SV Waldhof

Der besondere Aufsteiger Trotz seiner Historie sieht sich das Projekt Türkgücü München nicht als Migrantenclub

Bayernraute neben dem Halbmond

München.Unterstützer hat Türkgücü München nicht nur in Deutschland. „Coole Sache! Punkte sammeln!!!“, wünscht der FC Bosporus Bern dem Aufsteiger via Facebook für die 3. Liga. Viele weitere türkischstämmige Fußballclubs gratulieren ebenfalls fleißig. Keine Frage: Das Projekt Türkgücü München ist eines, das die Aufmerksamkeit türkischer Gemeinschaften weckt.

Als türkische Festung im deutschen Fußball versteht sich der Emporkömmling aus der Regionalliga Bayern jedoch nicht. Im Juni 2019 beschlossen die Mitglieder eine Namensänderung – der 1975 als SV TürkGücü München gegründete Vorgängerverein hieß bis dato SV Türkgücü-Ataspor – und passten das Logo an. Blau-weiße Bayernrauten gehen jetzt Seit‘ an Seit‘ mit der türkischen Flagge.

Die Liebe zum Freistaat ist jedoch nicht grenzenlos. Im Frühjahr zog Türkgücü-Präsident Hasan Kivran einen Umzug nach Nordrhein-Westfalen in Betracht – dem schob der DFB jedoch einen Riegel vor. Der provokante Schritt hat einen ernsten Hintergrund: Münchens dritter Profiverein hat keine feste Spielstätte. Den Heimauftakt gegen Kaiserslautern am zweiten Spieltag bestreitet Türkgücü im Stadion an der Grünwälder Straße, das ansonsten den Ligarivalen 1860 und FC Bayern II vorbehalten ist. Nach dem Match beim SV Waldhof (3. Oktober) empfängt Türkgücü Wehen Wiesbaden im Olympiastadion. Bis zu acht Partien darf der Neuling in der alten Heimat des FC Bayern absolvieren. In die Saison startet Türkgücü am Sonntag – bei Bayern II.

Ein türkischer Fokus lässt sich im Münchner Kader nur bedingt ausmachen. Sieben Spieler sind türkischer Abstammung, alle werden als doppelte Staatsbürger geführt. Deutsche sind klar in der Mehrheit. „Bei uns ist es völlig egal, ob die Spieler aus Deutschland, der Türkei oder aus dem Balkan kommen“, sagt Max Kothny, Türkgücus erst 23 Jahre alter Geschäftsführer. Die Fluktuation ist derweil seit Jahren hoch: 17 Spieler kamen im Sommer, zwölf gingen. Zudem ersetzte Alexander Schmidt Aufstiegscoach Reiner Maurer. Nur sechs Akteure besitzen einen Vertrag über 2021 hinaus. Die kurzfristige Planung mag nach drei aufeinanderfolgenden Aufstiegen berechtigt sein, zumal Vereinsboss Kivran bis 2023 in die 2. Liga aufsteigen will. Kivran, seit 2016 an Bord, spielte in den 90ern selbst für die Münchner. Als gut vernetzter Geschäftspartner fädelte er mehrere dicke Sponsorendeals ein.

Geballte Offensivkraft

Der neue Sturm um den Ex-Mainzer Petar Sliskovic (29, zuletzt Duisburg), Tom Boere (27, neun Tore für Uerdingen) und Daniele Gabriele (25, neun Tore für Jena) lässt aufhorchen. Die Mittelfeldspieler Atakan Akkaynak (21, Caykur Rizespor, Leihe) und Philipp Erhardt (27, Mattersburg) waren zuletzt in der Türkei und Österreich auf Erstliga-Niveau am Ball. Die Abwehr verstärkt der Heidelberger Aaron Berzel (28) von 1860. Mit René Vollath (30, Uerdingen) holte Türkgücü einen gestandenen Drittliga-Keeper. Schon im Januar kam mit Sercan Sararer (30, KSC) ein 35-facher Bundesliga-Spieler (Stuttgart, Fürth) und zwölffacher türkischer Nationalspieler.

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