SV Waldhof

Fußball Der einstige Oberliga-Torwart des SV Waldhof freut sich auf das Gastspiel mit Hansa Rostock im Carl-Benz-Stadion

Kolke kehrt in sein früheres „Wohnzimmer“ zurück

Archivartikel

ROSTOCK.In der Sommerpause erhielt das Ostseestadion in Rostock einen nagelneuen Rasen. Grund dafür war allerdings nicht wie im Mannheimer Carl-Benz-Stadion die Notwendigkeit, die Heimspielstätte drittligatauglich zu machen, sondern ein Auftritt der Musikgruppe Rammstein, dessen Publikum ein ramponiertes Geläuf hinterlassen hatte. Der Funke der explosiven Rocker sprang aber nicht auf die Kicker des FC Hansa über, der Saisonstart verlief für den letzten DDR-Meister (1991) und Gegner des SV Waldhof (Sonntag, 13 Uhr, Carl-Benz-Stadion) eher durchwachsen.

„Wir hatten einen großen Umbruch. 15 Spieler sind gegangen, 14 Neue kamen hinzu, dabei sind einige sehr junge Profis. Natürlich kommt man besser in die Saison, wenn man das erste Spiel gewinnt“, sagt Markus Kolke, Stammtorhüter bei den Hanseaten, der in der Saison 2010/11 Teil der Oberliga-Meisterelf des SV Waldhof war.

Im Drittliga-Auftaktspiel hatten die Rostocker gegen Aufsteiger Viktoria Köln bereits nach 19 Minuten 3:0 geführt und alles sah nach einem dicken Ausrufezeichen des Vorjahres-Fünften in Richtung der Konkurrenz aus. 40 Minuten später stand es allerdings 3:3. Nach neun Spieltagen steckt Hansa in der zweiten Tabellenhälfte fest. „In Halle haben wir erst in der vorletzten Minute das Gegentor kassiert und gegen Großaspach einen unglücklichen Gegentreffer gefangen“, zählt Kolke auf, wo der ehemalige Bundesligist überall schon Punkte liegen gelassen hat. „Der Verein hat reagiert, hat neue Qualität hereingeholt und den Konkurrenzkampf angeheizt. Wir sind dadurch als Team enger zusammengewachsen.“

Beim Rekordspiel dabei

Für den früheren Waldhöfer Kolke ist das Kapitel 3. Liga trotz des Aufstiegs mit dem SV Wehen Wiesbaden in eine Verlängerung gegangen. Trotz laufenden Vertrags verließ er die Hessen in der Sommerpause und wechselte nach Norddeutschland. „Ich hatte schon länger für mich entschieden, dass ich etwas Neues beginnen wollte“, trauert Kolke seiner Entscheidung nicht nach. „Der Aufstieg mit Wehen Wiesbaden war natürlich das i-Tüpfelchen nach acht Jahren dort. Dadurch fiel der Abschied auch etwas leichter.“

Einen Rückschritt in seiner Karriere sieht der 28-Jährige dadurch nicht. Mit dem FC Hansa Rostock findet er einen Traditionsverein vor, der ein großes Fanpotenzial und eine funktionierende Infrastruktur besitzt. Statt gegen den Hamburger SV oder den VfB Stuttgart spielt der gebürtige Unterfranke nun gegen die SG Sonnenhof Großaspach und den SV Meppen – und eben den SV Waldhof. In Mannheim erlebte Kolke mit der Meisterschaft in der Oberliga Baden-Württemberg und dem Rekordspiel gegen den FV Illertissen (6:0 vor über 18 000 Zuschauern) einst seine ersten großen Momente im Fußballerleben.

„Es war ein überragendes Jahr, an das ich mich sehr gerne zurückerinnere. Für mich war es die erste Saison im Herrenbereich, nachdem ich zuvor in der Jugend und in einer zweiten Mannschaft (bei Eintracht Frankfurt, Anm. d. Red.) gespielt hatte“, berichtet Kolke. „Jetzt habe ich acht Jahre darauf gewartet, zurückzukehren und ich freue mich darauf.“ Doch das Spiel im Carl-Benz-Stadion bedeutet nicht nur die Rückkehr in sein einstiges Wohnzimmer. Der Torhüter kann ausgerechnet an seiner alten Wirkungsstätte einen ganz besonderen Rekord aufstellen. Mit 220 Einsätzen wäre Kolke dann der Torhüter mit den meisten Drittliga-Einsätzen und hätte Robert Wulnikowski (219 Einsätze für Kickers Offenbach und die Würzburger Kickers) auf Platz zwei verdrängt. „Das wusste ich gar nicht“, zeigte sich Kolke im Gespräch mit dieser Zeitung von dieser Marke selbst überrascht. „Ich will natürlich immer so viele Spiele wie möglich machen. Es ist eine schöne Randerscheinung und eine solche Auszeichnung nimmt man natürlich gerne mit.“

Dennoch zählen für Kolke und seine Mannschaft nur die Punkte und davon wollen die Rostocker natürlich gerne drei aus der Quadratestadt mitnehmen. Wohin die Reise beim ehemaligen Bundesligisten hingehen könnte, wird sich wohl bis spätestens Weihnachten zeigen. Ziel ist es weiterhin, mehr Punkte als in der Vorsaison einzufahren, was im Umkehrschluss den Angriff auf die Aufstiegsplätze bedeuten würde. Das jüngste 1:1 gegen den FSV Zwickau war die vierte Partie ohne Niederlage in Folge.

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