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Lindenhof Katharina Wirtz sorgt für grünes Leben im Städtegrau / Unterstützung durch Bürger-Interessen-Gemeinschaft

Verkehrsinsel blüht auf

Katharina Wirtz wohnt am Glück-stein Park in einer Einrichtung für Servicewohnen – und das mit Leidenschaft. Die 81-Jährige war vor neun Jahren als eine der ersten hier eingezogen. An der Kreuzung vor dem Wohnblock befindet sich eine kleine Verkehrsinsel, die zum einen zur Verkehrsberuhigung und zum anderen als Schikane für Autorennen dient.

Täglich blickte die 81-Jährige aus dem Fenster und fand die Verkehrsinsel mit Wildwuchs „ziemlich trist“, sagt sie. Als die Narzissen auf ihrem Balkon verblühten, habe sie die Osterglocken nicht in Mülleimer werfen wollen.

Üppige Oase

„Eigentlich könntest du die da reinpflanzen und sie kommen wieder nächstes Jahr“, habe sie sich eines Tages gedacht. Ihr Ehrgeiz: eine üppige Oase zu schaffen – in Frühjahr, Sommer, Herbst eine Augenweide. Und ein herzlicher Willkommensgruß des Lindenhofs für den Durchgangsverkehr. Die Ausgangslage im April war ernüchternd: ausschließlich Unkräuter, Steine, und obendrein eine schlechte Bodenqualität. Alles musste gejätet und umgegraben werden. Der Boden war ausgemergelt.

Dann habe sie angefangen zu graben. „Doch ich kam nicht weiter“, sagt die Seniorin. Sie rief Klaus Dieter Kähler vom Vorstand der Bürger- Interessen-Gemeinschaft (BIG) Lindenhof zu Hilfe. „Ich habe es selbst probiert, doch es war nicht machbar“, sagt Kähler.

Zum Glück hätten sie den Gärtnermeister Bernhard Welker in ihren Reihen, der nicht nur den Park an der Lanzkapelle in der Meerfeldstraße pflegt, sondern auch schon mehrere Verkehrsinseln im Lindenhof bepflanzt hatte. Welker habe nicht nur die Verkehrsinsel umgegraben und sie von Steinen befreit, sondern auch die Pflanzerde eingebracht.

Rund 20 Säcke voller Blumenerde hat Wirtz mit ihrem Wägelchen selbst von einem Lebensmitteleinzelhändler geholt und zur Verkehrsinsel geschoben.

Anfang Juni 2012 erfolgte dann die erste Bepflanzung mit Alleskönnern, die Trockenheit, pralle Sonne, Schnee, Streusalz und Abgase überleben können: Mädchenauge, Prachtscharte, Fetthenne, Rainfarn, Margeriten, Präriekerzen und Schmuckgräser. „Wenn sie verblüht sind, kommen wieder Neue rein“, sagt Wirtz. Außerdem darf der Bewuchs nicht höher als 40 Zentimeter sein, damit er im Verkehr die Sicht nicht versperrt.

„Taxifahrer und Spaziergänger halten an und sagen: Klasse“ freut sich Wirtz. „Jeder begrüßt es.“ Eines Tages habe sogar ein 16-jähriger Jugendlicher am Wohnblock gestanden, ein Eis geschleckt und dabei minutenlang die bunte Blumenpracht begutachtet. Jeder im Haus unterstütze die 81-Jährige.

Immer wieder finde sie in ihrem Briefkasten einen Umschlag mit Grüßen oder fünf Euro. Nur einmal habe sie sich über einen Nachbarn aufgeregt, dem die Bepflanzung nicht passte, erzählt sie. Er habe gesagt, das sei nicht erlaubt. Er werde das anzeigen und sie müsse Strafe zahlen. „Aber niemand ist gekommen“, sagt die Seniorin.

Freude beim Buddeln

Dazu erklärt Kähler: „Der Stadtteilverein BIG unterstützt es, wenn jemand was für den Lindenhof tut.“ Er habe auch einen Antrag an den Bezirksbeirat gestellt, die selbstgestartete Aktion aus dem Stadtteilbudget Lindenhof zu unterstützten. „Ich mache es, so lange ich kann“, sagt die Seniorin, die bereits zwei Schlaganfälle hatte. „Frau Wirtz, leben Sie gesund, damit sie das noch lange machen können“, sagt Kähler. Die BIG Lindenhof stehe hinter ihr und werde ihr weiterhin helfen.

Auf die Frage, was das Bepflanzen der bunten Blumen denn kostet, erklärt Wirtz: „Die Freude beim Buddeln, das Lob der Nachbarn und vieler vorbeifahrender Autofahrer und das gespannte Warten auf die ersten Blüten – unbezahlbar.“