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Tennis Laura Siegemund steht bei DTB-Serie auf dem Platz

Neustart in hinterster Ecke

Archivartikel

Stuttgart.Für einen Moment vergisst Laura Siegemund die Regeln. Sie holt zum Handshake aus, sie stockt. Der Schiedsrichter hat den Fehler erkannt und interveniert. Siegemund lacht – und verzichtet auf das im Tennis übliche Händeschütteln nach dem Match. Stattdessen tippen die Spielerinnen die Schläger gegeneinander, als Ersatz quasi. In der Coronavirus-Krise gelten bei der Serie des Deutschen Tennis Bunds ungewohnte Einschränkungen. Die Metzingerin Siegemund nimmt sie gern hin. Sie findet es wichtiger, überhaupt wieder Matches zu spielen. Eine Abwechslung zu haben.

„Klar nervt die eine oder andere Sache“, sagt die 32-Jährige, die ehemalige Nummer 27 der Welt. „Die eine oder andere Regel ist einfach ein bisschen unsinnig. Aber es ist nicht schlimm, ein paar Regeln zu beachten. Es ist für jeden machbar.“

Linienrichter fehlen

Siegemund fände es etwa besser, wenn die Umkleiden geöffnet wären. Generell sei aber alles gut gelöst. Sie ist bei den Damen die prominenteste Teilnehmerin. Ihre Vorrunde bestreitet sie in Stuttgart – auf dem letzten Platz in der hintersten Ecke, wie sie es beschreibt. Äußerst abgeschieden liegt der Bundesstützpunkt in Stammheim.

Zwei Sandplätze sind umsäumt von einem Zaun und eingerahmt von Hallen, nur auf einem wird gespielt. Ein Schiedsrichter sitzt mit auf dem Platz, Linienrichter aber fehlen. Die Bälle sammeln die Spielerinnen selbst, sie stellen auch den Spielstand auf der Anzeigetafel ein. Wenig steht auf dem Spiel. Siegemund aber feuert sich trotzdem an, wenn sie wichtige Punkte für sich entscheidet. „Es hat Spaß gemacht“, bilanziert die Fed-Cup-Spielerin. „Die Trainiererei zieht einen irgendwo schon runter.“

Bei den größeren Turnieren tummeln sich selbst im Training mehr Zuschauer um den Platz als bei diesem Wettkampf in der Krise. Wenige Trainer, Betreuer, Sponsoren und Pressevertreter: Rund zwei Dutzend Menschen stehen im Nieselregen oder sitzen auf Plastikstühlen.

„Es wird sehr, sehr streng gehalten“, sagt Siegemund, „weil das Gesundheitsamt kontrolliert, und wir alle nicht wollen, dass hier zugemacht wird, weil einer seine Maske nicht aufhatte oder ein Weg nicht markiert ist.“ Ein Gegensatz zu der Atmosphäre, die der Weltranglisten-Erste Novak Djokovic, Deutschlands Topspieler Alexander Zverev und andere Profis bei ihren Show-Wettkämpfen in Belgrad am vergangenen Wochenende vermittelten. Abstände auch unter den Zuschauern wurden dort nicht eingehalten. Für Aufmerksamkeit sorgten auch Party-Bilder. „Ich nehme es sehr ernst“, sagt Siegemund.

Eigentlich hätte am vergangenen Sonntag das Finale des Rasen-Turniers der Herren auf dem Stuttgarter Weissenhof mehrere Tausend Zuschauer unterhalten, als Teil eines deutschen Tennis-Sommers mit prominent besetzter Wimbledon-Vorbereitung auch in Halle, Berlin und Bad Homburg. Nun haben die Profis zwar die Aussicht, dass die US Open in New York Ende August beginnen sollen. Noch ruht die Tennis-Tour aber. 

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