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Neckarau Neujahrsempfang der Gemeinschaft der Selbständigen (GdS) / Nikolas Löbel über die Zukunft des Großkraftwerkes, Klimawandel sowie die Europäische Union

„Wir müssen handlungsfähiger werden“

Neben lokalen Problemen wie die Zukunft des Großkraftwerkes oder des Marktplatzes als zentralem Treffpunkt ist es vor allem die Sorge um Gemeinsamkeit und ein friedvolles Miteinander in Zeiten von politischer Instabilität, die im Mittelpunkt der Festreden steht. Und licht und freundlich erwies sich nach der gelungenen Premiere im vergangenen Jahr die Mensa des Johann-Sebastian-Bach-Gymnasiums erneut als ausgesprochen geeigneter Ort für den Neujahrsempfang der Gemeinschaft der Selbständigen (GdS).

„Lasst die Tassen einfach mal im Schrank“, riet Bundestagsabgeordneter Nikolas Löbel in seiner frei gesprochenen, pointierten und kurzweiligen Rede – unter anderem im Hinblick auf die Frage, wie sich die Zukunft des Großkraftwerks nach dem für 2038 geplanten Kohleausstieg gestalten könnte. Schließlich gehe es dabei um hunderte von Mitarbeitern sowie Fernwärme für rund 120 000 Haushalte in Mannheim und in der Region. Wer dafür plädiere, das GKM sofort abzuschalten, der argumentiere „unverantwortlich gegenüber den Menschen, die dort arbeiten“, sagte Löbel. Und die regenerative Versorgung aus Quellen wie Biomasse oder Holzkraftwerken reiche „bei Weitem“ nicht aus, um den Bedarf zu decken. „Ganz klar“, räumte Löbel ein, der Klimawandel sei deutlich spürbar. Dennoch gelte es jetzt, Veränderungen zu gestalten, „ohne hysterisch zu werden“.

Einigkeit in den großen Fragen

Und nicht nur in puncto Klimawandel, auch weltpolitisch beklagte er, „dass Europa vor allen Dingen zuschaut“, anstatt sich einzubringen und selbst Verantwortung zu übernehmen. Dass Großbritannien jemals in die EU zurückkommen könnte, bezweifle er, auch wenn er das sehr bedaure: „Aber davon wird die Welt nicht untergehen – und die EU auch nicht.“ Vielmehr müssten die verbliebenen 27 Mitgliedstaaten nun ein Augenmerk darauf haben, „dass sowas nie wieder passiert“. Und der Christdemokrat betonte weiter: „Wir müssen uns in den großen Fragen einig sein und somit handlungsfähiger werden.“ Für die Bedeutung der EU, besonders als Friedensgarant, sprach sich auch Grünen-Stadtrat Markus Sprengler aus. Nicht ohne zu den folgenden ernsten Worten mit einer witzigen Einleitung – und in ausgesprochen ungewohnter Aufmachung – überzuleiten: „Für die, die noch rätseln, ich bin’s , nur ohne Hut“, versicherte er in Anspielung auf sein ansonsten übliches und beim Neujahrsempfang erstmals fehlendes Markenzeichen. Und, um auf die gegenüber der Weltpolitik vergleichsweise begrenzteren Probleme seines Heimatstadtteils zurückzukommen, betonte er, dass er als Mannheimer, der 15 Jahre im Niederfeld gelebt habe und dessen drei Kinder in Neckarau geboren seien, die GdS als „starken Motor des Einzelhandels“ erlebe. Dass dieser gut funktioniere, dafür spreche auch, dass laut einer Studie rund 90 Prozent der Neckarauer angeben, dass sie sich fußläufig versorgen können.

Dennoch gebe es auch viele Probleme, beispielsweise das hohe Verkehrsaufkommen oder die Parkplatznot. Auch müsse der Marktplatz als Stadtteilzentrum unbedingt erhalten und gestärkt werden. Für viele Neckarauer, auch dies belege die Studie, sei er der Mittelpunkt des öffentliches Lebens in ihrem Heimat-Quartier: „Sie wünschen sich einen Ort, wo man sich gerne aufhält.“

Doch auch in diesem Punkt halte er es mit einem Zitat von Stefanie „Steffi“ Graf, die ja bekanntlich in Neckarau zur Welt kam: „Jedes Problem, das man bewältigt, bringt einen in der Zukunft weiter. Und gibt auch neue Kraft.“

Witziger musikalischer Rahmen

Berührend und witzig gestalteten die „Sunshine Ladies“ des Frauenchors 1924 Mannheim-Neckarau unter Leitung von Martina Egli den musikalischen Rahmen mit „Lady Sunshine and Mister Moon“ sowie dem Peter Maffay-Song „Ich wollte nie erwachsen sein“. Zum Ausklang lud die VR Bank Rhein Neckar zusammen mit der GdS zu einem köstlichen Imbiss ein, den Schulkantinen-Chef Klaus Frontzek mit seinem Team zubereitet hatte.

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