Thema des Tages

Justiz Ein Teilnehmer einer Wahlkampfveranstaltung in Bensheim soll einen Schüler geschlagen haben

AfD-Auftritt in Auerbach: Staatsanwaltschaft ermittelt

Archivartikel

Bergstraße.Eine Anzeige wegen Körperverletzung, die ein Schüler im September gegen einen Teilnehmer der AfD-Wahlveranstaltung mit der Bundestagsabgeordneten Beatrix von Storch in Bensheim erstattet hat, hat nun die Staatsanwaltschaft Darmstadt auf den Plan gerufen.

Ein Sprecher der Justizbehörde bestätigte gestern auf Nachfrage, dass die zuständige Fachabteilung den Fall derzeit prüft, um zu entscheiden, ob ein hinreichender Tatverdacht besteht. Der Beschuldigte soll den Schüler mit der Hand ins Gesicht geschlagen haben.

Nach Darstellung des 17-jährigen Schülers hatte dieser zusammen mit einigen Gleichaltrigen zunächst an einer Gegendemonstration vor dem Bürgerhaus im Stadtteil Auerbach teilgenommen, wo neben von Storch der hessische Spitzenkandidat Rainer Rahn für die Positionen der AfD im Landtagswahlkampf warb. Zu der Gegendemonstration waren etwa 1000 Teilnehmer gekommen (wir haben berichtet).

Beschuldigter äußert sich nicht

Die Schüler hätten nach einiger Zeit entschieden, das Bürgerhaus zu betreten, um sich die Ausführungen der AfD-Politiker anzuhören, berichtet der junge Bensheimer, der die Anzeige erstattet hat. Nach etwa 20 bis 30 Minuten hätten sie genug gehabt und den Saal verlassen wollen – allerdings nicht kommentarlos. Auf dem Weg nach draußen hätten sie „Wir sind mehr“ gerufen. Ordner, die die AfD gestellt hatte, seien unvermittelt und äußerst ruppig dagegen eingeschritten.

Kurz vor dem Ausgang habe dann die beschuldigte Person mehrere Schläge ausgeteilt und dabei auch ihn selbst erwischt, sagt der Schüler.

Vor dem Bürgerhaus hätten die Jugendlichen sofort die Polizeibeamten aufgesucht, die vor Ort waren, um für den friedlichen Ablauf der Veranstaltungen zu sorgen. Die Beamten hätten zunächst die Personalien der Schüler aufgenommen. Erst danach seien sie ins Bürgerhaus gegangen und hätten dort den Beschuldigten ausfindig gemacht, gegen den der 17-Jährige in der darauffolgenden Woche Strafanzeige stellte.

Der Beschuldigte wollte sich gegenüber dieser Zeitung wegen des schwebenden Verfahrens nicht äußern. Wie die Staatsanwaltschaft erläuterte, hat die Polizei bereits Zeugen vernommen. Zwar handele es sich technisch gesehen bereits um ein Ermittlungsverfahren. Der zuständige Dezernent habe aber noch keine Gelegenheit gehabt, den Vorfall zu bearbeiten. Erst nach dessen Prüfung wird entschieden, wie die Behörde in dieser Sache weiter vorgehen wird.

Zu Berichten von Augenzeugen, es handele sich bei dem Beschuldigten um ein führendes Mitglied der Bergsträßer AfD, nahm die Staatsanwaltschaft aus Gründen des Datenschutzes nicht Stellung.