Südzucker

Südzucker Vorstand des Mannheimer Konzerns geht im Kerngeschäft von hohen Verlusten aus / Dividende unverändert

„Der historisch tiefe Preis überschattet alles“

Mannheim.Auf der Welt wird momentan extrem viel Zucker hergestellt, vor allem die asiatischen Länder Indien und Thailand hatten bei der Rübenernte Rekorde gemeldet. Die Erzeugung von Zucker ist sogar stärker gestiegen als der Verbrauch – wodurch die Preise in den Keller gerutscht sind. Europas größtem Zuckerproduzenten Südzucker macht das schwer zu schaffen.

So schwer, dass das Unternehmen im laufenden Geschäftsjahr 2018/2019 mit einem operativen Verlust von bis zu 200 Millionen Euro im Kerngeschäft rechnet. Im Moment ist das Ergebnis 139 Millionen Euro im Plus. „Unser Ausblick für das Zuckersegment ist deutlich getrübt“, sagt Vorstandschef Wolfgang Heer (oberes Bild) auf der Jahrespressekonferenz in Mannheim. Finanzchef Thomas Kölbl (unteres Bild) ergänzt: „Der historisch tiefe Preis überschattet alles.“

Seit die Marktordnung der Europäischen Union zum 1. Oktober 2017 ausgelaufen ist, hat sich der Markt für Südzucker und andere Zuckerhersteller radikal verändert. Nach 50 Jahren gibt es keine festen Produktionsquoten und Exportbeschränkungen mehr. Der Weltmarkt schlägt sich stärker nieder, der Wettbewerb für Südzucker ist härter geworden. „Der europäische Zuckermarkt dürfte heute der unregulierteste der Welt sein“, sagt Heer.

Zwei Jahre lange Schwächephase

Zuletzt hat Südzucker auf die neuen „Freiheiten“, vor allem im Export, mit deutlich mehr Anbauflächen für Zuckerrüben reagiert. Die Kapazitäten sollen bestmöglich ausgenutzt werden, so dass die Fixkosten pro Tonne Zucker sinken. Damit will sich das Unternehmen gegen die niedrigeren Preise stemmen. Heer und Kölbl rechnen damit, dass die schwierige Phase in spätestens zwei Jahren überwunden ist. Sie beziehen sich dabei auf die üblichen Auf- und Ab-Bewegungen bei den Preisnotierungen am Weltmarkt. Der Zuckerkonsum soll nach Schätzungen wieder steigen. Zudem könne auf Dauer kein Unternehmen zu solchen Preisen profitabel wirtschaften, so Kölbl.

Nach wie vor arbeitet Südzucker daran, Kosten zu straffen und Abläufe zu verbessern. Der Einstellungsstopp in der Mannheimer Zentrale gilt weiterhin, dort arbeiten derzeit rund 530 Beschäftigte.

Das vergangene Geschäftsjahr hat Südzucker wie erwartet zu Ende gebracht. Die finalen Resultate hätten den vorläufigen Eckdaten größtenteils entsprochen, schreibt Laura Cherdron vom Analysehaus Independent Research. Der Konzernumsatz ist gestiegen, auch das operative Ergebnis hat leicht zugelegt. Zumindest bis September 2017 lief das Zuckergeschäft gut, auch das Segment Frucht lieferte einen wichtigen Anteil zum Ergebnis. Aktionäre sollen für das angelaufene Geschäftsjahr eine Dividende von unverändert 45 Cent je Aktie erhalten. Darüber muss noch die Hauptversammlung Mitte Juli entscheiden.

Neue Investitionen

Durch den erwarteten Verlust im Kerngeschäft Zucker rechnet das Unternehmen damit, dass das operative Ergebnis 2018/19 deutlich auf 100 bis 200 Millionen Euro zurückgehen wird. Der Umsatz soll weiter zwischen 6,8 und 7,1 Milliarden Euro liegen. Vorstandschef Heer kündigt trotz „wirtschaftlich schwieriger Zeiten“ Investitionen an: Die Bioethanolanlage in Zeitz (Sachsen-Anhalt) wird erweitert, die Weizenstärkeanlage im österreichischen Pischelsdorf ausgebaut.

Südzucker stellt neben Zucker auch Lebensmittelzutaten, Fruchterzeugnisse und Tiefkühlpizza her. Der Konzern ist zudem Hauptaktionär des Mannheimer Bioethanol-Herstellers CropEnergies.

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