SV Darmstadt

Fußball Trotz Zweitliga-Klassenerhalt will Darmstadt das vergangene Jahr gründlich analysieren

Nach Katastrophensaison stehen Lilien vor Umbruch

Darmstadt.Sandro Sirigu war nach eigener Aussage „etwas bestürzt“ von der Nachricht. „Ich habe gerade erfahren, dass wir noch bis Dienstagnachmittag Training haben“, erklärte der Flügelspieler von Fußball-Zweitligist SV Darmstadt 98 nach dem geglückten Klassenerhalt gegen Aue – freilich mit einem Grinsen im Gesicht. Das erschwere die Planungen für eine mögliche Feier.

Aber zum Feiern gab es bei den Lilien nach dem letzten Saisonspiel ohnehin nur wenig Grund. Mit einer gehörigen Portion Glück haben die Lilien nach einer Katastrophensaison den zweiten Abstieg innerhalb eines Jahres abgewendet. Nun geht der Blick nach vorn – und dafür müssen auch die Spieler nachsitzen.

Präsident fordert Demut

„Wir freuen uns erstmal, dass wir dem Teufel heute von der Schippe gesprungen sind“, sagte Präsident Rüdiger Fritsch. „Aber wir sind jetzt sehr gut beraten, diese Saison zu analysieren und dabei demütig zu sein.“ Warum es in der Zweiten Liga nicht funktioniert habe, werde man sich in Ruhe ansehen. „Es war eine sportliche Berg- und Talfahrt. Wir hatten lange keine Kontinuität, haben uns erst am Schluss stabilisiert.“

Am Ende hat sich der Trainerwechsel von Torsten Frings zu Dirk Schuster nach der Hinrunde ausgezahlt. Darmstadt ist in der Rückrundentabelle das viertbeste Team der Liga. Die Saison schloss man auf Rang zehn ab, was aber die Tatsache übertüncht, dass bis zum letzten Spieltag der Abstieg möglich war.

Spielerisch bot das Team bestenfalls Magerkost. Vor allem in den letzten drei siegreichen Spielen gegen Union Berlin, Jahn Regensburg und Aue nahm es zahlreiche große Schlucke aus der von Schuster immer wieder bemühten „Glückspulle“. Die dürfte mittlerweile bis auf den letzten Tropfen leer sein.

In den kommenden Tagen sollen nun die personellen Weichen für die Zukunft gestellt werden. Deswegen wolle man bis Dienstag die Gespräche mit den Spielern führen, die wegen der unsicheren Situation bislang auf Eis gelegen hätten. Bei den drei Leihspielern Dong-Won Ji, Baris Atik und Romain Bregerie ist die Zukunft offen, wobei die Chancen auf einen Verbleib des Franzosen Bregerie wohl am besten stehen. Für die von Frings geholten Romuald Lacazette und Julian von Haacke, die unter Schuster keine Rolle spielten, stehen die Zeichen auf Abschied.

Kevin Großkreutz war zuletzt meist nur Ersatz, Jan Rosenthal zählte gar nicht mehr zum Kader. Der Vertrag des lange verletzten Defensivroutiniers Peter Niemeyer (34) läuft aus. Torhüter Daniel Heuer Fernandes hat sich als bester Lilien-Akteur der Saison ins Blickfeld anderer Vereine gespielt. Neuzugänge sind noch keine bekannt.

Gelassen können die Lilien damit umgehen, dass Aue gestern Widerspruch gegen die Spielwertung eingelegt hat. Als Grund gaben die Sachsen drei Fehlentscheidungen durch das Schiedsrichterteam unter der Leitung von Sören Storks an. „Diese ganz klar und in aller Welt sichtbaren Fehler dürfen und können wir nicht im Raum stehen lassen und einfach so hinnehmen“, erklärte Aues Präsident Helge Leonhardt.