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Tennis Deutsche Profis ziehen bei den French Open im Gleichschritt ins Achtelfinale ein, in dem mit Fognini und Djokovic große Herausforderungen warten

Zverev freut sich mit; Kumpel Struff

Archivartikel

Paris.Das gemeinsame Training mit Alexander Zverev sagte Jan-Lennard Struff am Tag vor dem French-Open-Achtelfinale kurzerhand ab. „Da kann ich ihm leider keinen Gefallen tun“, meinte Überraschungsmann Struff schmunzelnd, als er nach seinem kräftezehrenden Vierstunden-Match gegen Borna Coric für Sonntag einen tennisfreien Tag in Paris ankündigte.

Bevor der 29 Jahre alte Sauerländer im ersten Grand-Slam-Achtelfinale seiner Karriere dem Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic gegenüberstehen wird, wollte er ein bisschen im Kraftraum schuften und sich „optimal vorbereiten“. So musste Zverev am Sonntag erstmals ohne Struff trainieren, mit dem er bislang in Roland Garros täglich eine Übungseinheit absolviert hatte.

Fognini auf Sand eine Macht

Vom Klang des Namens und der Einstufung in der Weltrangliste her scheint der 22 Jahre alte Hamburger den einfacheren Kontrahenten erwischt zu haben. Doch der Italiener Fabio Fognini zählt zu den aktuell besten Akteuren auf Sand – er schlug beim Masters in Monaco im April auf dem Weg zum Titel Zverev und Rafael Nadal und ist bei den French Open an Nummer neun gesetzt.

Der 32-Jährige aus Sanremo gilt als Hitzkopf, Tennis-Rüpel und unangenehmer Kontrahent. 2017 wurde er von den US Open ausgeschlossen, weil er bei seiner Erstrunden-Niederlage die Stuhlschiedsrichterin beleidigte. Er beschimpfte schon Gegner, verweigerte Handschläge oder schmiss den einen oder anderen Schläger. Zuletzt sorgte der Ehemann der ehemaligen Profispielerin Flavia Pennetta beim Turnier in Rom für Schlagzeilen, als er Details aus deren Sexleben preisgab, worüber am Tag vor dem Achtelfinal-Duell zwischen Zverev und Fognini auch die „Bild am Sonntag“ berichtete.

Zverev jedenfalls ist gewarnt und gewappnet – auch wenn er von einer Revanche wegen der Niederlage in Monte Carlo nichts wissen will. „Nein, das nicht. Ich habe ihn ja auch vorher schon geschlagen“, sagte der Weltranglisten-Fünfte. „Es wird ein schweres Match. Wenn er gut drauf ist, ist er sehr schwer zu schlagen, vor allem auf seinem Lieblingsbelag. Aber ich bin bereit. Ich habe das Gefühl, dass ich viel besser spiele als in den letzten Monaten“, sagte Zverev, der in diesem Jahr die erste mittelgroße Krise seiner Karriere durchlebte.

In Paris jedoch wirkt er auch ohne seinen Trainer Ivan Lendl entspannt und gelassen. Zverev wohnt direkt neben der Anlage, düst seit Tagen mit seinem Kumpel Marcelo Melo auf E-Scootern durch die Stadt – selbst wenn es abends um elf auch mal 45 Minuten dauert vom Restaurant am Eiffelturm zurück zum Hotel. „Wir haben da jetzt unsere Tradition, Marcelo ist sehr abergläubisch“, sagte Zverev über den Doppel-Spezialisten aus Brasilien, mit dem er eng befreundet ist. Auch mit Struff versteht er sich blendend. „Er ist einer der lässigsten Typen auf der Tour“, sagte Zverev über seinen Davis-Cup-Kollegen. Als er während der Pressekonferenz das Struff-Ergebnis am Monitor an der Wand aufblinken sah, riss Zverev beide Arme in die Höhe und sagte: „Ich freue mich mega für ihn.“ Zum ersten Mal ist Struff bei einem der vier bedeutendsten Turniere noch im Tableau, wenn die Partien mit der Endung „-finale“ beginnen. „Ich bin sehr stolz. Es ist immer mein Traum gewesen, bei einem Grand Slam in die zweite Woche zu kommen“, sagte Struff. Seit zwei Monaten ist er Vater eines Sohnes. Die deutsche Nummer zwei spielt mit so viel Konstanz und Selbstvertrauen, dass er sich auch gegen die Nummer eins etwas ausrechnet. Sollten die zwei Deutschen wider Erwarten beide siegen, hieße das Viertelfinale Struff gegen Zverev.