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Neckarstadt-Ost Autoren stellen im Theater-Felina-Areal bei Spätlese skurile, humorvolle und nachdenkliche Texte vor

Von Tigern mit Zahnproblemen

Die Spätlese im Theater-Felina-Areal, bei der Autoren kurze Auszüge aus ihren Werken vorlesen, beginnt stets mit dem Segen von Poetry-Slammer Elmar Bringezu. Dieses Mal mit einem humorvollen Gedicht über St. Bonifatius, der ins Land der Friesen zog, die unter Humor etwas anderes verstehen als er.

Das Besondere an der Spätlese: die Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Texte. Elisabeth Sing-Noack berichtet von zwei bekifften Jungs, die in ihrem „fiktiven Gespräch“ von Mayas auf Maras und schließlich zu Mammuts kommen, während der „NichtGanzDichter“ aus Ludwigshafen ein bekanntes Gedicht von Theodor Storm umwandelt in „graue Stadt am Fluss“, wo die „Brücken bröckeln“ – schon klar, welche Stadt er meint. Krimi-Autorin Birgit Böckli schildert, wie ein ausgewachsener Tiger mit Zahnproblemen auf dem Zahnarztstuhl landet, und sein Herrchen auf eine Behandlung besteht. Frank Wilberz liest eine Geschichte über einen Pensionär, der sich aus Langeweile ein verrücktes Hobby zulegt. Er sprengt Führungen in Kirchen, indem er ganz beiläufig fragt, wie es denn mit der Statik aussieht, er hätte da so etwas erfahren … bis tatsächlich eine Kirche einstürzt.

Johannes Kohnen befasst sich mit dem ältesten Frauenthema der Welt: Schuhe. Seine Frau verliert Schuhe im Gehen, deshalb braucht sie ständig neue, was für eine Ausrede. Die Schöpfungsgeschichte als Gedicht und auf niederösterreichisch, so lautet der Beitrag von Rolf Thum.

Es klingt, als ob Gott gemütlich in einem Kaffeehaus sitze, am sechsten Tag kreiert er „a nackerter Aff’n, a bissl Verstand und a Madl“. Philosophisch und politisch sind die kurzen Gedichte von Jens Kotulla, der deren Titel jeweils auf einer Tischkarte ankündigt. An die Wurzeln der Spätlese erinnert die Studentin Katharina Hahn. „Die Spätlese war früher mal eine Veranstaltung an der Uni Mannheim“, sagt Organisatorin Angela Wendt. Ab 2006 lasen Studenten dort aus ihren Werken vor.

Mürrische Senioren im Urlaub

Katharinas Kurzgeschichte handelt von einem etwas mürrischen Senioren, der mit seiner Teenager-Enkelin in den Urlaub fährt und dabei etwas zugänglicher wird. Lustige Sprechtangos, sprich: Gedichte im Tango-Rhythmus, gibt es von Elmar Bringezu. Und worum geht es beim Tango? Um Liebe. Und um Haie und Unterhosen, die trocknen müssen.

Interaktiv wird es mit Manfred Decherts Text über einen „Zeugungsversager“, bei dem das Publikum auf bestimmte Handzeichen Sätze sagen darf wie „Du kannst doch keine Familie ernähren.“ Den Abschluss macht Samuel Hanna mit Gedichten – eine Mischung aus märchenhaft und philosophisch.

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