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Gartenstadt Karlsternfreunde informieren über den Klimawandel / Pilze und Borkenkäfer setzen den Kiefern zu / Waldführungen zum Thema geplant

Zecken und Misteln lieben die Wärme

Archivartikel

Der Klimawandel stand im Mittelpunkt der Jahreshauptversammlung des Fördervereins Freunde des Karlsterns. Im Jugendhaus Waldpforte informierte Sebastian Eick, Leiter des Forstamtes der Stadt Mannheim, über die Auswirkungen im Käfertaler Wald.

Der Klimawandel mache auch vor Mannheim, das 2018 das heißeste Jahr seit der Wetteraufzeichnung verzeichnete, keinen Halt. Dabei seien Wetter und Klima nicht das Gleiche. „Mit Klima ist die Durchschnittstemperatur in einem Zeitraum von 30 Jahren gemeint“, erklärt Eick und bestätigte, dass 2018 keine Ausnahme war: Schon in den Jahren zuvor sei der Temperaturanstieg klar zu erkennen gewesen.

Im rund 1150 Hektar großen Käfertaler Wald wirke sich die zugenommene Trockenheit besonders auf die Kiefern aus. Pilze, wie Diplodia pinea, sorgen dabei für Triebsterben. Die Pilze bilden Sporen, dringen in die Nadeln ein und werden vom Wind verteilt. Diplodia pinea gebe es noch nicht lange in Mannheim. Ursprünglich kommt der Pilz aus südlicheren, wärmeren und auch trockenen Gegenden. Aber auch die Kiefer sei kein heimischer Baum, informierte Eick. Die nordosteuropäische Baumart wurde unter anderem in den 50er Jahren in Kulturwäldern angepflanzt, als die Nachfrage nach Holz stieg.

Ferner setzen Borkenkäfer und Misteln den ohnehin schon geschwächten Bäumen zu. Über die Hälfte der Kiefern im Käfertaler Wald sind von Misteln befallen. Dieses Gewächs profitiere, ähnlich wie die Zecken, deren Population ebenfalls zugenommen habe, von Wärme und sorgt dafür, dass Wasser und Nährstoffe nicht mehr in die Baumkrone der Kiefer gelangen. Zwischen 2010 und 2018 seien hier 12 000 Festmeter Holz geschlagen worden, davon 4000 Festmeter absterbende oder abgestorbene Bäume.

Traubenkirsche verdrängt Eiche

Eine andere, nicht-heimische, Baumart profitiere zum Teil von den wärmeren Temperaturen: die spätblühende Traubenkirsche. Ursprünglich aus den amerikanischen Appalachen, verdränge sie Eichen und Fichten, könne letztendlich aber nicht komplett auswachsen, da es in Mannheim nicht genug Niederschlag gebe. Eine erhöhte Sturmgefahr und das Risiko von Waldbränden seien ebenfalls Folgen der langen Trockenheit. Im vergangenen Jahr gab es jedoch nur zwei kleinere Waldbrände in Mannheim, die umgehend von der Feuerwehr gelöscht werden konnten.

Die anwesenden Mitglieder nahmen die Informationen dankbar auf und fragten, was man denn zur Hilfe des Waldes tun könne. Eick riet, weiter aufzuklären, was im Wald passiere. Die Freunde des Käfertaler Waldes kündigten an, in ihren kostenlosen Waldführungen demnächst auch Führungen mit dem Schwerpunkt Klimawandel anzubieten.

Eick berichtete, dass derzeit auf zwei Hektar Fläche mit 15 verschiedenen Baumarten getestet würde, welche Bäume sich am besten an die Gegebenheiten im Käfertaler Wald anpassen können, der momentan keinen Förster habe.

Der Verein hat derzeit 307 Mitglieder. Vorsitzender Wolfgang Katzmarek freute sich über rund 60 Anwesenden. Auch die Ehrungen langjähriger Mitglieder standen auf dem Programm des Nachmittags. Katzmarek schloss die Versammlung mit der Nachricht, dass Werner Pfiffkowski aus dem Vorstand zurückgetreten sei. Er verkündete, dass der neu angeschaffte Bisonbulle im vergangenen Jahr für Nachwuchs gesorgt habe: Es gibt jetzt drei Bisonkälbchen im Käfertaler Wald.