SV Darmstadt

Fußball Aufstiegsheld Tobias Kempe sichert Darmstadt den Zweitliga-Klassenerhalt / 1:0 gegen Erzgebirge Aue

Lilien kommen mit Veilchen davon

Darmstadt.Die Nichtabstiegsparty, die es laut Trainer Dirk Schuster eigentlich nicht geben sollte – am Ende holte sie den SV Darmstadt 98 doch noch ein. Zu laut war dafür der kollektive Jubelschrei im altehrwürdigen Stadion am Böllenfalltor, zu groß war die Erleichterung beim Bundesliga-Absteiger nach dem schmeichelhaften 1:0 (0:0)-Sieg gegen Erzgebirge Aue. Der gefürchtete Absturz in die 3. Liga – er ist ausgeblieben. Nach dem Schlusspfiff ließ sich die Darmstädter Mannschaft vor der Gegengerade feiern, die im Sommer umgebaut wird. Schon vor Spielbeginn hatten die Lilien-Fans mit einer Choreografie, die sich über alle vier Tribünen erstreckte, Abschied vom alten „Bölle“ genommen.

Eine große Team-Sause gab es am Sonntagabend allerdings nicht. Bis Dienstag wird bei den Südhessen weitertrainiert, wie Trainer Schuster klarstellte. „Ist ein Klassenerhalt mit zwei blauen Augen ein Grund zum Feiern? Wir haben nichts Großes geschaffen, sondern nur unser Minimalziel erreicht“, erklärte Schuster nach getaner Arbeit. Auch Lilien-Kapitän Aytac Sulu gab sich bescheiden: „Nach so einer Saison von Feiern zu reden – ich glaube, wir sollten das alles mit Demut angehen.“ Zumal die Darmstädter am letzten Spieltag einen „Schluck aus der Pulle Glück“ brauchten, wie Schuster es formulierte. Die Gäste waren in der ersten Halbzeit spielbestimmend und erzielten in der dritten Minute ein reguläres Tor. Lilien-Verteidiger Marvin Mehlem fälschte einen Schuss von Aues Calogero Rizzuto ab, Abwehrkollege Romain Brégerie rettete klar hinter die Linie – dem Schiedsrichtergespann um Referee Sören Storks entging dieses entscheidende Detail aber. „Ich weiß nicht, was wir den Schiedsrichtern getan haben“, zählte Aues Trainer Hannes Drews die dritte strittige Entscheidung gegen sein Team in den vergangenen Wochen auf. In der 31. Minute ging Darmstadts Felix Platte im eigenen Strafraum mit dem Arm an den Ball – wieder blieb der vertretbare Pfiff aus (31.).

„Minimalziel erreicht“

Von Darmstadt war derweil lange nichts zu sehen. Ein Fernschuss von Yannick Stark, der knapp am Pfosten vorbeirauschte (32.), ein Schüsschen von Joevin Jones (52.), den Aues Keeper Martin Männel festhielt (52.) – viel mehr brachten die einfallslosen Lilien offensiv nicht zustande. So durfte sich die Schuster-Elf vor allem bei SVD-Torwart Daniel Heuer Fernandes zu verdanken, der in der 67. Minute eine Konterchance der Sachsen durch Pascal Köpke gekonnt entschärfte (67.).

Ein 0:0 hätte Darmstadt angesichts der anderen Zwischenstände zwar gereicht. Tobias Kempe war das jedoch egal. Der mit Abstand beste Scorer der Südhessen (elf Tore/sieben Vorlagen), der Darmstadt 2015 zum Bundesliga-Aufstieg geschossen hatte, beseitigte mit dem Siegtreffer in der 87. Minute die letzten Zweifel. Kurios: Die Darmstädter, die erst vor einer Woche erstmals seit dem 15. Spieltag die Abstiegsränge verlassen hatten, beendeten die Saison mit 43 Punkten auf Platz zehn. Aue muss mit 40 Zählern gegen den Karlsruher SC in der Relegation ran.

Der zweite Abstieg hintereinander wäre das nächste Extrem in der jüngeren Lilien-Historie gewesen. Zur Einordnung: 2013 waren die Südhessen in die Regionalliga abgestiegen, nur der Lizenzentzug gegen die Kickers Offenbach rettete den damaligen Drittligisten vor dem Amateurdasein. Es folgten der wundersame Durchmarsch in die Bundesliga, zwei Spielzeiten im deutschen Fußball-Oberhaus – und um ein Haar die Rolle rückwärts, die nun abgewendet wurde.