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Pandemie Forderung nach mehr Homeoffice-Möglichkeiten und Beschränkungen für Firmen

Angst vor Ansteckungen am Arbeitsplatz

Mannheim/Berlin.Angesichts weiterhin hoher Corona-Infektionszahlen mehren sich Stimmen, die Arbeitgeber stärker in die Pflicht zu nehmen, um die Zahl der Infektionen am Arbeitsplatz zu verringern. Bund und Länder hatten nach ihren Beratungen am Dienstag keine neuen Vorgaben für Betriebe eingeführt, sondern diese nur „dringend gebeten“, großzügige Homeoffice-Möglichkeiten zu schaffen. Gewerkschaften fordern zudem, Corona-Vorgaben in Betrieben stärker zu kontrollieren.

„Vor allem Großraumbüros sind Risikogebiete“, sagte Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt dieser Redaktion. „Es muss endlich klargemacht werden, dass – wo immer es möglich ist – ein Recht auf Homeoffice gilt“, mahnte die Grünen-Politikerin. Es dürfe nicht den Arbeitnehmern überlassen werden, sich das mühsam zu erkämpfen. Eine halbherzige Bitte an die Arbeitgeber, wie sie von der Regierung komme, reiche nicht aus, fügte Göring-Eckardt hinzu. Auch der Präsident des Digitalverbandes Bitkom, Achim Berg, sagte: „Für die gesamte Dauer der Pandemie ist es ein zwingendes Gebot, ausschließlich im Homeoffice zu arbeiten, sofern es die berufliche Tätigkeit zulässt.“ Alle Arbeitgeber seien gefordert.

Aktuell arbeitet jeder vierte Berufstätige ausschließlich im Homeoffice, wie eine repräsentative Befragung im Bitkom-Auftrag von Anfang Dezember ergab. Das entspreche 10,5 Millionen Berufstätigen. Auf weitere 20 Prozent treffe das zumindest teilweise zu.

Gewerkschafter beklagen zudem unentdeckte Mängel im Arbeitsschutz. „Das hatte die Politik bisher noch nicht so richtig im Fokus“, sagt Elwis Capece, Geschäftsführer der NGG Mannheim-Heidelberg, die unter anderem für den Bereich Lebensmittelverarbeitung zuständig ist. Die Arbeitgeber hingegen sehen derzeit keinen Grund für Verschärfungen. Südwestmetall-Hauptgeschäftsführer Peer-Michael Dick zufolge gebe es „umfangreiche, immer wieder aktualisierte Arbeitsschutz- und Infektionsvorschriften für die Arbeitswelt“, die für die Betriebe verbindlich seien.

Weitere Impfstoffdosen für die EU

Zahlen darüber, wie viele Menschen sich im Beruf oder auf dem Arbeitsweg mit dem Coronavirus infizieren, gibt es derzeit nicht. „Bei 75 bis 80 Prozent der Infizierten haben wir keine Informationen, wo sie sich angesteckt haben“, sagte Susanne Glasmacher, Sprecherin des Robert Koch-Instituts (RKI) auf Anfrage dieser Redaktion.

Gute Nachrichten gab es beim Thema Impfen: Seit Freitag kann aus den gelieferten Ampullen der Mainzer Firma Biontech und ihres US-Partners Pfizer mehr Impfstoff entnommen werden als bisher. Mengensteigerungen um bis zu 20 Prozent sollen möglich sein. EU-weit gibt es zudem eine neue Vereinbarung über bis zu 300 Millionen weitere Biontech/Pfizer-Dosen. Zugleich meldeten die Gesundheitsämter in Deutschland mit 1188 neuen Fällen innerhalb nur eines Tages so viele Corona-Tote wie noch nie. Einen weiteren Anstieg in den nächsten Tagen halten Experten für wahrscheinlich.

In Mannheim wurden am Freitag zwei weitere Todesfälle gemeldet, eine über 90-Jährige und ein über 80-Jähriger. Außerdem gab die Stadt Zahlen zu Impfungen bekannt: 2291 waren es bislang in der Maimarkthalle und – mit mobilen Teams – weitere 3340 in Pflegeeinrichtungen. Hinzu kommen die Kliniken, die jedoch auf Anfrage keine Zahlen nennen konnten. Dort dürften sie im niedrigen dreistelligen Bereich liegen. be/mad/sma/dpa/ZRB

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