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Innenstadt Spaziergang mit dem Bürgerverein West durch die Filsbach

Wo die Hutmacher Filze wuschen

Das kurfürstliche Barockschloss kennt in Mannheim wahrscheinlich jeder. Wo jedoch das Filsbach-Schlösschen zu suchen ist, lernten die Teilnehmer des vierten „Streifzugs durchs Viertel“. Bei dem vom „Bürgerverein Innenstadt West“ organisierten Stadtrundgang gab es Altes und Neues zu entdecken. Constanze Lindemann führte quer durch die J-, H- und K-Quadrate und gab Einblicke in Geschichte und Architektur.

An der Hausfassade H 5,3 wies sie auf das Wandbild „Abschied und Neubeginn“ des Künstlerduos Sourati hin. „Das Mural passt hervorragend in ein Viertel, in dem viele Menschen eine neue Heimat suchen“, betonte sie.

Eine Ecke weiter in H 5, 9 stand bis zum Abriss 1970 das älteste Wohnhaus Mannheims. Nach Lindemanns Recherchen trug das 1708 gebaute Engelskopfhaus auch die Bezeichnung „Henkerhaus“, da hier ehemals der Scharfrichter wohnte.

Die Westliche Unterstadt wird heute noch „Die Filsbach“ genannt. Der Name gehe möglicherweise auf einen kleinen Bach zurück, in dem die Hutmacher ihre Filze wuschen, erläuterte die Stadtführerin. Ob es diesen Bach wirklich einmal gab, sei allerdings nicht belegt. Nur zehn Prozent des Viertels sei im Krieg zerstört worden, daher gäbe es hier noch einige der ältesten Häuser Mannheims.

Literarischer Mittelpunkt

Am nächsten Halt erinnert eine Gedenktafel in H 1, 12 an die „Schwan‘sche Hofbuchhandlung“, die während der kulturellen Blüte im 18. Jahrhundert der literarische Mittelpunkt Mannheims gewesen sei. Christian Friedrich Schwan habe Schiller zu seiner Bühnenfassung der „Räuber“ angeregt, erzählte Lindemann: „ihm die Uraufführung am Mannheimer Nationaltheater zu verdanken.“

Einen eher vernachlässigten Eindruck macht momentan der „Murnauplatz“, vor nicht allzu langer Zeit soll hier aber geschäftiges Treiben geherrscht haben. Angrenzend im Quadrat K 2 erhebt sich der imposante Bau, den der Gesangsverein Liedertafel im Jahr 1874 als Sängerheim errichtete.

Vom Gebäude gegenüber in J 4, 2a ist dagegen nur noch die Fassade erhalten. Durch Zufall blieb das 1905 fertiggestellte Haus vom Abriss verschont. Der ehemalige Milchladen sei der Mittelpunkt des Viertels gewesen: „Hier traf man sich und hat ein Schwätzchen gehalten“, wusste Lindemann. Die neugotische Fassade stehe unter Denkmalschutz. Mancher Stadtbummler hat sich in der „Breiten Straße“ sicher schon über die beiden Steinwälle gewundert. Die Gedenksteine verweisen auf das 1720 gebaute Neckartor. Anhand von Bildern zeigte Lindemann, wie das repräsentative Tor als Eingang der alten Festung diente. Ein Geheimtipp ließ die Gruppe einen spontanen Abstecher in die T-Quadrate unternehmen. Hier versteckt sich im nicht öffentlich zugängigen Innenhof einer Bar ein wahres Kleinod. Selbst die ortskundigen Mannheimer bestaunten die holzgetäfelte Galeriebauweise.

In K 7 hielt Lindemann an, um den Blick auf das aus den 1920er Jahren stammende Ordnungsamt zu lenken. Aufgrund der würdevollen Architektur habe der Volksmund dem Gebäude den Namen „Filsbach-Schlösschen“ gegeben, berichtete sie.

Die Liebe zu ihrem Wohnort war Constanze Lindemann bei der Veranstaltung deutlich anzumerken. Das machte den Streifzug und die Erinnerungen an das frühere Leben im Quartier so originell. „Man findet viele bemerkenswerte Geschichten“, lachte sie. Nicht nur Anwohner auch Teilnehmer aus anderen Stadtteilen erfuhren Wissens- und Sehenswertes von der Westlichen Unterstadt.