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Neckarau Reit-Projekt für finanziell benachteiligte Kinder / Umgang mit Tieren soll Spaß bringen, aber auch Kompetenzen fördern

Zeit mit Pferden stärkt Selbstvertrauen

Archivartikel

Die Idee der neunjährigen Lea ist verblüffend clever, ihre Umsetzung allerdings schwierig und anstrengend. Da der an der Flanke des Ponys herunterhängende Steigbügel nur bis auf die Höhe ihrer Schultern reicht, schiebt die angehende Reiterin anstatt der Schuhspitze ihr linkes Knie energisch in den Bügel, ergreift mit beiden Händen den Sattel und zieht sich langsam hoch. Aufgeben kommt nicht infrage, und als Lea endlich sicher auf dem Rücken des Tieres sitzt, strahlen ihre Augen. Sie ist erleichtert und stolz über das Erreichte.

Großer Traum oft unerfüllt

„Ich liebe Pferde“, sagt Lea. Es ist Freitagnachmittag, ein sonniger Tag im beginnenden Sommer. Vor den Stallungen der Reitgemeinschaft Neckarau bereiten sich drei Mädchen und zwei Jungs mit den drei Ponys Naomi, Nataschia und Veto auf eine schöne Reitstunde vor.

Dass für die pferdebegeisterten Kinder der Rheinauschule – Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit Förderschwerpunkt Lernen, der große Traum vom Reiten in Erfüllung geht, ermöglicht ein Projekt für sozial benachteiligte Kinder. Die Idee dazu ging von der Physio- und Hippotherapeutin Michaela Fähnle aus, die sowohl im Kinderschutzbund Mannheim, als auch bei den Damen des Lions Clubs Mannheim-Rhein-Neckar sowie in der Reitgemeinschaft Neckarau engagiert ist. Sie holte Iris Krämer (Vorsitzende des Kinderschutzbundes Mannheim), Simone Volckmann (2. Vorsitzenden der Reitgemeinschaft Neckarau) sowie Christine Thilmann (Ehefrau des amtierenden Präsidenten des Lions Clubs Rhein-Neckar) ins Boot. „Durch das Projekt erhalten junge Menschen aus wirtschaftlich benachteiligten Familien Gelegenheit, eine Sportart auszuüben, die üblicherweise Kindern von bessergestellten Eltern vorbehalten ist“, sagte Christine Thilmann.

Die neun- und zehnjährigen Mädchen und Jungen besuchen die von den Mitarbeiterinnen des Kinderschutzbundes Anna Schuler und Ute Weber geleitete Kindergruppe „Spielen und Lernen“, die sich jeden Freitag im Anschluss an den Unterricht in der Rheinauschule trifft. Ein üppiges Picknick, das die Lions-Damen getreu dem Motto ihres Clubs „Wir machen Mannheimer Kinder stark!“ liebevoll vorbereitet hatten, ließ die Kinder Kraft schöpfen. Kurze Zeit später kamen Lea, Emely, Maria, Miri und Christo auf dem Gelände der Reitgemeinschaft Neckarau erstmals in Kontakt mit den Tieren ihrer Träume.

In Begleitung von Simone Volckmann sowie den beiden in der Ausbildung zur Reittherapeutin befindlichen Helferinnen Barbara Grimmer und Christin Schmitt geht es auf den drei gutmütigen Ponys einmal um das Gelände. Von Zeit zu Zeit erteilen die Begleiterinnen kurze Anweisungen, geben Ratschläge, loben und korrigieren. Nie im Befehlston, sondern stets aufmunternd und helfend. Dementsprechend spürbar entspannt ist die Atmosphäre.

„Beim Umgang mit den Pferden sollen Komponenten gefördert werden, die sich im Leben nachhaltig umsetzen lassen: Geduld mit Tieren und anderen Teilnehmern, Verantwortungsbewusstsein, Durchsetzungsvermögen, Sozialkompetenz und Kameradschaft“, erklärte Iris Krämer. Ein wichtiges Anliegen der Projektbegleiterinnen ist es, das Selbstvertrauen der jungen Menschen zu stärken. Das Reiten bereite allen Kindern großes Vergnügen. Wichtig ist allerdings auch das Erlernen der Vorbereitungen. Michaela Fähnle zeigt ihnen den Umgang und die Pflege von Pferden am Beispiel des geduldigen Isländers Sorty.

Auch Streicheleinheiten für die Pferde als Dank für das gemeinsame schöne Erlebnis gehören dazu. „Das sind schöne Tiere, die haben ein weiches Fell und schöne Haare“, stellen Miri (9 Jahre) und sein Freund Christo (10 Jahre) fest.“ Simone Volckmann möchte nicht, dass die Kinder etwas tun müssen. „Sie sollen selber versuchen und entscheiden, nicht aufgeben, sondern immer neu ihre Grenzen suchen, damit sie nach gutem Gelingen entsprechend stolz auf sich selber sein können.“

Die trotz Konzentration oft strahlenden Gesichter zeigen, was das den Kindern bedeutet. Weitere Reiterlebnis-Nachmittage sollen schon bald folgen.