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Neckarau Bezirksbeirat stimmt Neubau der 50 Jahre alten Fußgängerüberführung nach Neuhermsheim zu / Barrierefreier Lösung ohne Aufzüge im Gespräch

Voltasteg weicht bald der Abrissbirne

Archivartikel

Die Löcher, die an den Stützpfeilern klaffen, sind mehr als faustgroß, die Bodenbeläge bröckeln, die unter dem abgeplatzten Beton freigelegten Stahlelemente rosten mit den Schweißnähten an den Geländern vor sich hin: Der 1967 erbaute Voltasteg, der zwischen Neckarau und Neuhermsheim über den Rangierbahnhof führt, ist marode. Die Vertreter des Bezirksbeirates Neckarau stimmten bei ihrer jüngsten Sitzung unter der Leitung von Grünen-Stadträtin Elke Zimmer in der Mensa des Johann-Sebastian-Bachgymnasiums einem Abriss und barrierefreien Ersatzneubau zu. Bislang sind Aufzüge vorgesehen. Die Kommunalpolitiker bitten jedoch die Stadt, nach einer barrierefreien Lösung zu suchen, die über gewendelte Rampen statt Aufzügen möglich ist. Mit der Realisierung ist nach Einschätzung der Bezirksbeiräte erst in drei bis vier Jahren zu rechnen.

Zwar seien 51 Jahre für ein Bauwerk noch kein wirklich hohes Alter, wie Marcel Gabler vom Tiefbauamt der Stadt erläuterte: „Der Steg hat erst die Hälfte seiner theoretischen Nutzungsdauer erreicht, befindet sich aber in einem kritischen Gesamtzustand.“ Gutachter hätten die markantesten Schäden untersucht. Sie seien „so massiv“ und würden teilweise sogar die Standsicherheit des gesamten Gebäudes gefährden, dass es „umgehend“ zu einer Schadensbeseitigung kommen müsse: „Sollte dies nicht bald geschehen“, so Gabler, „muss der Steg aus Sicherheitsgründen gesperrt werden.“

Über eine Gesamtlänge von 260 Metern dient er bislang Fußgängern und Radfahrern zur Überquerung der Südtangente sowie von 24 Bahngleisen.

Wunsch nach gewendelter Rampe

Da der Zugang auf das Bauwerk jedoch zur Zeit nur über mehrere Treppen möglich und somit nicht barrierefrei ist, muss beim Neubau, so Gabler, eine Variante ohne Treppen gewählt werden. Maria Kemmer (Grüne) gab zu bedenken, dass ein Zugang über drei Aufzüge sehr umständlich und für viele Menschen, die Probleme mit geschlossenen engen Räumen haben, ausgesprochen unangenehm sei.

Eine von den SPD- und ML-Stadträten Elke Bade und Wolfgang Taubert favorisierte gewendelte Rampe sei, so Gabler, aus Platzgründen nicht möglich. Christine Theur (ML) gab zu bedenken, dass mit einer Verlegung des geplanten Gebäudes eine Lösung mit einer Schräg- oder Wendelrampe vielleicht doch realisiert werden könne. Der Neuhermsheimer Albert Bühler, der sich als Zuhörer zu Wort meldete, machte deutlich, wie wichtig ein Steg für die Bewohner seines Heimatstadtviertels sei: „Wir haben doch außer am Gerd-Dehof-Platz so gut wie keine Einkaufsmöglichkeiten.“

Deshalb würden etliche Neuhermsheimer den Einzelhandel in Neckarau nutzen. Genau wie für viele andere Bürger sei auch aus seiner Sicht ein Steg mit Aufzügen zwar keine optimale Lösung, aber besser als gar keine neue Überführung.

Der Bezirksbeirat Neuostheim/Neuhermsheim war zum Punkt „Abbruch der Fußgängerüberführung Voltasteg“ zwar zugeladen worden, ließ sich jedoch entschuldigen. Sitzungsleiterin Elke Zimmer erläuterte, dass ihn die Einladung erst wenige Tage vor dem Termin, der sehr knapp vor Weihnachten sei, erreicht habe. Laut Zimmer eine „durchaus nachvollziehbare“ Entschuldigung.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/neckarau

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