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Medizin Krankenkassen verlangen stärkere Anstrengungen gegen Pannen

Ärzte machen häufiger Fehler

Berlin.Gutachter der Krankenkassen haben im vergangenen Jahr etwas mehr Behandlungsfehler in Krankenhäusern und Arztpraxen festgestellt. Bei 14 133 Gutachten nach Patientenbeschwerden wurden 3497 Fehler aufgedeckt. Im Jahr 2017 hatten die Gutachter 3337 Fehler bestätigt.

In jedem fünften Fall (2799) waren solche Fehler für Schäden bei Patienten verantwortlich, die Gutachter überprüften, wie der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen (MDS) am Donnerstag in Berlin mitteilte. In fast jedem dritten Fall davon handelte es sich um einen Dauerschaden. 107 Mal führte ein Fehler zum Tod oder trug dazu bei.

Hohe Dunkelziffer

Allerdings gibt es tatsächlich weit mehr Behandlungsfehler als festgestellt. Die Dunkelziffer ist hoch, sagte der Vize-Geschäftsführer der Medizinischen Dienste, Stefan Gronemeyer. Auf jeden entdeckten Behandlungsfehler kämen Studien zufolge rund 30 unentdeckte Fälle.

Mit 9433 Fällen betrafen rund zwei Drittel der Vorwürfe von Patienten in der neuen MDS-Statistik Behandlungen in Krankenhäusern. 31 Prozent aller Vorwürfe beziehen sich auf Orthopädie und Unfallchirurgie, 13 Prozent auf Innere und Allgemeinmedizin und je neun Prozent auf die allgemeine Chirurgie und die Frauenheilkunde. Fehler seien für Betroffene aber etwa bei der Orthopädie leichter erkennbar als etwa bei der Medikamentengabe auf einer Intensivstation, so der MDS. In Deutschland gibt es pro Jahr rund 20 Millionen Behandlungen in Krankenhäusern und etwa eine Milliarde Arztkontakte in Praxen.

Eindringlich mahnten die Kassen stärkere Anstrengungen für die Fehlervermeidung an. Gronemeyer forderte eine nationale Liste von schweren, eigentlich vermeidbaren Problemen. Dazu zählen etwa die Verwechslung der Körperseite oder eines Patienten bei Operationen oder auch die Verwechslung von Medikamenten. Kliniken, Praxen, aber auch Pflegedienste bräuchten zudem spezielle Beauftragte für Patientensicherheit. Derzeit herrsche beim Kampf um mehr Sicherheit eher Stillstand, kritisierte Gronemeyer.

Zu Unterstützung verpflichtet

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz warf Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Versäumnisse vor. „Der Medizinische Dienst, die Bundesärztekammer und Gerichte präsentieren immer wieder Statistiken zu Behandlungsfehlern“, sagte Vorstand Eugen Brysch. Doch noch immer fehlten Vorschläge für einen Härtefallfonds, der bei tragischen Behandlungsfehlern sofort greife. dpa