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Tennis John Millman, Bundesliga-Spieler beim TC02, schaltet in New York sensationell die Schweizer Legende aus

Weinheim feiert den Federer-Bezwinger

Archivartikel

New York/Weinheim.Wenn John Millman jemand vor den US Open gesagt hätte, er würde nach einem Vier-Satz-Sieg über Roger Federer ins Viertelfinale einziehen, er hätte wahrscheinlich laut gelacht. Es ist nicht so, dass der Australier, der seit 2017 für den fläsh TC Weinheim 1902 in der Tennis-Bundesliga aufschlägt, nicht an sich glauben würde. Im Gegenteil. Doch die Voraussetzungen vor dem letzten Major-Turnier des Jahres waren denkbar schlecht: Die verletzungsbedingte Aufgabe beim Vorbereitungsturnier in Cincinnati in der ersten Runde, das sofortige Aus in Winston Salem nur eine Woche vor dem Start der US Open – viel hatte er sich nicht ausgerechnet. Doch Millman ist ein Kämpfer par excellence.

Und so wurde am Dienstagmorgen kurz vor sieben Uhr deutscher Zeit ein Traum Wirklichkeit: Erstmals in seiner von vielen Verletzungen geprägten Karriere gelang dem Athleten aus Brisbane mit einem sensationellen 3:6, 7:5, 7:6 (9:7), 7:6 (7:3)-Erfolg der Einzug in das Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers.

Millman war der fittere Spieler auf dem Platz und kam mit den schwülheißen Bedingungen in Flushing Meadows deutlich besser zurecht als ein sichtlich angeschlagener Federer, dem untypischerweise zahlreiche leichte Fehler unterliefen. Millman sah seine Chance, nutzte sie – und sprengte damit das Traum-Viertelfinale zwischen Novak Djokovic und Federer. „Alles ist nass. Das Hemd ist nass, die Hand ist nass. Das macht alles noch schwieriger“, sagte der entkräftete Schweizer nach der Hitzeschlacht.

Im ersten Satz wirkte Millman noch ein wenig gehemmt. Er habe sich gefühlt „wie ein Hirsch im Scheinwerferlicht“, sagte er nach dem Match. Irgendwie schaffte es der Australier, beim Stand von 5:4 und 40:15 für Federer im zweiten Durchgang zurückzukommen – und den Satz dann mit 7:5 zu gewinnen. Der Erfolg setzte Kräfte frei, auf einmal spielte die Weinheimer Nummer 1 aggressiver und bereitete seinem prominenten Gegenüber immer mehr Mühe. In den Sätzen drei und vier behielt Millman in zwei nervenaufreibenden Tiebreaks letztlich die Oberhand. Nach dem größten Triumph seiner Karriere blieb der Australier aber bescheiden. Hatte er beim Einzug in das Achtelfinale noch einen lauten Schrei losgelassen, zog er diesmal vor seinem „Helden“ Roger respektvoll die Mütze vom Kopf.

So kennen ihn die Weinheimer Tennisfans. „Diese grandiose, faire Geste gegenüber Roger – das war ein echter Millman,“ brachte es TC02-Vereinsmitglied Werner Rüffer auf den Punkt, der wie viele Weinheimer das Match am frühen Morgen vor dem Fernseher verfolgte. Die Freude ist groß in Weinheim, wo man den „Aussie“ längst ins Herz geschlossen hat. Er gehört zum Team, ist einer von ihnen, spielt mal eben nach einem schweißtreibenden Drei-Satz-Match noch ein Stündchen Tennis mit den Ballkindern, setzt sich zu den Fans. Starallüren Fehlanzeige.

So lange er körperlich fit sei, werde er auch dem TC Weinheim in der Bundesliga treu bleiben, hat Millman bereits versprochen. Doch nun bereitet er sich erst einmal auf das nächste Match gegen einen der ganz Großen der Szene vor: Im Viertelfinale wartet Novak Djokovic.