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Tennis Kranker Alexander Zverev hadert nach seinem French-Open-Aus mit sich selbst: „Ich hätte nicht spielen sollen“

Die nächste Enttäuschung

Archivartikel

Paris.Die Maske ganz tief ins Gesicht gezogen und immer wieder hustend saß Alexander Zverev im Presseraum des Court Philippe Chatrier – und musste über seine nächste Grand-Slam-Enttäuschung sprechen. „Ich bin komplett krank“, sagte die deutsche Nummer eins am Sonntag nach seinem Achtelfinal-Aus bei den French Open gegen den 19 Jahre alten Italiener Jannik Sinner. „Ich hatte am Abend vorher 38 Grad Fieber, habe mich schon nach dem Aufwärmen müde gefühlt. Ich hätte nicht spielen sollen“, sagte Zverev nach dem 3:6, 3:6, 6:4, 3:6.

Drei Wochen nach seiner bitteren Final-Niederlage bei den US Open gegen den Österreicher Dominic Thiem musste Zverev damit die nächste Enttäuschung verarbeiten. „Es ist ärgerlich, weil man bei einem Grand Slam normalerweise sein bestes Tennis spielen will“, sagte der 23-Jährige. „Das war leider nicht möglich.“ Zverev muss damit mindestens bis ins nächstes Jahr auf seinen ersten Grand-Slam-Titel warten. „Ich denke, ich bin auf einem guten Weg. Auch wenn ich sicher noch das eine oder andere an meinem Spiel verbessern kann“, sagte Zverev, der in Melbourne das Halbfinale, in New York das Finale und nun in Paris das Achtelfinale erreichte. Wimbledon war wegen der Coronavirus-Pandemie abgesagt worden.

Dass er sich nun selbst mit dem Virus infiziert haben könnte, glaubt Zverev nicht. „Wir werden ja alle paar Tage getestet und bislang waren alle Tests bei mir negativ“, sagte der gebürtige Hamburger. „Ich habe nicht die typischen Symptome, ich kann schmecken und riechen, wenn meine Nase denn mal frei ist“, sagte Zverev. Aber natürlich werde er sich jetzt noch einmal testen lassen. „Ich denke aber eher, dass es das Wetter ist. Und mein Physio war auch erkältet und mit ihm war ich zuletzt viel zusammen.“

Altmaier als Hoffnungsträger

Damit ist beim Sandplatz-Spektakel in der französischen Hauptstadt nur noch ein Deutscher bei den Herren vertreten. Qualifikant Daniel Altmaier trifft am Montag in seinem Achtelfinal-Match auf den Spanier Pablo Carreno Busta. Bei den Damen kämpft Laura Siegemund gegen die Spanierin Paula Badosa um den Einzug ins Viertelfinale. In der nach vielen Favoritenstürzen völlig offenen Damen-Konkurrenz darf sich auch Siegemund Hoffnungen auf einen Coup machen.

Zverev wirkte gegen Sinner von Beginn an nicht richtig fit. Er kassierte ein frühes Break zum 1:3 und ließ sich kurz darauf vom Arzt ein Medikament gegen seine Erkältung geben. „Nach jedem langen Ballwechsel hatte ich ein Brennen in der Brust, hatte Probleme zu atmen“, beschrieb Zverev die Situation auf dem Platz. Aus Frust hämmerte Zverev, der im bisherigen Turnierverlauf bemerkenswert ruhig geblieben war, zwei Mal seinen Schläger auf den Boden. Nach 42 Minuten holte sich Sinner den ersten Satz. Zverev haderte mit sich, seiner Erkältung und dem böigen Wind. Immer wieder blickte er ratlos zu seinem neuen Trainer David Ferrer und seinem Vater Alexander Senior auf die Tribüne. Insgesamt agierte der 23-Jährige viel zu passiv und überließ Sinner die Initiative. Und der Shootingstar aus Südtirol, dem viele Experten eine große Zukunft vorhersagen, übernahm liebend gerne das Kommando.

In Paris ruhen die deutschen Hoffnungen bei den Herren nun auf Altmaier. Der 22 Jahre alte Qualifikant geht mit breiter Brust ins Duell mit Busta, der bei den US Open im Halbfinale erst in fünf Sätzen gegen Zverev verloren hatte. „Ich werde ihm auch nichts schenken“, sagte der Kempener. Zumindest in Mannheim werden zudem Dominic Thiem die Daumen gedrückt. Der Bundesliga-Spieler für Grün-Weiss steht nach einem Kraftakt gegen den Franzosen Hugo Gaston im Viertelfinale. dpa

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