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Neckarau Bezirksbeiräte fordern Bepflanzung von Freiflächen auf Areal von Bildungscampus und Gewerbegebiet

„Wir ringen im Moment um jeden Quadratmeter Grün“

Archivartikel

Ein riesiges Areal, auf dem täglich dutzende von Kindergartenkindern sowie hunderte von Studenten viele Stunden verbringen: Auf der Fläche des ehemaligen Vögele-Geländes zwischen dem Neckarauer Übergang und der neuen Hauptfeuerwache entsteht der sogenannte Bildungscampus. Was jedoch einen Großteil des Bezirksbeirates bei seiner Sitzung in der Mensa des BachGymnasiums beschäftigte, war die Sorge um eine ausreichend große Freifläche. „Bei dem Wort ,Bildungs-campus’ stellt man sich eine weit verstreute Bebauung eingebunden in viel Grün vor“, sagt Maria Kemmer (Grüne). Doch tatsächlich habe sie vor Ort „Beton, wohin man blickt“ vorgefunden, sowie „ein paar Bäumchen mit Wachstumspotenzial“. Was sie vermisse, seien Außen- und Pausenbereiche für die Kinder, Studenten und Feuerwehrmitarbeiter.

Dafür in Frage kommen auf dem Areal vier Bereiche (siehe grüne Quadrate auf Grafik). Das Gelände nördlich der Walter-Krause-Straße ist im Eigentum der TRIWO AG. Hier sind eine Fläche an der Ecke zur Neckarauer Straße und eine Fläche im Norden des Geländes am Neckarauer Übergang noch nicht bebaut. Das gilt auch für ein städtisches Grundstück südlich entlang der Walter-Krause-Straße mit einer Größe von rund 13 000 Quadratmetern. Davon sollen laut Stadt knapp 6000 Quadratmeter im vorderen Bereich an der Neckarauer Straße für ein Bürogebäude Verwendung finden. Dies gelte auch für die dahinterliegenden Restflächen. Die Pläne seien aber noch nicht konkret.

Bodenversiegelung vorbeugen

Dem Wunsch von Kemmer nach mehr Grün schloss sich auch Klaus Hesse (SPD) an. Bei dem Thema gehe es um Klimaverbesserung und Lebensqualität: „Wir ringen momentan um jeden Quadratmeter Grün. Für unseren Stadtteil und für unsere Stadt.“ Er wünsche sich so viele bepflanzte Flächen wie möglich: „Um weiterer Bodenversiegelung vorzubeugen“, besonders im Hinblick auf die weiterhin zu erwartenden heißen Sommer mit tropischen Temperaturen: „Jeder Quadratmeter Grün zählt.“ Auch Christine Prospesch (Grüne) gibt zu bedenken, dass auf dem Gelände bald „eine enorm große Zahl“ an Jugendlichen sowie Schul- und Krippenkinder erwartet werden: „Wie wollen wir die in einer Betonwüste versorgen?“

Der Bebauungsplan sehe rund 20 bis 40 Prozent Grünfläche vor. „Ich sehe hier keine 20 bis 40 Prozent Grünflächen“, so Kemmer. Schon im Herbst 2017 sei vom Bezirksbeirat Neckarau eine Anfrage zur Ausgestaltung der Grünflächen auf diesem Gelände gestellt worden.

Bereits damals hätten die Grünen aus Neckarau Grünflächen für die Studierenden, Lehrenden, Arbeitenden und Wohnenden in diesem Gebiet gefordert, um Gesundheit und Lebensqualität gerade in diesem ausgesprochen eng bebauten Bereich zu fördern. Zudem sei im Bebauungsplan für alle Gebäude eine Dachbegrünung festgesetzt worden, sagte Kemmer. Oliver Meinhardt vom Fachbereich Stadtplanung erläuterte, dass bereits mehrere Platanen, „einer der größten Kronenbäume, die wir in Europa pflanzen dürfen“, gesetzt wurden, „zudem um das Parkhaus herum bodendeckende Rosen.“ Und zum Thema Dachbegrünung versicherte Claudia Beier vom Fachbereich Baurecht, dass diese Pflicht für die Bauherren auch seitens der Stadt kontrolliert werde: „Keine Sorge, wir steigen den Leuten auch aufs Dach und zählen bei der Endabnahme die Bäume.“

Baumscheiben mit Wildsaat

Hesse gibt zu bedenken, dass bereits am Rheingoldplatz sowie den dort eingerichteten Parkplätzen „im Sinne der Nahverdichtung agiert“ worden sei: „Da könnte man doch jetzt dafür auf dem Bildungscampus mehr Grün einplanen.“

Stadtrat Claudius Kranz (CDU) räumte ein, dass es in Bezug auf dieses Areal unterschiedliche Nutzungsinteressen gebe. Auch Martin Rostock vom Amt für Wirtschafts- und Strukturförderung weist darauf hin, dass dieses Gelände bei Investoren sehr begehrt sei: „Denn es ist nicht so teuer wie das Glücksteinquartier, aber ähnlich attraktiv.“

Seitens der Grünen, so Kemmer, werde erwartet, dass die verbliebenen Baufenster wasserdurchlässige Stellplätze für PKW und Fahrräder erhalten. Bei den schon umgesetzten Bauvorhaben sollten, so Kemmer, zumindest die Kiesflächen begrünt und die großen Baumscheiben mit Wildsaatgut angesät werden, um für Insekten Nahrung und Lebensraum zu bieten.

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