SV Waldhof

Geburtstag Waldhof-Legende Günter Sebert wird heute 70 / Gefeiert wird im Kreis der Familie, am Stammtisch und im Tennisclub

„Sie haben mir jedes Mal das Haus eingerannt“

Archivartikel

MANNHEIM.„Als wir 1990 aus der Bundesliga abgestiegen sind, habe ich mir nicht vorstellen können, dass wir einmal so tief sinken können“, sagt Günter Sebert, Ehrenspielführer, Idol und Identifikationsfigur des SV Waldhof Mannheim. Damit spielt „Sam“, wie er in Waldhof-Kreisen gerufen wird, nicht auf die katastrophalen Umstände des Relegations-Rückspiels gegen Uerdingen an, sondern auf das jahrzehntelange Tingeln der Waldhof-Buben durch die Niederungen des Fußballs.

Heute feiert die Mannheimer Ikone ihren 70. Geburtstag. Insgesamt 711 Ligaspiele in fünf Spielklassen bestritt Sebert für die Blau-Schwarzen und erzielte dabei 157 Tore. Zudem war er zweimal Trainer und einmal Sportlicher Leiter. „Es gibt für mich ein Schlüsselerlebnis“, beschreibt Hans-Jürgen Pohl, ein enger Vertrauter Seberts, dessen Beziehung zum SV Waldhof: „Im März 1997 wurde Sebert beim SVW freigestellt, ehe Uwe Rapolder übernahm. Zu einer Feier zum 90-jährigen Vereinsjubiläum im April war Sebert eingeladen. Ich hatte nicht erwartet, dass er kommen würde. Doch er erschien und saß in vorderster Reihe.“

Schon 1991, ebenfalls als Trainer, sowie 2013 als Sportlicher Leiter war Sebert am Alsenweg der Stuhl vor die Tür gesetzt worden – dennoch sitzt er bis heute bei fast jedem Heimspiel auf der Tribüne des Carl-Benz-Stadions. „Waldhof ist mein Leben“ hatte Sebert ein Buch, das 1986 erschien, über ihn einst tituliert. „Ich habe Fußball gespielt, so lange ich denken kann“, blickt Sebert zurück.

Jahrelang prägte das Vorbild mit seinen Leistungen das Gesicht des Vereins. Dabei weckte er natürlich auch Begehrlichkeiten: 1860 München, Borussia Dortmund oder der KSC wollten ihn abwerben. „Immer, wenn die Verantwortlichen das mitgekriegt haben, haben sie mir das Haus eingerannt und mich überredet, zu bleiben“, erinnert sich Sebert.

Seinen größten Erfolg, den Bundesliga-Aufstieg, feierte er 1983 im reiferen Fußballer-Alter von 35 Jahren. „Ich hatte mir das schwer vorgestellt, doch ich konnte das mit Kraft und Läuferischem gut vermischen. Zudem hatte ich kaum Probleme mit langwierigen Verletzungen“, meint Sebert, der auf den Notizzetteln der Bundestrainer Helmut Schön und Jupp Derwall stand, wegen der Zweitklassigkeit der Mannheimer aber nie Berücksichtigung fand. „Im Nachhinein muss ich sagen: Wenn ich die vier Jahre Bundesliga beim Waldhof nicht miterlebt hätte, hätte ich wechseln müssen“, findet er.

Später musste Sebert den „Buwe“ den Rücken kehren. Als Trainer arbeitete er unter anderem beim VfR Mannheim, bei Hertha BSC, den Stuttgarter Kickers und Jahn Regensburg – und spielte auch oft gegen den SV Waldhof, der paradoxerweise zu seinem Lieblingsgegner wurde.

Auch gegen den SVW gut

Als Trainer hat er seinen drittbesten Punkteschnitt gegen seinen Ex-Klub eingefahren. „Ich war Trainer und es war für mich eben ein Job“, sagt „Sam“. Sprachlich tat er sich in Regensburg am schwersten. „Die Niederbayern sind schlimmer als wir“, schmunzelt er. Vor etwas mehr als einem Jahr musste Sebert eine Operation über sich ergehen lassen und bekam eine neue Herzklappe. Mittlerweile ist er wieder in der Tennisabteilung des SVW aktiv.

Keine Hommage an Sebert sollte enden, ohne den Hintergrund seines Spitznamens zu erklären: „Fips Rohr war damals Trainer und hat es sich zur Gewohnheit gemacht, mit uns ins Landheim nach Schönau in den Odenwald zu fahren. Dort gab es ein uraltes Kino und irgendwann durften wir sogar das Programm bestimmen. Da lief dann ein Western, in dem die Hauptdarsteller Sam und Joe hießen. Ab da hieß ich Sam und Bernd Bartels war der Joe.“