Stadtteile

Luzenberg Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und dem Gewerbe laden zu Spiegelgesprächen / Anwohner äußern Sorgen

Situation im Viertel verbessern

Archivartikel

Gut sichtbar und somit sicherer unterwegs – so werden künftig die Kinder der Kindertagesstätte Stollberger Straße zu Ausflügen starten. Die Leiterin der Luzenberger Einrichtung, Melanie Parthenschlager, freute sich sichtlich, als sie mit ihrer Kollegin Emela Combs von Kai Kemper einen Karton mit 50 leuchtend-gelben Warnwestchen überreicht bekam.

Diese Sachspendenübergabe war jedoch nur der Startschuss für Aktionen im und für den Stadtteil Luzenberg, die aus einer sogenannten „Spiegelkasse“, einem Stadtteilfonds, mit Gelder bezuschusst werden können. Mittlerweile sind in der Kasse, die von der Firma Pro Concept AG und aus der „Mannheimer Runde“ gefüllt wurde, 8500 Euro.

Ähnlichkeit zu Hasenleiser

„Die Warnwestchen sind ein Symbol. Eigentlich ist diese Aktion, die Spiegelgespräche – ein ,Zufallsprodukt’. Wir wollten in den Dialog treten, wie wir die Situation im Luzenberg verbessern könnten“, schilderte Kai Kemper das Engagement der Expertenrunde. Bereits zum dritten Mal hat diese in die Luzenbergschule eingeladen, um mit Bewohnern, Vereinen, den Kirchen und mit örtlichen Politikern Wege zu finden, die Lebensverhältnisse im Stadtteil Luzenberg zu verbessern.

Der kleine Kreis von Vertretern aus Wirtschaft, Hochschule und Gewerbe hatte zu diesem Treffen Rebecca Ramirez vom Caritasverband Heidelberg eingeladen. Ramirez präsentierte anschaulich eine bewohnergetragene Vereinsstruktur am Beispiel des Heidelberger Stadtteils Hasenleiser. „Dieses Viertel hat durchaus Ähnlichkeiten mit Luzenberg“, erklärte zuvor Martin Albert von der SHR Hochschule Heidelberg, der auch diesmal die Gesprächsrunde leitete. Wichtige Erkenntnisse aus Heidelberg seien unter anderem die Notwendigkeit, bei sogenannten runden Tischen, Erfahrungen mit örtlichen Behörden, Schulen, Kirchen und Vereinen auszutauschen. Aber auch in Heidelberg geht nicht alles so wie gewünscht, auch dort wird ein langer Atem benötigt, hieß es.

Nach einer kurzen Pause kamen Besucher zu Wort, die zum Teil schon Jahrzehnte auf dem Luzenberg beheimatet sind und tagtäglich die Veränderungen vor Augen haben. Alte Baustrukturen, die sogar denkmalgeschützt sind, werden nicht erhalten und verkommen. Ängste wurden geäußert, dass die neuen Bewohner von „Wohnen am Wasser“, kein Interesse hätten, den Alteingesessenen näher zu kommen. „Die haben doch alle viel Geld und wollen mit uns bestimmt nichts zu tun haben“, hieß es von den Alteingesessenen.

Hundekot und zu wenig Parkplätze

Auch das Thema Sauberkeit auf den Straßen und ganz besonders im Spiegelpark war wieder ein Thema. Hier sind die Hinterlassenschaften von Vierbeinern ein großes Problem. „Da kann man keine Kinder unbeaufsichtigt spielen lassen, weil überall Hundekot herum liegt“, bemängelte eine besorgte Mutter.

Sorgen bereitet den Bürgern auch die Ankündigung, dass ein Großversorger am Spiegelgelände angesiedelt werden soll. „Da werden bestimmt wieder Bäume gefällt und keine Rücksicht auf die vielen besonderen Tierarten im Werksgelände genommen. Und was auch fehlt, sind Parkplätze für die Bewohner. Wenn wir abends nach Hause kommen, wissen wir nicht, wo wir unser Auto abstellen sollen“, wurde von den Anwesenden zusammenfassend angemerkt. Hier fühlen sich die Luzenberger alleine gelassen von der Verwaltung und der Politik. Die an dieser Veranstaltung anwesenden Bezirksbeiräte nahmen diese Themen jedoch mit in ihre kommenden Sitzungen.

Um den Zusammenhalt zwischen Neu- und Alt-Luzenbergern zu verstärken wird auch in diesem Jahr wieder ein Stadtteilfest im Spiegelpark stattfinden. Teilnehmer einer Projektgruppe der Hochschule Mannheim, die es sich im Rahmen ihres Studiums zur Aufgabe gemacht haben, Ideen zu entwickeln, wie der Stadtteil Luzenberg aufgewertet werden kann, machen sich schon jetzt Gedanken wie sie am vorgesehenen Termin, am Sonntag den 16. September, ihre Arbeiten der Bevölkerung präsentieren können.

Weiteres Gespräch angekündigt

Die Expertenrunde hofft, dass sich möglichst viele Menschen an diesem zweiten Stadtteilfest beteiligen – denn was könnte besser zur Verständigung beitragen als ein gemeinsames Fest. Martin Willig von der evangelischen Kirchengemeinde hat auf jeden Fall schon eine mobile Torwand zugesagt.

Nach rund zwei Stunden beendete Moderator Albert die Veranstaltung und versicherte, dass es nach dem Stadtteilfest wieder ein gemeinsames Spiegelgespräch geben wird.