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Rheinau Protestanten des Stadtteils feiern Fusion dreier Gemeinden mit Festgottesdienst / 15 Kirchenälteste in ihr Amt eingeführt

Zuversichtlich auf einem neuen gemeinsamen Weg

Archivartikel

Die evangelischen Gemeinden im Mannheimer Süden gehen einen neuen gemeinsamen Weg. Am Sonntag feierten sie mit einem Festgottesdienst in der Versöhnungskirche unter dem Motto „Aus drei wird eine“ ihren Zusammenschluss zur „Evangelischen Gemeinde Rheinau“. „Einer mag überwältigt werden, aber zwei können widerstehen, und eine dreifache Schnur reißt nicht leicht entzwei” zitierte Pfarrer Uwe Sulger, Geschäftsführender Pfarrer der neuen Fusionsgemeinde, aus der Bibel (Prediger 4,9-12).

In letzter Zeit sei er oft gefragt worden, ob die Fusion ein Grund zur Freude ist? „Ja, denn eine dreifache Schnur hält einfach besser, und drei in einem ist zudem, was christlichen Glauben ausmacht“, meinte Sulger.

Dekan Ralph Hartmann verglich in seiner Predigt die Fusion mit einer Eheschließung: Das Bild aus dem Alten Testament mit dem Schiffstau, das aus drei Teilen besteht, werde daher auch gern als Trauspruch genommen, erzählte er. „Weil gemeinsam das Leben, die Zukunft gestalten stärker macht“.

Die eigene Identität bewahren

Die drei Gemeinden brächten jeweils ihre Identität mit, eine dreifache Persönlichkeit, die man im Auge behalten müsse. „Jeder bringt seine eigene Geschichte mit, die kann man nicht einfach wegwischen“, mahnte der Dekan. Es müsse eine gute Balance gefunden werden, was synchronisiert und angeglichen werden kann und wofür die Gemeinden einen eigenen Raum brauchten. Er habe aus der Entfernung beobachtet, wie die drei Gemeinden zusammengefunden haben und sei „sehr beeindruckt, wie klug sie den Weg gegangen sind“, so der Dekan.

Zu den 15 Frauen und Männern, die Pfarrer Hansjörg Jörger und Diakon Daniel Maier in ihre Ämter als neue Kirchälteste einführten, erklärte Hartmann: „Sie übernehmen eine große Verantwortung als engagierte Christen in der Gemeinschaft, wo sie leben – in Hochstätt, Casterfeld, Pfingstberg, Rheinau und Rheinau-Süd.“

Der Dekan sprach den Verantwortlichen der neuen Fusionsgemeinde Gottes Segen für den neuen gemeinsamen Weg zu. Für die feierliche, schwungvolle und zuversichtliche Atmosphäre bei diesem Ereignis sorgten auch Orgel, Ökumenischer Singkreis, Projektchor und Flötenensemble, die den Festgottesdienst virtuos und stilistisch abwechslungsreich gestalteten.

Stadtrat Claudius Kranz, der in Vertretung des Oberbürgermeisters die Grüße der Stadt überbrachte, forderte die Verantwortlichen auf, die offene Tür für die Gesamtgemeinde aufzustoßen, damit sie „erblühen und wachsen möge“.

In seinem Grußwort hob Andreas Schäfer, Vorsitzender des Gemeinnützigen Vereins Rheinau, also der Dachorganisation des Stadtteils, die Offenheit der evangelischen Gemeinde für Gemeinwesenarbeit hervor: „Sie haben Vereinen und Organisatoren in Ihrem Haus immer Unterkunft bei Veranstaltungen gewährt, und das ohne Eintrittsgeld“, formulierte er unter dem Schmunzeln der Gäste unter Anspielung etwa auf den Neujahrsempfang.

Damit die gute Verbindung auch bei der Neugestaltung des Rheinauer Marktplatzes weiter ausgebaut werden kann, sicherte Schäfer der neuen Fusionsgemeinde seine Unterstützung zu.

Katholischer Pfarrer gratuliert

Lorenz Seiser, Leiter der Katholischen Seelsorgeeinheit Mannheim-Süd, wünschte der evangelischen Schwestergemeinde, von ihm kurz und humorvoll „EVA-Süd“ genannt, dass die Fusion gut gelingen möge. „Sicher ist das eine Herausforderung, aber auch eine Notwendigkeit“, meinte er nach 18-jähriger Erfahrung der katholischen Seelsorgeeinheit mit Blick in die Zukunft. „Trotz der Großwetterlage – Krise bedeutet auch immer Chance“, beruhigte er. Sicher zeige „die derzeitige Situation der Kirche im Westen auch, was wirklich wichtig ist“.

Als Geschenk hatte er einen frisch gebackenen großen Hefezopf mitgebracht. Den sollten sie gemeinsam genießen und, so wünschte Seiser, „ein Herz und eine Seele werden“.

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