Stadtteile

Innenstadt/Jungbusch Fotoausstellung des Internationalen Frauentreffs in Zentralbibliothek eröffnet

Wie Frauen die Welt sehen

In manchen Mannheimer Stadtteilen, etwa im Jungbusch oder in der Neckarstadt-West, hat man gelegentlich den Eindruck, auf der Straße größtenteils Männer zu sehen. Fotografien in der Zentralbibliothek im Stadthaus N1 zeigen nun, was die Frauen im Jungbusch umtreibt. "Frauenblick: Was uns beschäftigt - fotografisch betrachtet" heißt die Austellung, die bei einem Workshop des Internationalen Frauentreffs Jungbusch entstanden ist.

Rollenverständnis ins Bild gesetzt

Die Idee für den Workshop stammte von den Teilnehmerinnen selbst, die zum Ausdruck bringen wollten, was in ihrem Leben wichtig ist, erzählt Anne Kreß, die Leiterin des Frauentreffs. Neun Frauen aus dem Iran, aus Pakistan, Ägypten, dem Libanon, den Philippinen, Marokko und der Türkei waren für die Ausstellung mit der Kamera unterwegs. So verschieden wie ihre Herkunftsländer sind auch ihre Bilder.

Nevriye Cerit, die mit 15 Jahren aus der Türkei nach Deutschland gekommen ist, hat das Thema Solidarität ausgewählt - eines ihrer Bilder zeigt Hände, die sich aufeinanderlegen. Sie setzt sich besonders gegen Gewalt an Frauen und Geschlechterdiskriminierung ein, erzählt Cerit bei der Vernissage in der Stadtbibliothek. "Ich habe schon früh erlebt, dass Mädchen in der Familie anders behandelt werden als Jungen, und das hat schon immer Fragezeichen bei mir hinterlassen", sagt sie. Auch die Ägypterin Niwin Safar befasst sich mit einem großen gesellschaftlichen Problem: Inklusion und Vorurteile. Für sie gehört beides zusammen - sie hat einen behinderten Sohn und trägt Kopftuch, sodass man ihr das Anderssein auf den ersten Blick ansieht. Ihr Ziel sei, dass Menschen nicht als behindert oder nicht behindert, Kopftuchträgerin oder Nicht-Kopftuchträgerin wahrgenommen werden - "Hauptsache, man geht aufeinander zu".

Die Ausstellung stellt jedoch nicht nur Fragen zur Rolle der Frau in der Gesellschaft. Für manche Fotografinnen wie Loma Geck von den Philippinen oder Mina Khodabakhsh aus dem Iran sind mit Gesundheit und Sport ganz andere Themen von Bedeutung. Larissa Dubjago, Künstlerin und Leiterin des Fotografieworkshops, sieht genau darin die Besonderheit der Ausstellung: "Die eine Frau findet Solidarität besonders wichtig, die andere gesunde Ernährung, die eine beschäftigt sich mit gesellschaftlicher Verurteilung, die andere mit schöner Natur. Das Leben der Frauen ist genauso vielfältig und komplex wie diese Themen."

Die Leiterin der Zentralbibliothek, Stefanie Bachstein, freute sich bei der Vernissage besonders darüber, dass sich die Bibliothek mit der Ausstellung an den Mannheimer Aktionstagen "einander" beteiligt. Im Rahmen dieser Aktionstage finden noch bis zum 28. Oktober an verschiedenen Orten der Stadt Veranstaltungen für Vielfalt und gesellschaftliches Miteinander statt.

Die Ausstellung "Frauenblick" ist noch heute, Freitag, 13. Oktober, zu den regulären Öffnungszeiten der Zentralbibliothek im Stadthaus in N 1 zu sehen.