Südzucker

Hauptversammlung Aktionäre von Südzucker besorgt über schwachen Aktienkurs / Vorstandschef Heer spricht von „historischem Bruch“

Schwere neue Zuckerwelt

Archivartikel

Mannheim.Aktionärsvertreter Hans-Martin Buhlmann liebt bildhafte Vergleiche. „Südzucker braucht einen neuen Brandschutz“, sagt Buhlmann, der die Vereinigung Institutioneller Privatanleger (VIP) leitet, auf der Hauptversammlung im Mannheimer Rosengarten. Der „Brand“ bei Südzucker ist für ihn das Ende der EU-Marktordnung. Südzucker tut sich schwer mit dieser neuen Welt, in der es unter anderem keine festen Produktionsquoten mehr gibt. Dafür einen Wettbewerb, der noch härter geworden ist.

Vorstandschef Wolfgang Heer spricht vor 2900 Besuchern im Rosengarten von einem „historischen Bruch“. „Seit Oktober 2017 arbeiten wir in einem der am wenigsten regulierten Zuckermärkte der Welt“, erklärt er. Schon im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres die Zuckererlöse seien „empfindlich“ zurückgegangen. Über das gesamte Jahr geht der Konzern sogar von einem Verlust im Kerngeschäft aus, weil die Zuckerpreise so niedrig sind. Das Unternehmen rechnet mit mindestens zwei schweren kommenden Jahren, dann sollen sich die Preise wieder erholen. Heer ist zuversichtlich: Südzucker sei „gut gerüstet“, andere Sparten wie Frucht und Spezialitäten sorgten „für einen verlässlichen Halt trotz des starken Gegenwinds“.

Aktionärsvertreter aber reagieren enttäuscht und besorgt, was den schwachen Aktienkurs betrifft. Auch dass Südzucker im März aus dem M-Dax mittelgroßer Werte geflogen ist, haben sie nicht vergessen.

Bei der vergangenen Hauptversammlung im Juli 2017 lag der Aktienkurs noch rund fünf Euro höher (siehe Grafik). Für Roland Klose von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) eine „dramatische Entwicklung“. „Die Märkte reagieren stark auf die neue Zuckerwelt. Es ist ein schwieriges Umfeld für uns Aktionäre“, sagt er. Sein Kollege Buhlmann findet, wenn es so weitergehe, könne Südzucker die Wertpapiere auch verschenken.

„Wöchentlich Feueralarm testen“

Ohnehin wählt Buhlmann deutliche Worte auf der Hauptversammlung. Dass Südzucker mindestens zwei schwierige Jahre in Aussicht stellt, ist für Buhlmann ungenügend. „Das kann doch keine Strategie eines ordentlichen Vorstands sein! Und der Aufsichtsrat müsste wöchentlich den Feueralarm testen, um zu sehen, ob der Vorstand auf fallende Preise reagieren kann“, schimpft der Aktionärsvertreter ins Mikrofon. Die stark schwankenden Zuckerpreise lassen ihn ratlos zurück: „Mal rauf, mal runter, mal weiß es keiner.“

Seit 2011 ist Südzucker am britischen Rohstoffhändler ED&F Man beteiligt. Im September 2016 hatte der Mannheimer Konzern seine Beteiligung von 25 Prozent minus einer Aktie auf 35 Prozent minus einer Aktie erhöht. Der Kaufpreis betrug 92 Millionen Dollar (damals rund 81,5 Millionen Euro). ED&F Man, spezialisiert auf den weltweiten Handel mit Zucker, Kaffee, Getreide und Futtermitteln, sollte das Geschäft von Südzucker internationaler aufstellen. Doch Details zur Zusammenarbeit vermissen die Aktionäre. „Herr Heer hat wahrscheinlich auf seinem Fahrrad das entsprechende Blatt seiner Rede verloren“, sagt Buhlmann.

Die Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr 2017/18 beträgt 45 Cent je Aktie – unverändert zum Vorjahr. Im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres 2018/19 ist das operative Ergebnis von 153 Millionen wie erwartet auf rund 78 Millionen Euro zurückgegangen. „Das aktuelle Niveau der Zuckererlöse sowohl in der EU als auch für unsere Exporte hinterlässt tiefe Spuren auf Konzernebene“, sagt Heer.

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