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Akzent am Fluss

Darauf warten viele Mannheimer seit Langem: Der hässliche, seit 2012 eingerüstete Büroturm des Collini-Centers wird endlich abgerissen. Seit acht Jahren markiert die zusehends verfallende Bauruine am Neckar nicht nur einen Schandfleck im Stadtbild. Sie ist auch Ausdruck mangelnder Pflege öffentlichen Eigentums und von Verschwendung von Steuergeld durch die Kommune. Für jeden sichtbar: blamabel! Wie es anders geht, zeigt der benachbarte Wohnturm, den private Eigentümer in Schuss halten.

Anfang der 1970er Jahre, als der Komplex von der Neuen Heimat gebaut wurde, wollte sich Mannheim als moderne Stadt zur Bundesgartenschau 1975 präsentieren. Wohnen, Arbeiten und Freizeit sollten einen hohen Stellenwert einnehmen. Eines der bedeutendsten Bauvorhaben war die Gestaltung des Neckarufers auf beiden Seiten – dort setzten schließlich die drei Wohntürme am nördlichen und das Collini-Center gegenüber markante städtebauliche Akzente.

Heute, 45 Jahre später, kann sich Mannheim erneut am Neckarufer profilieren – mit Wohnen am Fluss (lange geplant, aber kaum realisiert) und einem attraktiven öffentlichen Raum, der Bewohnern der Innenstadt Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten bietet. Die jetzt vorliegenden Pläne für eine Neugestaltung bieten dazu die Chance. Die Stadt hat mit dem aufwendigen Verfahren – Konzeptvergabe mit Festpreis – dafür die Grundlage geschaffen, bei der sich auch Bürger einklinken konnten. Das war Neuland und hat sich als ein guter Weg erwiesen. Denn: Statt Shopping-Malls oder teuerer Investoren-Architektur fordern die Menschen heute Treffpunkte, bezahlbaren Wohnraum, mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer. Die Sehnsucht nach Gemeinschaft wächst ebenso wie der Wunsch nach schön gestalteten Plätzen, Gemeinschaftsgärten, Park- und Grünzonen. Die Investoren müssen sich darauf einstellen. Das neue, südliche Neckarufer mit Wohnen, einem verkehrsberuhigten Cahn-Garnier-Ufer und einem gescheiten Zugang zum Neckar ist Ausdruck dieses gesellschaftlichen Wandels.

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