SV Waldhof

Fußball SV Waldhof tastet sich langsam wieder in den Trainingsalltag und bereitet sich auf Saisonfortsetzung vor / Enger DFB-Zeitplan setzt Kompp unter Druck

Die Probleme nach dem Wiedersehen

Archivartikel

Mannheim.Der kollektiv herbeigesehnte erste Trainingstag nach fast acht Wochen Corona-Pause endete mit einem kleinen Stimmungsdämpfer. Waldhof-Torhüter Markus Scholz, der sich nach einem Kreuzbandriss aus dem vergangenen August wieder ans Team herankämpft, zog sich am Freitag einen Muskelfaserriss zu. „Er hat sich einen Piekser in der Wade geholt. Schrecklich, aber man kann es nicht ändern“, sagte Trainer Bernhard Trares. Sollte die Saison in der 3. Fußball-Liga tatsächlich, wie es der DFB zurzeit plant, am 26. oder 27. Mai mit einem Geisterspiel im Carl-Benz-Stadion gegen den KFC Uerdingen fortgesetzt werden, wird Scholz wahrscheinlich fehlen.

Trotz dieses Wermutstropfens überwog am Freitagnachmittag im Seppl-Herberger-Stadion die Wiedersehensfreude. „Es war ein tolles, fantastisches Gefühl, nach acht Wochen wieder auf dem Platz sein zu können und mit den Jungs zu arbeiten. Es war eine schwere Zeit und ich bin wirklich dankbar dafür, dass wir wieder miteinander arbeiten können“, sagte Trares.

Endlich wieder Fußball: In Fünfergruppen tasten sich die Mannheimer langsam wieder in den Alltag, auch wenn aufgrund der weiterhin geltenden Kontaktbeschränkungen Kreativität in den Übungsformen gefragt ist. „Der Unterschied zum normalen Training ist schon groß. Wir müssen wieder ein Gefühl für die Kugel entwickeln und schauen, dass wir so viel Sicherheit wie möglich zurückbekommen“, umschrieb Trares die Zielsetzungen bei der Rückkehr auf den Rasen. Sobald das Land Baden-Württemberg grünes Licht gibt und der SVW die im Rahmen des DFB-Hygienekonzepts vorgeschriebenen Corona-Tests der Profis und Betreuer erfolgreich über die Bühne gebracht hat, könnte schon Mitte dieser Woche wieder das reguläre Mannschaftstraining inklusive Zweikämpfen starten.

Wer wird Corona-Beauftragter?

Die Mannheimer haben einiges nachzuholen und nur noch wenig Zeit, wenn wirklich schon in gut zwei Wochen wieder der Ball rollen sollte, wie es der DFB mit viel Druck durchsetzen will. „Wir versuchen einfach, uns in der kurzen Zeit so vorzubereiten, als ob es in gut zwei Wochen weitergeht. Wie groß die Wahrscheinlichkeit dafür ist, das weiß ich nicht. Vielleicht 20 Prozent? Wir können das alles nicht abschätzen, das liegt aber auch nicht in unseren Händen“, sagte Trares.

Nicht nur der Trainer und seine Jungs auf dem Platz, sondern auch Geschäftsführer Markus Kompp ist in diesen Tagen gefordert. Der 37-Jährige, der immer für einen Abbruch der Saison plädiert hat, muss innerhalb weniger Tage die strikten Vorgaben für eine mögliche Fortsetzung abarbeiten. „Ich sehe den Zeitplan des DFB als nicht realistisch an“, kritisierte Kompp.

Eines von vielen Problemen: Der SVW benötigt so schnell wie möglich einen hauptamtlichen Hygienebeauftragten, der unter anderem die erstmals in dieser Woche angesetzten Corona-Tests der Spieler und Betreuer vornimmt und überwacht. Erster Kandidat ist Mannschaftsarzt Konstantinos Cafaltzis, mit dem Kompp Gespräche über den zusätzlichen Job führt. Ob der Orthopäde aus Ludwigshafen zusagen wird, ist aber fraglich. „Es ist zeitlich enorm schwer für einen Arzt mit Praxis, zweimal in der Woche fünf oder sechs Stunden lang die Mannschaft zu testen“, betonte Kompp. Dass die Corona-Testungen in Mannheim wie vom Verband gefordert in den nächsten Tagen über die Bühne gehen könnten, hält der Waldhof-Geschäftsführer für „utopisch“, auch weil es noch kein Testmaterial gebe und die Profis die dazu notwendigen Vereinbarungen noch nicht unterschrieben hätten.

Solche Nebengeräusche ausblenden und auf den Sport konzentrieren – mit dieser Philosophie ist Trares in den erfolgreichen vergangenen zwei Jahren stets gut gefahren. Der Trainer will deshalb auch gar nicht zu sehr ins Detail gehen, ob es ein großer Nachteil sein könnte, dass fast die halbe Liga schon seit einigen Wochen wieder auf dem Platz steht, während die Kurpfälzer zum Warten verdammt waren. „Wie sich das denn auf dem Platz widerspiegeln wird, kann ich nicht abschätzen. Wir wollen da jetzt auch gar nicht so viel über Vor- oder Nachteile reden. Wir sind erst einmal dankbar, dass wir wieder auf den Rasen können. Und wir werden versuchen, unsere Möglichkeiten zu nutzen. Wir versuchen, es positiv zu sehen“, bekundete Trares. Das Ziel des 54-Jährigen ist klar: Der SV Waldhof will in den verbleibenden elf Partien versuchen – trotz widriger Startbedingungen sowie der Unruhe rund um die Themen Kurzarbeit und Saisonabbruch –, Aufstiegsplatz zwei zu verteidigen.

Sportliche Prognosen verbieten sich allerdings, wenn die 20 Drittligisten nach zweieinhalb Monaten Pflichtspiel-Pause in einem strapaziösen Programm innerhalb von nur fünf Wochen bis Ende Juni die verbleibenden Partien ohne Publikum ausspielen sollten. „Die Uhren sind wieder auf Null gestellt. Die Mannschaften wissen nicht, wo sie stehen. Die Saison beginnt von Neuem. Niemand weiß, wie die einzelnen Spieler das Coronavirus und die Pause verarbeitet haben. Die Situation ist schwierig, aber wir versuchen das abzuschütteln“, meinte Trares.

Die Hoffnung des Waldhof-Coachs, dass Top-Scorer Dorian Diring nach seinem Knorpelschaden im Knie im verspäteten Saisonendspurt wieder eingreifen könnte, haben sich allerdings nicht erfüllt. „Bei ihm wird es leider nicht reichen. Schade, wir wären froh gewesen, wenn wir ihn wieder bei uns gehabt hätten“, sagte Trares. Ansonsten stehen dem Ex-Profi bis auf die Dauer-Patienten Raffael Korte und Jesse Weißenfels alle Profis zur Verfügung. Torhüter Scholz soll nach seinem Muskelfaserriss in spätestens drei Wochen den nächsten Anlauf zum Comeback starten.

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