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Schwetzingerstadt/Oststadt Stasi-Häftling Wolfgang Welsch besucht das Liselotte-Gymnasium / Fragen der Schüler beantwortet

Widerstandskämpfer und Fluchthelfer

Archivartikel

Das Liselotte-Gymnasium (Lilo) bietet in der Reihe „Mittwochs am Lilo“ neben Theater, Ausstellungen und Konzerten auch immer wieder Lesungen mit Zeitzeugen an, damit wichtige Teile der Geschichte, wie die DDR-Diktatur, nicht in Vergessenheit geraten. Aus diesem Grund hatte das Gymnasium den „Staatsfeind Nr. 1“ der DDR, Dr. Wolfgang Welsch, eingeladen – so auch der Titel seines Buches.

Geschichtslehrer Marcus Reinhold erläuterte zu Beginn die Bedeutung dieses Themas in der Geschichte Deutschlands. Wolfgang Welsch war Fluchthelfer und hat drei Mordanschläge überlebt. Mit den Gymnasiasten und anderen Besuchern sprach er über sein Leben. „Es geht um Gewissen und Widerstand“, so Welsch. 40 Prozent der Ostdeutschen behaupteten bis heute, die DDR sei kein Unrechtsstaat gewesen. Welsch wandte sich auch gegen die Behauptung eines älteren Besuchers, alles sei nicht so schlimm gewesen. Jeder habe die Ausbildung machen können, es habe in der DDR auch eine Opposition gegeben. Das sei Geschichtsverklärung und entspreche nicht der Realität, so Welsch. Viele hätten, so wie er, Widerstand geleistet.

Härte der Diktatur erlebt

Der Referent berichtete von seinem Werdegang. Welsch ist Jahrgang 1944. Schon während Schulzeit und Studium – Welsch ist gelernter Schauspieler – bekam er die Härte der Diktatur zu spüren, die keine freie Meinungsäußerung zuließ. Er schilderte dem gebannt lauschenden Publikum anhand von Filmausschnitten und Dokumenten die Schrecken seiner politischen Verfolgung. Nach einem missglückten Fluchtversuch landete er für sieben Jahre im berüchtigten Stasi-Gefängnis.

Welsch berichtete von unmenschlichen Verhörmethoden und brutaler Folter mit dem Ziel, den Menschen zu brechen. Nur durch seine öffentliche Aufklärungsarbeit habe er diese Zeit verarbeiten können. Nicht wenige seiner Freunde seien daran zerbrochen. Welsch wurde 1970 von Amnesty International zum „Gefangenen des Jahres“ erklärt, was zu seiner Freilassung führte. Doch auch nach seinem Freikauf durch die Bundesrepublik Deutschland wurde er in den 1970er Jahren weiter verfolgt. Dreimal habe die Stasi versucht, ihn zu ermorden, was einmal fast geglückt sei. Täter war ein vermeintlicher Freund. Diesem habe er nur deshalb verzeihen können, weil er – im Gegensatz zu vielen anderen – seine Taten glaubhaft bereut habe. Aber auch nur so habe er seinen inneren Frieden finden können, erklärte Welsch.

Ausführlich beantwortete er die Fragen der Schüler zu seinen unmenschlichen Erlebnissen und seiner Aufklärungsarbeit. „Das war sehr interessant, da waren Sachen dabei, die konnte ich mir vorher überhaupt nicht vorstellen“, sagte Leonie Herrwerth (K2). Marvin Böhm (K2) fand das Gespräch mit dem Zeitzeugen „sehr gut, besonders die anschaulichen Schilderungen anhand von exemplarischen Beispielen“. Welsch habe sehr gut reagiert. ost