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Blumenau Kabarettist Hans-Peter Schwöbel sorgt in der Waldgalerie für einen ausverkauften Garten / Anekdoten über Hochsprache und Dialekt

"Wir Kurpfälzer leben gerne, bevor wir sterben"

Hans-Peter Schwöbel ist ein Schwärmer. Als überzeugter Verteidiger der Mundart filtert der Kabarettist gerne Begrifflichkeiten nach Hochdeutsch und "pälzischem" Synonym. Wer was weiß, bekommt ein Gutsel zugeworfen. In der Waldgalerie schwärmte der gebürtige Soziologe auch vom Umfeld. Schließlich war es sein erster Auftritt in der Blumenauer Waldgalerie. Gastgeberin Yvonne Toltsios bescheinigte er nicht nur ein gutes Aussehen. "Es ist ebenso toll, mit ihr zusammenzuarbeiten."

Immerhin bescherte das rund zweistündige Programm "Die Luscht am Schmuse" der Galeristin einen ausverkauften Garten, der an die Grenzen seiner Kapazität kam. Freie Sitzgelegenheiten suchte man deshalb vergebens. Schwöbel begreift seine Auftritte aber nicht nur als Unterhaltung, sondern wartete auch auf der Blumenau mit lehrreichen Anekdoten und Ausführungen auf. Die Verwandtschaft des Jiddischen mit dem Pfälzer Dialekt kam so ebenso zur Sprache wie sein Hang zur Poesie. Im heimischen Dialekt hat er die Musik entdeckt, in der Sprachmelodie hört Schwöbel die Trommel wachsen. Hochsprache und Dialekt könnten eben alles, außer einander ersetzen, betonte er auf der Blumenau.

Die Leute kämen von weit her, "weil es hier bei uns in der Kurpfalz so schön ist", klärte er auf. "Ob es dann aber zum uneingeschränkten Verständnis mit dem Einheimischen komme, ließ Schwöbel offen. Denn der Mannheimer verstehe beispielsweise unter seinen Füßen das Bein, das bis zur Hüfte geht. Der Kurpfälzer Fußballer leide deshalb schon mal an einer Oberschenkelzerrung im linken Fuß. Humor sei eben erfahrungsabhängig. Je erfahrener das Publikum bei seinen Auftritten sei, "umso lebhafter die Reaktion auf die Eleganz des Dialekts", wie er unterstrich. "Mir schwätze breit, aber nicht ordinär" , stellte Schwöbel klar.

Erinnerungen an die Kindheit

In einer Liebeserklärung an die "Muddersprooch" fügte er hinzu: "Ich bin dir gut, meine liebe Karamellenschnut". Gemeint sein könnte damit Frau Susanna Martinez, mit der zusammen Hans-Peter Schöbel bereits einige Texte veröffentlicht hat. Martinez bedient dabei stets die lyrische Komponente. Der Kabarettist brachte zur Freude des Publikums einige Textproben im Garten der Galerie zum Vortrag. Immerhin versteht er sich als Romantiker. "Ich wäre gerne im nächsten Leben am Meer auf einer Waldlichtung geboren", wie er in Anspielung an die Waldgalerie formulierte. Schließlich verbinde er Kindheitserinnerungen mit diesem Ort. Unweit davon entfernt bediente einstmals seine Mutter im Schützenhaus, wie der Kabarettist verriet.

Einige Zoten konnte sich der Kabarettist allerdings nicht verkneifen. Der Schwabe sei fleißig, während der Kurpfälzer alles unterlasse, um dem Nachbarn im Ländele diesen Status streitig zu machen. "Wir sind dagegen beim Feiern die Nummer eins", hob Schwöbel hervor. "Wir Kurpfälzer leben eben gerne, bevor wir sterben."

Doch der Kabarettist kann auch anders und fand mahnende Worte, im Vorfeld der Bundestagswahlen dem Populismus nicht kampflos das Feld zu überlassen. Die Typologie des Wahlkämpfers erntete im Anschluss dann wieder herzliches Schmunzeln beim Publikum in der Waldgalerie.

Gastgeberin Yvonne Toltsios zeigte sich zufrieden und äußerte den Wunsch, auch mal junges Publikum in die Waldgalerie zu locken. Ein Programm zu Streetart und Hip- Hop sei denkbar. "Ich würde mich über Künstler aus diesem Bereich, die sich bei uns melden, freuen", betonte sie.