SV Waldhof

Fußball Nico Hecker hat in dieser Saison verletzungsbedingt noch keine Minute für den SC Verl absolviert – auch das Gastspiel in Mannheim fällt aus

Eine ganz bittere Leidensgeschichte

Verl/Mannheim.Von 1992 bis 1995 spielte René Hecker für den SV Waldhof in der 2. Bundesliga. Am Freitag hätte nun Sohn Nico in seine Fußstapfen treten und erstmals im Carl-Benz-Stadion auflaufen können – allerdings für den Gegner SC Verl. Eine schwere Verletzung an der Schulter, die den 29-Jährigen aus der Bahn geworfen hat, verhindert jedoch die Rückkehr Heckers zu seinen Wurzeln.

„Ich habe nur noch Bruchstücke an Erinnerungen. Als wir nach Mannheim kamen, war ich ein Jahr alt. Wir hatten eine schöne Wohnung, waren häufiger in den Parks unterwegs – und natürlich war ich damals auch im Stadion“, erinnert sich Hecker. „Für meinen Vater war die Zeit beim SV Waldhof der Einstieg in den Profifußball, unter Klaus Toppmöller wäre dann beinahe der Aufstieg in die Bundesliga gelungen.“ Da ist natürlich auch heute noch eine kleine Sympathie für die Blau-Schwarzen vorhanden. „Ich muss schon sagen, dass man diese Vereine, bei denen es eine Verbindung gibt, einfach mehr verfolgt. Das war bei Mannheim so und auch bei Erzgebirge Aue“, berichtet er.

Seit über vier Jahren dauert nun schon die Leidensgeschichte Heckers. Eine vor der Saison 2016/17 erlittene Schultereckgelenksprengung startete eine schmerzhafte Odyssee, die den Außenbahnflitzer mit Rückfällen und vermuteten Behandlungsfehlern immer wieder zurückgeworfen hat. Vor wenigen Wochen musste sich Hecker erneut einer Operation unterziehen. „Man kann noch nicht viel sagen, aber es ist derzeit alles im Soll. Am 9. Dezember war die OP und nach acht Wochen kommen die Schrauben raus. Derzeit kann ich den Arm noch nicht so gut bewegen, alles ist noch eingeschränkt. Ich bin aber guter Dinge“, zeigt er Optimismus, ein Einsatz im Carl-Benz-Stadion kommt natürlich nicht in Frage.

Nach viereinhalb Jahren des Pendelns zwischen Arztpraxis und Trainingsplatz, Krankenstand und Führungsspieler hat er die Lust am Fußball aber keineswegs verloren. „Wahrscheinlich hätten einige in meiner Lage tatsächlich mit dem Gedanken gespielt, aufzuhören, für mich kam das bislang aber nie in Frage. Ich war 24 Jahre alt, als das Verletzungspech begann – und ich habe mich trotz der langen Dauer immer zu jung gefühlt, um mich mit solchen Gedanken zu beschäftigen“, sagt Hecker. „Dafür liebe ich den Fußball zu sehr. Ich fühle mich körperlich gut und denke momentan nur daran, dass alles wieder in Ordnung kommt und ich auch wieder eine richtige Lebensqualität erhalte.“ 57 Partien hat Hecker seit dem Sommer 2016 und dem Beginn seiner Leidenszeit absolviert – theoretisch möglich gewesen wären 144. Eine Diskrepanz, die aber nicht an seiner Leistung festzumachen ist. „Sein Verletzungspech hat verhindert, dass er noch mehr aus sich herausholen konnte“, sagt auch Vater Rene Hecker, der den Weg seines Sprösslings natürlich verfolgt. „Er hat ein Riesen-Potenzial, bringt Tempo und viel Leidenschaft mit.“

Tugenden, die der SC Verl als frecher Aufsteiger in dieser Saison bereits in die Waagschale geworfen und die Liga mit unbekümmerten Offensivfußball aufgemischt hat. Siege beim 1. FC Saarbrücken (2:1) oder MSV Duisburg (4:0) setzten Ausrufezeichen. Hecker hat allerdings noch keine Einsatzminute auf dem Konto. „Man fiebert am Fernseher und im Stadion mit, würde aber viel lieber mitmischen“, kann sich Nico nur schwer mit der Zuschauerrolle anfreunden. „Insbesondere, da es ja für den Verein und auch für mich persönlich das erste Drittligajahr ist. Ich hoffe, dass ich bald dazu stoßen kann.“

Auch wenn Verl vor der Weihnachtspause eine kleine Durststrecke mit nur einem Punkt aus drei Partien durchlebte, sieht er das Team reif genug, das gegenwärtige Niveau zu halten: „Wir haben eine richtig geile Truppe, die einen tollen Teamgeist hat und schönen Fußball spielt. Trainer und Verein verfolgen eine sehr gute Philosophie. Wir haben schon in der Regionalliga nur ein Spiel verloren und in der 3. Liga an diesen Lauf angeknüpft.“

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