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Casterfeld Flohmarkt zu Gunsten des Kinderhauses „Tres Soles“ / Langjähriges Engagement des Eine-Welt-Kreises St. Konrad

Trödel-Erlöse für Bolivien

Archivartikel

Was andere nicht mehr brauchen oder wegwerfen, das gab es beim Flohmarkt des Eine-Welt-Kreises St. Konrad in Rheinau-Casterfeld zu kaufen: Kleider, Schuhe, Geschirr, Fahrräder oder Bücher. Hier fand vieles neue Abnehmer. Auch beim Buchhandel, der von Josef Poiger geleitet wurde, konnte man fündig werden. Poiger, ein langjähriger Helfer, hatte zudem für den Flohmarkt aufbereitete Fahrräder angeboten.

Schon seit 28 Jahren, also seit der Gründung, unterstützt die Gemeinde das Projekt „Tres Soles“ in Bolivien. Die Mitorganisatorin Magda Keller erzählt, dass sie ungefähr 40 Helfer bei jedem Basar unterstützen würden. Auch Keller habe das Kinder- und Jugendhaus in Bolivien bereits besucht, wie sie erzählt.

Die Kirchengemeinde mit ihrem damaligen Pfarrer, Bernhard Hermann, und einigen Pfarrgemeindemitgliedern wie Ingeborg und Hans-Georg Kowalski, Magda und Karl-Heinz Keller, Günter und Hermine Haag sowie vielen weiteren Mitstreitern beschloss einst, den Projektgründer von „Tres Soles“, den Schweizer Stefan Gurtner, finanziell zu unterstützen.

Politisch unabhängig

Weder der Gründer von „Tres Soles“ noch die engagierte Pfarrgemeinde hatten eine Ahnung, wohin sie ihr Weg führen würde. St. Konrad ist und bleibt eine nicht weg zu denkende Stütze in der Erfolgsgeschichte des Kinderhauses. Zudem ist das Haus ein politisch und religiös unabhängiges Projekt.

Die moralische und finanzielle Unterstützung durch St. Konrad sei der Grundpfeiler von „Tres Soles“. Unbürokratisch und tatkräftig, reagiere die Gemeinde auf alle Krisen und Herausforderungen, berichtet Magda Keller. Gurtner arbeitete zunächst als freiwilliger Helfer in einer Armenküche in La Paz, zu der auch die Kirchengemeinde St. Konrad Kontakt hatte. Als nach Ablauf seines sozialen Jahres die Straßenkinder, mit denen er viele Monate gearbeitet hatte, ihn baten zu bleiben, nahm Gurtner diese Herausforderung an.

Nur mit seinem ersparten Geld ließ er sich mit den Kindern in einem halb zerfallenen Haus nieder und begann mit ihnen zu arbeiten – bis heute. Keller weiß noch, was ihr bei ihrem Besuch in Erinnerung geblieben ist: „Besonders ist mir aufgefallen, wie sauber und ordentlich es dort zugegangen ist.“

Pizzeria in La Paz

Einer der ehemaligen Bewohner des Hauses für Straßenkinder habe mittlerweile auch eine Pizzeria in La Paz, der Hauptstadt Boliviens, eröffnet. „Es hat dort besonders gut geschmeckt“, so Keller. Heute sei das Haus soweit, dass dort Auszubildende wichtige Arbeiten selbst ausführen können.

„Tres Soles“ verwaltet seit Anfang 2009 zwei Häuser, so Keller. In dem ersten Haus leben rund 25 Kinder und Jugendliche bis zu einem Alter von 18 Jahren zusammen. In dem zweiten Haus, dem Lehrlings- und Studentenwohnheim „Luis Espinal“, leben die über 18-Jährigen, die ihre Ausbildung oder ihr Studium noch nicht abgeschlossen haben. Dieses Haus ist ebenfalls für 25 Bewohner ausgelegt.

Natürlich wurde auch an das leibliche Wohl für die Gäste des Flohmarkts gedacht. Die Helfer boten frischen Erdbeer- oder Käsekuchen zum Verkauf an. Wer mehr Hunger hatte, konnte sich an Chili con Carne erfreuen.