SV Waldhof

Fußball SV Waldhof sieht sich für die kommenden schweren Wochen wirtschaftlich gerüstet / Kompp will Kurzarbeit beantragen und pocht auf das eigene Aufstiegsrecht

„Wir werden die Krise überstehen“

Archivartikel

Mannheim.Die größte Sorge aller Fans entkräftet Markus Kompp mit Nachdruck. Der Geschäftsführer des Fußball-Drittligisten SV Waldhof ist davon überzeugt, dass die Coronakrise den Verein nicht in existenzielle wirtschaftliche Probleme stürzen wird. „Wir sind gut aufgestellt, unabhängig von Herrn Beetz. Das ist wichtig zu erwähnen. Wir haben keinen Druck, es droht keine Zahlungsunfähigkeit, die Liquidität ist gewährleistet“, sagt Kompp am Dienstag dieser Redaktion: „Wir werden die Krise überstehen, da sind wir uns alle sicher. Das ist eine komfortablere Situation als bei anderen Vereinen.“ Am Montag hatten sich die Vertreter der 3. Liga und der DFB in Frankfurt darauf geeinigt, dass der Spielbetrieb bis zum 30. April unterbrochen bleibt und die elf noch anstehenden Spieltage im Mai und Juni ausgetragen werden sollen. Die EM-Absage öffnete am Dienstag dieses Zeitfenster, jetzt hoffen die Clubs darauf, dass der Coronavirus in den kommenden Wochen so weit unter Kontrolle gebracht wird, dass es im Mai weitergehen kann.

Es ist eine Kompromisslösung, mit der Kompp leben kann, obwohl er im Vorfeld auch öffentlich für einen sofortigen Saisonabbruch plädiert hatte. „Ich bin froh, dass wir das längste Zeitfenster gewählt haben, das in der Diskussion stand, und bin sehr zufrieden, dass unter fast allen Vereinen Einigkeit geherrscht hat. Wir haben realitätsnah entschieden“, sagt der 37-Jährige.

Individuelle Trainingspläne

Um das Defizit im hohen sechsstelligen Bereich, das sich in den kommenden sechs Wochen ohne Heimspieleinnahmen zwangsläufig anhäufen wird, so weit wie möglich zu begrenzen, will der Mannheimer Geschäftsführer nun die Möglichkeiten der Kurzarbeit nutzen. Dabei zahlt die Agentur für Arbeit einen Teil des Gehalts, die Beschäftigten – in diesem Fall Spieler und Angestellte des Clubs – erhalten in der Regel zwischen 60 und 67 Prozent ihres bisherigen Salärs. „Die sechs Wochen Pause geben uns die Möglichkeit, jetzt zu handeln und Kurzarbeitergeld zu beantragen. Darüber tauschen wir uns aktuell mit allen Mitarbeitern und den Spielern aus. Sollten wir ab dem 30. April wieder spielen können, könnten wir die Kurzarbeit dann wieder aussetzen“, erklärt Kompp.

Der DFB hat zudem angekündigt, den betroffenen Clubs – etwa mit unbürokratischen Krediten – unter die Arme zu greifen. Dieses Angebot will der SVW nicht in Anspruch nehmen – auch aus grundsätzlichen Erwägungen. „Ich finde es falsch, wenn die Fußballvereine jetzt anfangen, nach fremder Hilfe zu rufen“, sagt Kompp.

Die Mannheimer haben den Trainingsbetrieb seit Freitag komplett eingestellt, die Geschäftsstelle am Alsenweg ist fast verwaist, weil auch viele Mitarbeiter von Zuhause aus arbeiten. Den Profis wurden individuelle Pläne mitgegeben – sie sollen sich fit halten, falls die Saison im Frühsommer fortgesetzt und beendet werden kann. Auch für das Halbfinale im badischen Verbandspokal gegen den Heidelberger Landesligisten ASC Neuenheim am 8. April im Mannheimer Rhein-Neckar-Stadion muss ein neuer Termin gefunden werden.

Viele Experten zweifeln allerdings daran, dass das Virus bis Anfang Mai ausreichend eingedämmt ist. Das Szenario Saisonabbruch schwebt weiter über der 3. Liga – und damit die Frage, wie sich der SVW als aktueller Zweiter auf einem direkten Aufstiegsplatz in einem solchen Fall positionieren würde. „Wir sind in einer schwierigen Situation, weil wir als SV Waldhof möglicherweise von einem Abbruch profitieren würden. Deshalb stellt man meine Aussagen gerne als von persönlichen Interessen geleitet infrage. Ich würde aber genauso argumentieren, wenn wir auf Platz vier stünden“, sagt Kompp.

Für ihn sei wichtig, „dass wir uns im Fußball nicht unglaubwürdig machen. Wir haben eine gesellschaftliche Verantwortung, deshalb muss die Gesundheit an erster Stelle stehen. An zweiter Stelle steht die wirtschaftliche Situation der Vereine. Es bringt nichts, wenn wir aufsteigen und in der 2. Liga nur noch gegen fünf Vereine spielen können.“

Doch sollte die Spielzeit auch nach dem 30. April nicht fortgesetzt werden können und müsste als Folge komplett abgebrochen werden, pocht Kompp darauf, dass der SVW in die 2. Liga aufsteigt. „Der dritte Aspekt ist das Sportliche. Und da finde ich es legitim, wenn ich die Meinung vertrete, dass 27 Spieltage absolviert worden sind, also über 70 Prozent der Saison. Wer da oben steht, hat es am Ende des Tages auch verdient, oben zu stehen. Ob es ein Punkt oder ein Tor Differenz ist – das ist dann halt so!“, meint Kompp und fügt hinzu: „Zum Glück muss ich nicht entscheiden, ob die Tabelle nach dem 27. Spieltag eingefroren wird. Aber natürlich ist dann unser Interesse, dass es auch Aufsteiger geben muss. Wir dürfen nicht wegen des Coronavirus‘ den Fehler machen, die bisher geleistete sportliche Arbeit zu annullieren. Das wäre ein Schlag ins Gesicht aller Beteiligten.“

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