SV Waldhof

Rund ums Stadion Stummer Protest trübt die Stimmung / Polizeieinsatz am Haupteingang sorgt für mächtig Wirbel

Von Normalität noch weit entfernt

Archivartikel

Mannheim.Für den SV Waldhof ist das erste Heimspiel der Regionalliga-Saison gegen den SSV Ulm der Versuch eines Neustarts in die Normalität: Während die Mannschaft von Trainer Bernhard Trares zwei Monate nach den Ausschreitungen, die zum Abbruch des Relegations-Rückspiels gegen den KFC Uerdingen führten, auf den Rasen im Carl-Benz-Stadion läuft, herrscht auf den Rängen eine neue Stadion-Ordnung: Die Otto-Siffling-Tribüne – oder auch kurz „Ost“ genannte Stehplatztribüne – ist nicht mehr der gewohnte Fan-Bereich. Dort warten jetzt Sitzplätze mit fester Platzwahl, wo sonst „Ultras“ und andere Fan-Gruppierungen die „Buwe“ nach vorne schrien.

Vor dem Spiel hatten sich deshalb rund 200 organisierte Fans bei einem Marsch entlang der Theodor-Heuss-Anlage mit klar artikulierten Besitzansprüchen gemeldet: „Otto-Siffling-Tribüne – unverhandelbar“. Ihr Misstrauen gegenüber der Presse ist groß, die Stimmung aggressiv, kaum einer will seinen Namen in den Medien lesen.

Nur wenige, wie Bernd Klotz und Sabine Heckmann aus Mannheim, sind zum Gespräch bereit. Seit 50 Jahren begleiten sie die Blau-Schwarzen und haben gute Zeiten mit dem Club am Alsenweg ebenso gefeiert wie schlechte erduldet – doch eine Situation wie diese haben auch sie noch nicht erlebt. „Natürlich ist es für den Club schwierig, die Randalierer von den passionierten Fans zu trennen, aber auf beiden Seiten müssen doch Respekt und Rücksicht jetzt die obersten Gebote sein“, sagt Sabine Heckmann und fügt hinzu: „Weder darf der Verein die Unschuldigen bestrafen, noch sollten die Fans das Team unter den neuen Maßnahmen leiden lassen, denn sonst werden wir sportlich sicher nicht weiterkommen.“

Inzwischen 40 Verfahren

Unmittelbar vor dem Spiel kocht die Stimmung nochmals hoch, am Haupteingang zieht die mit Bildermappen ausgestattete Polizei am Haupteingang vereinzelt nach dem Uerdingen-Rückspiel gesuchte Personen unter lautstarkem Gerangel aus der Menge. Einige Dutzend „Ultras“ hätten sich daraufhin aus Angst, am Einlass ebenfalls festgenommen zu werden, gegen den Stadionbesuch entschieden.

Am Ende stehen laut Mitteilung der Polizei acht vorläufige Festnahmen, zwei der acht Personen konnten als Täter ausgeschlossen werden und wurden wieder auf freien Fuß gesetzt. Im Zuge der Aktion kommt es zu Beleidigungen, eine Person wird sogar festgenommen, weil diese Beamte angespuckt haben soll. „Gut, dass wir weitere Tatverdächtige von Straftaten aus dem Relegationsspiel identifizieren konnten“, ist Polizeiführer Frank Hartmannsgruber nach dem Einsatz zufrieden. Derzeit sind knapp 40 Verfahren, zu denen Tatverdächtige ausgemacht wurden, und fünf Verfahren gegen Unbekannt bei der unlängst auf acht Beamte aufgestockten Ermittlungsgruppe, anhängig.

Auf dem Rasen sieht sich die Elf von Trainer Bernhard Trares lange mit schweigender Opposition konfrontiert. Sonst stets als Unterstützer auf der „Ost“ zu sehen, zeigen viele organisierte Fans jetzt regungslose Lethargie auf den Sitzplätzen der Süd-Tribüne. Andere wiederum haben sich in der Kurve neben der gähnend leeren „Ost“ platziert und versuchen etwas Stimmung zu machen. Gäbe es auf dem Rasen nicht wenigstens den Hochzeitsantrag zweier Waldhof-Fans vor 3941 Zuschauern zu bejubeln – viel zu klatschen hätte es an diesem tristen Nachmittag nach einer bitteren Auftaktniederlage nicht gegeben.

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