir feiern einmal im Jahr die spanische Flamenco-Messe, immer in einer anderen Kirche. Vor drei Jahren waren wir in der Liebfrauenkirche im Jungbusch zu Gast“, erklärte der argentinische Pfarrer Diego Elola. Sämtliche Besucherstühle im drangvollen Neckarauer Gotteshaus waren auch diesmal wieder belegt.

Tanzende Kinder in kunstvollen Trachten wirbelten inmitten der proppenvollen Jakobuskirche herum, mit musikalischer Begleitung zweier Akustikgitarren, und rissen die kleinen Arme in die Höhe, während die Sprösslinge mit ihren schweren Absätzen aufstampften.

„Mit dem Herzen mittanzen“

Vor gespannter Begeisterung hielt es das Publikum kaum auf seinen Stühlen, die meiste Zeit über verfolgten die aufmerksamen Kirchgänger den außergewöhnlichen Flamenco-Gottesdienst der befreundeten spanischen Gemeinde „Mision Catolica Mannheim-Weinheim“ im Stehen.

Ebenso war Stadtdekan Karl Jung, bevor der Theologe weitereilen musste zu einem Flug nach Rom, voller Lob für die fremdländische Marienmesse. „Wichtig ist, mit dem Herzen mitzutanzen“, betonte Jung und ergänzte: „Die spanischsprachige Gemeinde ist ein großer Reichtum für die Stadtkirche.“ Außerdem schwärmte der Theologe von dem Land Peru und wie mitreißend dort Gottesdienste gefeiert würden.

Es folgten einige biblische Lesungen, traditionelle Sevillana-Volkstänze, teilweise mit bestickten Schultertüchern, und ein Friedensgruß – angesichts der aktuellen politischen Weltlage von besonderer Bedeutung. Immer wieder hallten durch die Jakobuskirche leidenschaftliches Klatschen und gesangliche Rufe.

Bis schließlich die ganze Besucherschaft zusammen das berühmte Marienlied „Salve Rociera“ anstimmte. Gegen Ende des Gottesdienstes verteilte Pfarrer Elola weiße Rosen mit Küsschen an alle mitwirkenden Tänzerinnen und Künstlerinnen. Nach der exotischen Flamenco-Messe traf sich die Gemeinde zu einem gemeinsamen Mittagessen bei Reis mit Hähnchen und Oliven im benachbarten Jakobus-Gemeindesaal.

Ring als Erinnerung

Durch den fast zwei Stunden dauernden Gottesdienst führte Elola, der seit acht Jahren in Deutschland lebt und gerade an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt promoviert, und zwar in Pastoralpsychologie. „Seit letztem Jahr habe ich die deutsche Staatsbürgerschaft“, freute sich der 38-Jährige während des Mittagessens. Zwar trägt Elola einen goldenen Ring um den rechten Ringfinger, dies sei jedoch kein Ehering, sondern ein über 100 Jahre altes Erbstück seines Urgroßvaters. „Darauf sprechen mich viele an“, erzählte der aus Argentinien stammende Priester, der häufig im Fernsehen auftritt und in der Innenstadt wohnt. Seine seelsorgerische Hauptaufgabe sieht der Mannheimer in der Integration von Menschen aus anderen Kulturen.