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Innenstadt Pianist Rolf Sieren spielt Stücke von Ludwig van Beethoven bis Franz Liszt bei Mannheimer Liedertafel

Rückkehr eines alten Bekannten

Archivartikel

„Er gehörte zur goldenen Generation der 1685er Jahre“, erklärte Pianist Rolf Sieren in Bezug auf den berühmten Komponisten Johann Sebastian Bach. „Im selben Jahr wurden Domenico Scarlatti und Händel geboren.“

Draußen im Freien lockte eine herrlich warme Abendsonne, trotzdem entschieden sich viele Besucher, im dritten Stock des historischen Gebäudes der Mannheimer Liedertafel im Quadrat K2, dem erlesenen Klavierkonzert von Rolf Sieren beizuwohnen – im Probensaal der Sängerinnen und Sänger.

Kenntnisreich führte der Gastmusiker in das Programm ein und erläuterte dem aufmerksam lauschenden Publikum den Fachbegriff des „wohltemperierten Klaviers“, worunter professionelle Musiker speziell gestimmte Tonhöhen auf einem Instrument verstehen.

„Ich bin nicht berühmt“

Mit Präludium und Fuge in H-Dur aus dem „wohltemperierten Clavier Band 2“ von Bach aus dem Jahre 1744 eröffnete Tastenvirtuose Sieren im Liedertafel-Probensaal. Anschließend interpretierte der 56-Jährige die Sonate opus 2 Nr. 3 in C-Dur aus der Feder von Ludwig van Beethoven von 1795. „Einer der ganz Großen der Musikgeschichte, Beethoven wurde 1770 in Bonn geboren und starb 1827 in Wien“, schilderte Sieren. „Damit gehört Beethoven den Epochen der Wiener Klassik und der Romantik an.“ Zwischen den Beiträgen erhob sich der 56-Jährige immer wieder von seinem Schemel, um sich verneigend den Applaus der Zuhörer entgegenzunehmen. An einem edlen schwarzen Flügel der Marke Yamaha brachte der Rheinhesse sein Programm zu Gehör.

Durch seine Moderation vermittelte Gastmusiker Sieren, der im rheinhessischen Mainz-Ebersheim wohnt und von 2004 bis 2016 der Chorleiter der Mannheimer Liedertafel war, den Zuhörern wissenswerte Gedanken. Der Auftritt von ihm war gewissermaßen die Rückkehr eines alten Bekannten.

„Ich bin nicht berühmt, ich muss schauen, wo ich auftreten kann“, erzählte der 56-Jährige, dessen Hauptinstrument das Piano ist. „Ich hatte viele andere Instrumente gespielt, die ich alle verkaufen musste, weil ich keine Zeit mehr hatte“, bedauerte er. Am Flügel gab Rolf Sieren den Mephisto-Walzer Nr.1 von Komponist Franz Liszt zum Besten, besser bekannt als „Der Tanz in der Dorfschänke“ – eine Nummer, die auf einem faustischen Text des Schriftstellers Nikolaus Lenau basiert. „Franz Liszt hat vier Mephisto-Walzer geschrieben, gemeint ist aber meistens der erste“, erläuterte der Klavierspieler. „Nach dem Faust, nicht aber von Goethe, sondern von Lenau, der auch einen Faust geschrieben hat.“

Jazz-Transkriptionen als Zugabe

Mit seinen beiden Händen lotete Sieren bei diesem Stück die komplette Klaviatur an Tönen aus. Ergänzend trug der Gastmusiker einige altdeutsche Sätze aus diesem für Laien eher unbekannten Faust-Text vor.

Inspiriert von einem romantischen Gemälde namens „Der heilige Franziskus von Paula auf den Wellen schreitend“ ist dagegen das Stück „Franziskus-Legende Nr. 2“ von 1863, ebenfalls von Franz Liszt und von Sieren angestimmt. Auf dem zugrundeliegenden Gemälde sieht der Betrachter einen über das Wasser gehenden Franziskus. „Liszt war selbst sehr gläubig“, erklärte Sieren. Als Zugabe spielte der Rheinhesse die drei Jazz-Transkriptionen „Stormy Weather“, „Sweet Lorraine“ und „Moonglow“ – sowie das allseits bekannte Klavierstück „Für Elise“ von Ludwig van Beethoven.