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Neckarstadt-Ost Melanchthonkantorei reagiert sofort auf Beschwerden nach der Aufführung von „Chess“ / Viel Beifall für die musikalischen Beiträge

Sex-Szene in Musical erzeugt Misstöne

Eine Vergewaltigungsszene ausgerechnet am Weltfrauentag während der Premiere der Aufführung des Musicals „Chess“ durch den Popchor Mannheim Neckarstadt – für manche Zuschauer ging das wohl über das Erträgliche hinaus. Zumindest sei die Szene in dem Stück (Regie Thomas Nauwartat-Schultze, Chorleiterin Christiane Brasse-Nothdurft) für den Verlauf der Geschichte völlig überflüssig gewesen, lauteten Kommentare in der Redaktion. Eine Besucherin verließ gar während einer Aufführung den voll besetzten Saal der Melanchthongemeinde. Andere Zuhörer waren von der Premiere und der gelungenen Darbietung indes total begeistert.

Kantorei reagiert sofort

Die Kantorei reagierte nach Beschwerden umgehend und änderte gleich am Sonntag die Szene. Schließlich wird das Stück am kommenden Wochenende (15. und 16. März, 20 Uhr, Lange Rötterstraße) erneut aufgeführt. „Von einem sexuellen Übergriff ist nicht mehr die Rede“, so Chorleiterin Christiane Brasse-Nothdurft. „Das war ein Skandal – unverantwortlich und unnötig“, machte eine Konzertbesucherin im Gespräch mit der Zeitung ihrem Ärger Luft. Schließlich seien auch Kinder vor Ort gewesen und das Stück in der Kirche aufgeführt worden. Nicht zuletzt seien Klischees über Russen bedient worden.

Die Geschichte dreht sich um die Konkurrenz zweier Schachspieler, von denen einer Russe und der andere US-Amerikaner ist. Hintergrund ist die Schach-WM 1972 in Island. Komponiert wurde die Musik von Mitgliedern der Popgruppe ABBA. „Chess“ ist das fünfte und letzte Musical, das Brasse-Nothdurft vor ihrem Ruhestand 2020 auf die Bühne bringt.

Ungeachtet der Misstöne lieferten die Akteure bei der Premiere mit Liebe zum Detail, großartigem Orchester und tollen Sängern eine gute Show ab. Sie begeisterten das Publikum, das alle Beteiligten mit tosendem Applaus ehrten. Neben der politischen Brisanz des Matches wurden in den Balladen Einzelschicksale erzählt. Das Bühnenbild mit dem überdimensionalen Schachfeld, die perfekt abgestimmten Kostüme, der Chor mit mitreißenden Auftritten waren vom Feinsten.

Herausragend auch das Musical-Orchester: In Thomas Nauwartat-Schultze als musikalischen Leiter, den Geschwistern Lewzuk sowie Musikern von der Musikhochschule Mannheim sowie der Pop Akademie besaß die Partitur mit Elan in allen Sätteln beheimatete Sachwalter. Hier war Freude am Detail ebenso angesagt wie ein lustvolles Musizieren.

Die Hauptrollen waren mit Elisabeth Fuhry als Florence Vassy und Jonas Funk als Schachweltmeister Anatoly Sergievsky bestens besetzt. Benjamin Saile als arroganter, egozentrischer Amerikaner namens Frederick Trumper kostete den dankbaren Part ohne Abstriche aus und führte diesen widersprüchlichen Charakter in zahlreichen Facetten vor. Dem stellte Florian Bauer (Schiedsrichter) ein in prächtigen Farben schillerndes Schlitzohr gegenüber. Außerdem punktete Malte Gerstenkorn als Alexander Molokov (Chef der russischen Delegation). Bunte Choreographien des engagierten Popchors sorgten für Unterhaltung.

Musikalische Höhepunkte waren die vielen Soli der Hauptakteure, besonders der von Jonas Funk interpretierte Song „Anthem“ über Vaterlandsliebe hatte Gänsehautpotenzial. Beim Duett „I know him so well“ lieferten Elisabeth Fuhry und Sandy Repp als Svetlana Sergievskaya ein harmonisches Frauenduo ab.