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Neckarau Workshop an der Wilhelm-Wundt-Realschule

Schüler üben, wie man Radio macht

Eifrig tippend und klickend saßen die jugendlichen Teilnehmerinnen um zwei Laptops herum, aufgeteilt in die beiden Arbeitsgruppen „Tonschnitt“ und „Musikauswahl“, wobei jedes Gruppenmitglied einer individuellen Aufgabe nachging. „Wir leben in einer visuellen Welt, das Hinhören ist nicht mehr so gefragt. Wir wollen den Leuten damit Lust auf Radio machen“, erklärte Medienreferent Albrecht Ackermann von der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung (LKJ) Baden-Württemberg. An der Wilhelm-Wundt-Realschule (WWR) im Stadtteil Neckarau fand ein zweitägiger Radioworkshop unter Leitung von Radiojournalist Ackermann statt.

Im Rahmen dieses Workshops lernten acht Teilnehmer, wie man Mikrofon-Umfragen draußen auf der Straße führt, Radiobeiträge erstellt und schneidet sowie das kreative musikalische Untermalen derartiger Sendebeiträge. Für zwei Tage lang verwandelte sich das Klassenzimmer in eine Radiostation.

Kurzinterviews auf der Straße

„Am besten versteht man das Medium Radio, wenn man sich mal selbst als Radiomacher probiert“, versicherte Ackermann, der als freiberuflicher Radiojournalist aus Tübingen angereist war, um sein Fachwissen an die Schüler der 8. und 9. Klasse weiterzugeben. Wie geht man technisch mit einem modernen Mikrofon um? Wie denkt man sich interessante Fragen für einen Interviewpartner aus? Wie bedient man ein Computerprogramm für digitalen Audioschnitt? Mit diesen anfänglich knifflig erscheinenden Aufgaben beschäftigen sich die Teenager. „Wir haben auf dem Laptop das Programm Audacity verwendet, das man kostenlost im Internet herunterladen kann“, schilderte Ackermann. Darüber hinaus produzierten die Jugendlichen einen akustischen Jingle.

Nicht zuletzt konnten sie sich im Rahmen des professionellen Workshops in sozialer Kompetenz üben, indem die Heranwachsenden trainierten, auf der Straße fremde Menschen für ein Kurzinterview anzusprechen. „Es ist nicht so einfach, jemanden auf der Straße anzuhauen, dafür braucht es Mut“, weiß Ackermann.

Wenn man sich hinterher die eigene Stimme technisch reproduziert auf dem Computer anhört, entwickelt ein Sprecher ein neues Selbstbewusstsein, um vorhandene rhetorische Fähigkeiten weiterzuentwickeln. „Beim Sprechen im Radio spielen Atmung und Pausen eine wichtige Rolle“, verdeutlichte Ackermann.

An dem zweitägigen Radio-Workshop nahm auch Realschülerin Sude Tiril teil. Auf der Straße erkundigten sich die Jugendlichen nach den Meinungen der Passanten zum Thema „Kopfhörer“. Denn Kopfhörer können bei lauter Musik schädlich für die Ohren sein. „Sehr viele haben uns abgewiesen, sobald sie das Mikrofon gesehen haben“, bedauerte die 15-jährige Sude Tiril.

Andere Passanten dagegen führten jedoch offen und zugewandt anregende Gespräche mit den Realschülern. Nachmittags besuchte die Workshop-Gruppe den freien Radiosender Bermudafunk in der Alten Feuerwache, um die angefertigten Beiträge mit den O-Tönen auszustrahlen. Denn Diplom-Pädagoge Timo Fenske, der seit 2010 an der Wilhelm-Wundt-Realschule unterrichtet und die Workshop-Gruppe betreute, moderiert nebenbei im Bermudafunk die Radio-Sendung „Echo HD“.