SV Waldhof

Fußball Wegen der Zuschauerausschreitungen in der Relegation gegen Uerdingen verurteilt das Sportgericht die Mannheimer unter anderem zu einem Drei-Punkte-Abzug

DFB statuiert ein Exempel am Waldhof

Frankfurt.Vier lange Stunden wurde im Sitzungsraum drei des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) getagt, dann stand fest: Fußball-Regionalligist SV Waldhof soll wegen den Fan-Ausschreitungen in den Aufstiegsspielen gegen Uerdingen mit einem Minus von drei Punkten in die am 27. Juli beginnende Saison 2018/2019 starten. Zudem wurde der SVW zu einer Geldstrafe von 40 000 Euro verurteilt und muss mit Blick auf eine verbesserte Stadion-sicherheit acht Auflagen umsetzen, die der Club zum Großteil selbst entwickelt hatte. Damit blieb das Sportgericht des DFB unter Vorsitz von Richter Stefan Oberholz zwar unter dem ursprünglichen Strafantrag des DFB-Kontrollausschusses, der neben den Auflagen neun Punkte Abzug und eine Geldstrafe von 50 000 Euro vorsah, doch das große Aufatmen im Waldhof-Lager blieb aus.

„Ein kleiner Teilerfolg“

Stattdessen herrschten eher gemischte Gefühle vor. „Das ist ein kleiner Teilerfolg, weil wir von diesem existenzbedrohenden Neun-Punkte-Abzug auf nun drei heruntergekommen sind. Aber dennoch sehe ich diese Bestrafung als nicht zielführend“, kommentierte SVW-Geschäftsführer Markus Kompp das Urteil. „Der Neun-Punkte-Hammer ist weg, aber ich halte es weiter prinzipiell für falsch, in den sportlichen Wettbewerb einzugreifen“, sagte Kompp, der den Regionalligisten gemeinsam mit dem Frankfurter Sportrechtler Johannes Zindel in der DFB-Zentrale vertrat.

Trainer Bernhard Trares schlug in die gleiche Kerbe, als er von dem Urteil erfuhr. „Ich bin generell der Meinung, dass die Sportgerichtsbarkeit nicht direkt in den Sport eingreifen sollte. Der Wettbewerb steht für mich über allem. Hier einzuwirken ist ein No-Go, ein Unding“, sagte der Coach des Vorjahreszweiten auf Anfrage dieser Zeitung. Der Punktabzug ist allerdings noch nicht endgültig, der SVW legt wohl Berufung gegen das Urteil ein. Dies muss innerhalb von sieben Tagen geschehen. Liegt dann die schriftliche Urteilsbegründung vor, können sich die Mannheimer endgültig entscheiden, ob sie das Urteil vor dem DFB-Bundesgericht letztinstanzlich überprüfen lassen wollen.

Den weiteren Weg werden dann sicher auch alle anderen Fußball-Clubs in Deutschland mit Interesse verfolgen, denn mit der Verurteilung des Viertligisten zu einem Punktabzug wegen Zuschauerausschreitungen hat das DFB-Sportgericht auch ein Grundsatzurteil gefällt. Bislang gab es Punktabzüge nur für Verstöße im Lizenzierungsverfahren oder bei Verletzungen von Lizenzauflagen. „Bei solchen gravierenden Vorfällen müssen wir aber auch ein Stück weit umdenken und unsere Rechtssprechungslinie erweitern“, begründete Oberholz, der zugleich stellvertretender Vorsitzender des DFB-Sportgerichts ist, den ersten Punktabzug wegen solcher Vorfälle in der Geschichte des DFB. Oberholz sprach mit Blick auf das abgebrochene Rückspiel von einer „Bankrotterklärung für den Fußball“.

Mitschuld beim Verein

Wegen der Schwere der Ausschreitungen – Oberholz sprach von einem „Inferno“ – sei ein Punktabzug daher grundsätzlich geboten, zudem machte der DFB-Sportrichter eine Mitschuld beim Verein aus. Vor allem die Tatsache, dass die große Menge an Pyrotechnik ganz offenbar schon vor dem eigentlichen Spieltag ins Stadion gebracht wurde, musste sich der Traditionsclub ankreiden lassen. Nach Auffassung des Gerichts und des Kontrollausschusses war auch der Ordnungsdienst nicht angemessen organisiert.

Nicht zuletzt die Vorbelastung – schon in den Spielzeiten 15/16 und 16/17 wurde der SVW nach den Relegationsspielen zu Geldstrafen und einem Zuschauerteilausschluss verurteilt – fiel dem Waldhof in Frankfurt schmerzhaft auf die Füße. „Das Geisterspiel zu Beginn der Saison 2016/17 hat offenbar nicht gefruchtet“, meinte Richter Oberholz, während Wolfgang Zieher für den Kontrollausschuss feststellte: „Wir wollen mit solchen Vorkommnissen nicht leben.“ Aufgrund der bisherigen Bemühungen des Regionalligisten um Aufklärung und einer Verbesserung der Situation reduzierte Zieher seinen Antrag während der Verhandlung zwar auf einen Sechs-Punkte-Abzug und eine 40 000-Euro Geldstrafe, den Eingriff in den sportlichen Wettbewerb, sah er aber dennoch als gerechtfertigt. „Es ist geboten, klare Kante zu zeigen.“

Waldhof-Anwalt Zindel argumentierte, dass ein Punktabzug einer „täterorientieren Sanktionierung“ widerspreche und sprach sich deshalb für ein erneutes Geisterspiel aus. Das Sportgericht folgte dagegen dem Kontrollausschuss. Eine Entscheidung, die nun vor allem die Mannschaft trifft. „Ein herber Schlag“, meinte Torwart Markus Scholz. „Aber minus drei ist leichter aufzuholen als neun Punkte.“

Der Entscheid über den Waldhof-Einspruch gegen die Lizenzerteilung für den KFC Uerdingen lässt unterdessen weiter auf sich warten. Die Zusammensetzung des DFB-Schiedsgerichts ist noch offen.

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