Stadtteile

Waldhof Bezirksbeiratssitzung beschäftigt sich mit dem Verkauf von Grundstücksflächen der Firma Saint Gobain auf dem Luzenberg

Stadt behält Pläne des Investors im Auge

Archivartikel

Verkauft die Firma Saint Gobain auf dem Luzenberg nach dem Gelände zwischen Sandhofer und Eisenstraße weitere Flächen? Gehen dem Stadtteil dadurch Grünflächen verloren? Die Stadtteilentwicklung Waldhof-West und Luzenberg war Thema der jüngsten Bezirksbeiratssitzung im Franziskussaal. Bürger und Stadtteil-Politiker sorgen sich, dass durch eventuelle Grundstücksverkäufe Grünflächen wegfallen.

Weiterhin Interesse

Wolfgang Miodek vom städtischen Fachbereich für Wirtschafts- und Strukturförderung berichtete, dass die Stadt schon vor einem Jahr das Gespräch mit Saint Gobain Glass gesucht habe, als bekanntgeworden sei, dass diese Gelände verkaufen möchte. „Wir haben regelmäßig nachgefragt, und sie haben weiterhin Interesse, Gelände an der Luzenbergstraße zu verkaufen“, so Miodek zu dem Areal, das zwischen der Waldhofschule und der ehemaligen Spiegelsiedlung liegt. Die Menschen auf dem Luzenberg und Waldhof befürchten nun, dass mit den Verkäufen die letzten Freiflächen zwischen den beiden Altstadtkernen verschwinden und sich die Wohnbebauung weiter verdichtet.

Miodek erklärte, dass vor Ort eine besondere Flora und Fauna entstanden sei. Problematisch für die Firma sei zudem, dass es sich dort um eine Altlastenverdachtsfläche handle, das Grundwasser eventuell verschmutzt sei, und sich im Boden möglicherweise Weltkriegs-Kampfmittel befinden. „Die Interessenten wissen wahrscheinlich von den hohen Kosten und scheuen sich deshalb. Wenn es da aber Neuigkeiten gibt, werden wir als Verwaltung reagieren und auch den Bezirksbeirat informieren.“

Bezirksbeirat Thomas Steitz (Freie Wähler/ML) gab sich mit der Antwort nicht ganz zufrieden: „Wir wollen wissen, was die Stadt proaktiv macht, denn das Stück ist für die Entwicklung der Stadtteile essenziell. Warum kauft die Stadt das nicht?“ Dem entgegnete Miodek: „Warum sollten wir für Millionen das bereinigen, was in 150 Jahren verschmutzt wurde, um einen Radweg zu machen?“ Miodek erklärte, dass auch die Stadt eine Verbindung der Stadtteile Waldhof-West und Luzenberg befürworte.

Bezirksbeirätin Andrea Jessen (SPD) sorgte sich wegen des Altlastenverdachts und des möglicherweise verschmutzten Grundwassers. Miodek: „Das ist tatsächlich eine der verschmutztesten Stellen im ganzen Stadtgebiet. Doch wegen des Grundwassers muss man sich keine Sorgen machen. Wenn es eine Belastung gibt, dann ist diese oberhalb und bleibt da auch.“

Miodek erklärte, dass das Gelände zwischen der Sandhofer Straße und der Eisenstraße bereits verkauft sei: „Der Investor kann dort eine gewerbliche Nutzung machen, es wurde aber niemand hierfür gefunden.“ Großflächiger Einzelhandel sei schwierig: „Dann hätten sie an dieser Stelle viel mehr Verkehr. Aber das müssten wir mit einem Bebauungsplan absichern, haben es also in der Hand. Eine Wohnbebauung ist wegen des Störfallbetriebes dort nicht möglich.“ Er versprach: „An der Luzenbergstraße wird nichts passieren, was Sie nicht wollen.“ „Das beruhigt mich trotzdem alles nicht“, sagte Beirat Peter Stegmaier (SPD).

Enger zusammenwachsen

Stadtrat und Landtagsabgeordneter Stefan Fulst-Blei (SPD) sah gute Chancen für die Stadtteile, enger zusammenzuwachsen und das Quartier in Sachen Naherholung aufzuwerten. Roland Weiß (Freie Wähler/ML) warnte: „Lasst die Finger weg, wenn wir diese Grünoase zerstören, haben die Menschen das Nachsehen.“ Jürgen Kurtz von der Bürgerinitiative Waldhof-West bat die Stadtplanung, den Bereich nicht aus den Augen zu verlieren.

Die Verbindung zwischen den Stadtteilen, die sich die Menschen in beiden Vororten wünschen, ist nicht neu: 2001 hatte sich im Auftrag der Stadt sogar ein Planungsbüro aus Stuttgart damit beschäftigt, den Luzenberg und Waldhof-West mit einem Grüngürtel zu verbinden. Den ansässigen Vereinen Goggelrobber und Harmonia wurde sogar eine Bestandsgarantie zugesichert.

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