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Waldhof Verwaltung präsentiert Details zur weiteren Umgestaltung des Taunusplatzes / Bezirksbeiräte sehen viele Mängel

Verkehr „wird zu Chaos führen“

Gebrochener Taunusschiefer als Natursteinelement, rustikale Holzbänke in verschiedenen Größen und Formen, eine entsprechende Bepflanzung: Sie sollen gestalterisch den Bezug zum namengebenden hessischen Mittelgebirge herstellen, wenn der Taunusplatz als „neue Mitte“ des Stadtteils Waldhof zur Verfügung steht. Aber bis das der Fall ist, kann es noch dauern. Die Arbeiten zum zweiten Bauabschnitt sollten eigentlich schon seit ein paar Wochen auf Hochtouren laufen. Stattdessen teilte die Stadt jetzt dem Bezirksbeirat mit, Baubeginn werde voraussichtlich Ende Juni 2020 sein.

Dass die Entwurfsplanung abgeschlossen sei und der Ausschuss für Umwelt und Technik die Maßnahme im November billigen solle, stimmte die für fünf Jahre neu bestimmten Bezirksbeiräte nicht gerade glücklich. Denn viele Details, die die Verwaltung präsentierte, sind mit den Stadtteilpolitikern noch nicht besprochen worden. Erst jetzt können sie deshalb ihre Bedenken zu den vorgestellten Punkten anmelden und Änderungen einfordern – was möglicherweise erneut zu Verzögerungen führt.

Seit Jahrzehnten bemüht sich der Kulturverein Waldhof um eine Umgestaltung des Taunusplatzes zur „neuen Mitte“. Im Juli 2018 ging es dann endlich los – der erste Bauabschnitt umfasste die Umgestaltung der Parkplatz- und Gehwegbereiche an der Alten Frankfurter Straße und ist inzwischen abgeschlossen. Das Herzstück des Projekts, die Gestaltung des eigentlichen Platzes, steht aber noch aus.

Zu den Details, die Christian Wild und Max Hansen vom Bruchsaler Landschafts- und Stadtplanungsbüro BHM vorstellten, zählt neben den eingangs erwähnten gestalterischen Details die Platzentwässerung über eine Rigole. Darunter versteht man einen unterirdischen Pufferspeicher, der dafür sorgt, dass Regen- und Oberflächenwasser langsam versickert. Stattdessen wünscht sich der Bezirksbeirat eine Zisterne. Denn gerade in heißen Sommern könne das Wasser gut zum Gießen der Pflanzen genutzt werden.

Vor allem aber befürchtet das Gremium, dass die geplante Verkehrsberuhigung des westlichen Speckwegteils zwischen Passerelle und Einmündung Alte Frankfurter Straße nicht ausreicht. Der Bereich müsse „so wenig wie möglich befahrbar“ sein, betonte Markus Corcelli (Grüne). Sabine Seifert (SPD) pflichtete ihm bei: „Es ist ganz klar das Votum der Bürger, eine Befahrung dieses Bereichs möglichst absolut zu vermeiden.“

Fahrradboxen gefordert

Uwe Grundei von der Franziskusgemeinde hält es für Wunschdenken, dass nur noch die Anwohner in die „neue Mitte“ fahren würden. Der Durchgang bleibe schließlich offen. „Ich bin jeden Tag ab 6.30 Uhr vor Ort, schon jetzt ist die Situation sehr prekär“, sagte er. Viele Autofahrer brächten andere, die zur Bahn müssten, direkt bis zur Passerelle. Und Eltern kutschierten ihre Kinder zur Tagesstätte. Dabei gebe es doch „keine Wendemöglichkeit für Autos“. So entstünden massenhaft „brenzlige Situationen“ – verschärft durch Radfahrer, die sehr schnell von der Passerelle auf den Speckweg führen. Grundei befürchtet auch nach der Umgestaltung ein „Chaos“.

Neben diesem Haupt-Kritikpunkt sehen die Bezirksbeiräte weitere Defizite der Planung. Trotz der vielen präsentierten Details fehlten Spender für Hundekottüten und geeignete Mülleimer, monierte Thomas Steitz (Freie Wähler/ML). Sabine Seifert wünscht sich neben mehr Abstellbügeln – geplant sind zehn für 20 Fahrräder – auch abschließbare Boxen für die Drahtesel. Und SPD-Stadtrat Stefan Fulst-Blei plädiert angesichts extrem heißer Sommer für Verschattungsvorrichtungen, etwa in Form versenkbarer Schirme.

Vor allem aber müsse die Stadt nach Absprache mit der Bahn endlich die Nutzung der Park- und Ride-Plätze sicherstellen, damit Fahrzeuge über die Carl-Reuther-Straße von hinten an den Taunusplatz ran kämen. „Wir wissen nicht, ob da eine vernünftige Lösung kommt“, kritisierte Stadtrat Roland Weiß (Freie Wähler/ML). Es sei ein „eigenartiges Verständnis der Verwaltung“, dass ein Projekt, „dass seit Jahren auf die lange Bank geschoben wurde, jetzt auf die Schnelle abgewickelt werden soll. Wir wollten eine ,neue Mitte’, aber das, was wir hier kriegen, macht mich nicht hoffnungsfroh.“

Sitzungsleiter Thomas Hornung (CDU) fasste die Anregungen und Einwände zusammen, sie sollen im Fachausschuss präsentiert werden.

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