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Neckarstadt-Ost Grünen-Politiker besuchen Fraueninformationszentrum / Fördergelder vom Land ausgelaufen

Schutz vor Gewalt gegen Frauen

Mit einem „grandiosen Missverständnis“ startete der Besuch von Staatssekretärin Bärbl Mielich und der Grünen-Landtagsabgeordneten Elke Zimmer im Fraueninformationszentrum (FIZ) in der Neckarstadt Ost. Die Staatssekretärin verwechselte die Mannheimer Beratungsstelle mit dem FIZ in Stuttgart, das 60 000 Euro pro Jahr vom Land Baden-Württemberg erhält – das FIZ in Mannheim dagegen nur 17 000 Euro. Außerdem hat das Fraueninformationszentrum auch nichts mit Prostituiertenschutz zu tun, wie Mielich zunächst vermutete.

Annette Heneka und Tina Wagner, Mitarbeiterinnen im FIZ, sowie Geschäftsführerin Claudia Schöning-Kalender klärten sie auf: Das Fraueninformationszentrum FIZ ist die Beratungsstelle des Mannheimer Frauenhaus e.V., finanziert durch die Stadt. Obwohl die Beratungsstelle für Frauen in schwierigen Lebenssituationen im vergangenen Jahr ihr 30-jähriges Bestehen feierte, hat Heneka manchmal das Gefühl, sie seien nicht bekannt, obwohl es eine große Nachfrage gibt. Im Jahr 2017 hätten 332 Frauen ihr ambulantes Beratungsangebot in Anspruch genommen.

Die FIZ-Mitarbeiterinnen unterstützen Frauen in Trennungs- und Scheidungssituationen. Sie beraten und begleiten Frauen, die Wege aus einer gewalttätigen Beziehung suchen. Darüber hinaus informieren und beraten sie Hilfesuchende zum Wohnungsverweis, Gewaltschutzgesetz und unterstützen von Stalking Betroffene. Ebenso bieten sie Fachberatung für andere Institutionen und informieren über spezifische Gewaltaspekte und Beziehungsstrukturen.

Oft sei es schwierig für die Polizei, zwischen häuslicher Gewalt und einem Familienstreit zu unterscheiden, so Wagner. Auf die Frage von Mielich, ob es, wie vorgeschrieben, bei der Polizei Mannheim Sachbearbeiter mit Schwerpunkt häusliche Gewalt gibt, antwortete sie: „Es gibt nur zwei in den Revieren Neckarstadt und Sandhofen.“

Fünf Wohnungen einzigartig

Einzigartig in Baden-Württemberg sind die fünf Wohnungen, die das FIZ Frauen in schwierigen Lebenssituationen zur Verfügung stellt. „Die Wenigsten wollen ins Frauenhaus“, erzählte Heneka. Das Angebot von FIZ richte sich an Frauen, unabhängig vom Aufenthaltsstatus, egal welchen Alters, mit und ohne Behinderung, gleich welcher Lebensform. Die Beratungen seien vertraulich und kostenlos.

Darüber hinaus hat das FIZ in Kooperation mit der AG Barrierefreiheit und mit Unterstützung durch die Psychologische Beratungsstelle Notruf und Beratung für sexuell misshandelte Frauen und Mädchen im Herbst 2014 ein Projekt zur Unterstützung gewaltbetroffener Frauen mit Behinderung gestartet. Ziel des Projekts sei die Bildung eines lokalen Netzwerks von Einrichtungen sowie der Behindertenhilfe und selbsthilfe gewesen, so Heneka. Leider seien mit Auslauf der Fördergelder durch das Land Baden-Württemberg die Verbindungen abgebrochen.

Staatssekretärin Mielich versprach Unterstützung. Zimmer will mit der Polizei sprechen wegen mehr Sachbearbeitern mit Schwerpunkt häusliche Gewalt. ost