Stadtteile

Luzenberg Kerwe in der „Hochburg“ der ehemaligen St.-Gobain-Arbeiter / Waldhofbuben würdigen Engagement von Fritz Hoffmann

Wirt hält im Spieglschlöss’l Tradition lebendig

Die Luzenberger sind überzeugt: „Von Bayern bis nach Helgoland is unsa Kerwefescht bekonnt.“ Ganz so weit reicht die Bekanntheit des Fests dann wohl doch nicht. Aber die Kerwe beim Fritz im Spiegelschlöss’l ist zweifellos sehr beliebt – und zumindest im Mannheimer Norden ein Begriff. Bei bester Stimmung und guter Laune ging es am ersten Tag mit DJ Tortellini los. Am zweiten Tag spielte das Blaulicht Trio aus Sandhofen.

Höhepunkt ist aber immer der dritte Tag. Dann füllt sich der Biergarten vom Spiegelschlöss’l mit den Gästen, die sich die Rede von Wirt und Kerweborsch Fritz Hoffmann nicht entgehen lassen wollen. Den Einzug Fritz Hoffmanns und dessen Sohn Dennis kündigte Horst Karcher musikalisch an.

Bei seiner Kerwerede zog der Wirt nicht nur seine Stammgäste und einen Nachbarn, zu dem er nicht das beste Verhältnis hat, durch den Kakao. Er verteilte auch so manche Spitze in Richtung Politik. Dass er dem Alkohol abschwören wollte, diese Idee ließ der Kerweborsch schnell fallen. Aus Solidarität zu den Arbeitern der Eichbaum-Brauerei und den Bauern, die vom Anbau von Hopfen und Malz leben, habe er den „dummen Gedanken“ gleich wieder verworfen. Die Gäste im voll besetzten Kerwegarten lachten und applaudierten immer wieder. Nicht fehlen durfte später sein Auftritt als „Kerwe Ali“.

Fritz Hoffmann bewahrt nicht nur die lange Kerwetradition. Er hält auch die Luzenberger Gaststätte „Spiegelschlöss’l“, die ehemalige Kantine der Spiegelarbeiter, gesellschaftlich am Leben. Seit 2004 bewirtschaftet er zusammen mit seiner Frau Elke das Lokal, das er als letzte „Hochburg“ der ehemaligen Bewohner, den Spigglern – wie sich die „Ureinwohner“ selbst bezeichnen – sieht. Nach dem Besuch der Höheren Handelsschule arbeitete der gelernte Kaufmann und Drogist bei der Firma Lanz. Später führte er, bevor er als Wirt das Spiegelschlöss’l übernahm, auf dem Luzenberg einen Kiosk und ein Café sowie in der Untermühlaustraße ein Sportgeschäft.

Seit Jahrzehnten dabei

„Wir sind froh, dass der Fritz die Kerwe, nachdem sie schon tot war – zuerst im Spiegelpark – wiederaufleben ließ“, waren sich die alten Waldhofbuben sicher. Sie hatten vor 48 Jahren ihr letztes Spiel und feiern mit ihrem damaligen Betreuer Norbert Jarosinski mit seinen 81 Jahren immer noch zusammen die Kerwe auf dem Luzenberg bei ihrem Sportkameraden Fritz Hoffmann. „Der Fritz ist auf dem Luzenberg eine Institution. Wir sind froh, ihn als Wirt auf dem Luzenberg zu haben“, erklärte Roland Karschits. eng