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Tennis Alexander Zverev steht am Tiefpunkt einer Krisensaison

Mit dem größten Erfolg kommen die Probleme

London.Am Tiefpunkt seiner Krisensaison sucht Alexander Zverev Abstand vom Tennis-Zirkus. Wenigstens kurz will er weg, einmal komplett abtauchen. „Irgendwo, wo mich keiner finden kann“, sagte er. Neben seinem Erstrunden-Desaster in Wimbledon beschäftigen den 22-Jährigen Konflikte abseits des Sports. Auch deswegen ist die Karriere des vielversprechendsten deutschen Tennisprofis seit Boris Becker und Michael Stich ins Stocken geraten. Der Rechtsstreit mit dem Manager scheint ebenso ein Störfaktor wie womöglich das Hin und Her mit seinem Vater und Ivan Lendl auf dem Trainingsplatz.

Der Weltranglistenfünfte klang ein wenig traurig und trotzig, als er sich aus Wimbledon verabschiedete: „Es war kein einfaches halbes Jahr für mich. Ich werde versuchen, das zu ändern. Wenn man mit jedem großen Champion redet, werden sie auch alle solche Jahre mal haben. Es ist ein Prozess. Ich denke, dass ich da bald rauskomme.“

Die zahlreichen frühen Niederlagen in dieser Saison, das Warten auf sein erstes Halbfinale auf Grand-Slam-Ebene, eine Saisonbilanz mit 25 Siegen und 13 Niederlagen passen nicht in eine Karriere, die von frühester Kindheit an auf die maximalen Ziele ausgerichtet ist. Zverev machte deutlich, dass sein Kopf derzeit nicht frei ist für Tennis. Einen Verantwortlichen dafür nannte der Davis-Cup-Spieler zwar nicht. Doch die Vermutung liegt nah, dass sein Manager Patricio Apey gemeint war, von dem er sich trotz eines laufenden Vertrages getrennt hat. „Abartig“, nannte Zverev die Geschehnisse, ohne genauer darauf einzugehen. Offiziell dürfe er eigentlich gar nichts sagen.

Die Probleme hätten mit seinem größten Erfolg angefangen. Im vergangenen November hatte der Hamburger zum Saisonabschluss die ATP Finals gewonnen und damit auch seinen eigenen Ansprüchen entsprochen. „Nach dem Erfolg kommt seine Arbeit. Da kommen dann viele Dinge raus“, sagte Zverev. Er habe nicht erahnt, was auf ihn zukomme: „Das kann man nicht vorhersehen.“

Gerangel um Kompetenzen

Auch in seinem Umfeld deutet vieles auf Unstimmigkeiten über Spielauffassungen und Kompetenzen hin. Zuletzt kamen nie beide Trainer – Ivan Lendl und Vater Alexander Zverev senior – zeitgleich zu den Turnieren. Am Montag verfolgte Lendl meist ausdruckslos das 6:4, 3:6, 2:6, 5:7 gegen den tschechischen Qualifikanten Jiri Vesely. Der ehrgeizige und stolze Zverev-Vater hatte auf die Reise in den Südwesten Londons verzichtet. In Paris bei den French Open war es umgekehrt. Der einstige Weltranglisten-Erste Lendl fehlte in der Sandplatz-Saison offiziell wegen seiner Pollenallergie.