SV Waldhof

Fußball Der Abgang von Timo Kern sowie die Querelen im Präsidium begleiten den erfolgreichen Testspiel-Doppelpack des SV Waldhof

28 Tore und Nebengeräusche

Archivartikel

Mannheim.Mit einem 4:0 gegen den luxemburgischen Vizemeister CS Fola Esch und einem 24:0-Schützenfest beim B-Ligisten VfL Hockenheim hat Fußball-Drittligist SV Waldhof am Wochenende die nächsten Schritte Richtung Saisonstart am 21. Juli gemacht. Doch für den meisten Gesprächsstoff am Alsenweg und in Hockenheim sorgten zwei Namen, die bei diesen Auftritten gar nicht mehr präsent waren. So hatte Timo Kern seinen Spind schon am Samstagvormittag geräumt und sich auf den Weg zum Medizincheck beim Liga-Konkurrenten Bayern Mümchen II gemacht. Für Vize-Präsident Stefan Höß, der am Freitag überraschend zurückgetreten war, hatte in seiner Funktion als Vorsitzender des Kulturvereins Waldhof das Stadtteilfest Vorrang.

Vor allem die Personalie Kern wurde heiß diskutiert, mit Verwunderung wurde vor allem zur Kenntnis genommen, dass der 29-Jährige nicht wie beabsichtigt zum Zweitligisten Jahn Regensburg, sondern zum Mitaufsteiger aus München wechselt. „Das möchte ich nicht kommentieren“, verkniff sich Sportchef Jochen Kientz diese Entwicklung, die sich für Kern offenbar auf dem Gehaltszettel auszahlt – und immerhin eine Ablöse deutlich über dem Regensburger Angebot von rund 170 000 Euro einbringt. „Letztlich war er nicht mehr zu halten“, erläuterte Trainer Bernhard Trares den Abgang seines Spielmachers aus der Meister-Saison, der nicht weniger als 17 Tore zum Mannheimer Erfolg beisteuerte. Zuletzt war die Stimmung so angespannt, dass der Coach den ehemaligen Walldorfer sogar zwei Tage vom Training freistellte, damit sich die Gemüter beruhigen konnten. Nun also der Abschied, den Trares in seiner Tragweite erst gar nicht kleinreden wollte. „Das ist schon ein Verlust“, sagte der 53-Jährige. „Aber wir werden versuchen, das zu kompensieren.“

Okan Kurt als Ersatz?

Wie das über das Kollektiv geschafft werden kann, war gegen Esch zu sehen, als Dorian Diring auf die Position neben Marco Schuster rückte, laut Trares könne auch der junge Benedict dos Santos diese Position – wenn auch etwas defensiver – interpretieren. Ein möglicher Eins-zu-Eins-Ersatz dürfte dabei aber ebenso eine große Rolle spielen, schließlich war die Maßgabe zuletzt immer, Kern nur dann ziehen zu lassen, wenn es Alternativen gibt.

Die könnte beispielsweise Okan Kurt sein, der neben Rechtsverteidiger Toni Gorupec am Wochenende vorspielte, und zuletzt beim Drittligisten Fortuna Köln am Ball war. „Das sind beides interessante Spieler“, bestätigte Sportchef Kientz. Der in Hamburg geborene Kurt wurde beispielsweise 14 Jahre beim FC St. Pauli ausgebildet und schnupperte dort schon ausgiebig Luft im Profi-Fußball, bevor ihn der Weg über Fortuna Sittard in Holland nach Köln führte, wo er zwei Jahre in der 3. Liga am Ball war.

Auch in Hockenheim durfte sich Kurt am Sonntag nochmals vorstellen und traf gegen den völlig überforderten B-Ligisten fünf Mal, doch schon der Test gegen Esch ließ erahnen, dass der SVW vor allem im Offensivspiel schon auf einem guten Weg ist. „Natürlich müssen wir uns jetzt nochmals neu finden, wenn uns ein Spieler wie Timo wegbricht, aber insgesamt haben wir immer Torgefahr und Mentalität auf dem Platz. Das macht uns aus“, war Trainer Trares mit dem Test gegen die Elf von Ex-FCK-Profi Jeff Strasser generell durchaus einverstanden.

„Sich neu finden“ ist darüber hinaus auch das Motto für das Waldhof-Präsidium, das nach dem Rücktritt von Höß den Posten des Vize-Präsidenten besetzen muss. Der für diese Position vorgesehene Unternehmer Peter Köhnlein bestätigte auf Anfrage „Gespräche mit den entscheidenden Personen beim SV Waldhof“, verwies aber ansonsten auf eine ausstehende Mitteilung des Vereins. Köhnlein soll laut Präsident Bernd Beetz wie berichtet beim schon lange defizitär arbeitenden Hauptverein seine unternehmerischen Kompetenzen einbringen – auch wenn mit Warenhaus-Manager Thomas Bollmeyer der Bereich Finanzen und Sponsoring bereits abgedeckt scheint.

Keine gemeinsame Basis

Die Hinzunahme Köhnleins sei laut Beetz für den Herbst ohnehin vorgesehen gewesen, ein ausgemachter Fachmann für die Abteilungen jenseits des allmächtigen Fußballs ist nun offenbar nicht mehr vorgesehen – was Höß nun zum Handeln zwang. „Leider bleibt mir kein anderer Weg übrig“, hatte der im Stadtteil bei gleich drei Vereinen in führender Rolle aktive Höß am Freitag mitgeteilt. Über die Bedeutung der Details im täglichen Club-Leben gab es wohl keine gemeinsame Basis mehr, auch von fehlender Empathie der Familie Beetz in Richtung des Hauptvereins war zuletzt immer wieder die Rede. Präsident Beetz, der angetreten war, die Spielbetriebs-GmbH und Hauptverein einander wieder näher zu bringen, verneinte dagegen einen Graben: „Da gibt es null Probleme.“

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